Baustelle statt Strand

ERLEN. 13 Mitglieder der Erler Buchwiesengemeinde reisen morgen nach Kosovo. Sie helfen mit, in der Stadt Gjilan das erste Rehazentrum für Drogenabhängige im jungen Staat zu errichten.

Georg Stelzner
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Thomas Schnyder aus Erlen leitet die Gruppe. (Bild: Georg Stelzner)

Thomas Schnyder aus Erlen leitet die Gruppe. (Bild: Georg Stelzner)

ERLEN. «Ich freue mich und bin gespannt, was der Aufenthalt bringen wird», sagt Thomas Schnyder – wissend, dass kein Urlaub bevorsteht, sondern eine Arbeitswoche in fremder Umgebung und bei hohen Temperaturen. Schon die 1600 km lange Anreise via München, Salzburg, Zagreb und Belgrad wird strapaziös. «Wir benutzen einen Kleinbus und rechnen damit, rund 20 Stunden unterwegs zu sein», erklärt der 32jährige Erler. In Gjilan werde man auf den gewohnten Komfort verzichten müssen und die Nacht im Zelt verbringen.

Zehn Jugendliche mit dabei

Schnyder leitet die Gruppe, die aus elf Männern und zwei Frauen aus der Evangelischen Täufergemeinde Buchwiesen besteht. Ausser drei Erwachsenen handelt es sich um Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren. Sie alle opfern nicht nur einen Teil der Ferien, sondern finanzieren ihre Teilnahme auch aus eigener Tasche. Schnyder: «Jeden von uns kostet der Einsatz 390 Franken.» Auf die Idee für das Unternehmen «Rock 'n' Roll Kosovo» ist Schnyder durch den Kontakt mit Patrick Walser gekommen. Der mit Schnyder befreundete Sozialpädagoge arbeitet für Partner Aid International in Kosovo.

Anfang Juni fand ein Vorbereitungstreffen statt, an dem sich die Mitglieder der Gruppe kennenlernten. Sie erfuhren Details über das Projekt und die zu erwartenden Aufgaben. «Es wurden auch die kulturellen Unterschiede thematisiert, damit wir uns darauf einstellen können», sagt Schnyder. Der Erler Tobias Neubauer, der für Swisscoy in Kosovo war, habe diesbezüglich wertvolle Informationen liefern können.

Drittes Haus vor Vollendung

Sinn und Zweck des von der Erler Gruppe zu leistenden Arbeitseinsatzes wird es sein, beim Aufbau eines Rehabilitationszentrums behilflich zu sein. Der Verein «Streha» hat vor zwei Jahren für seine Pläne ein geeignetes Grundstück mit zwei Häusern erwerben können. Ein drittes Gebäude entsteht gerade. Laut Schnyder ist es im Rohbau fertig. Was noch fehle, sei der Innenausbau. «Wir sind mehrheitlich keine Fachleute, sondern nur handwerklich begabte Personen, haben aber zwei Sanitär-Lehrlinge im Team», erzählt der Gruppenleiter. Schnyder arbeitet im Alltag als dipl. Pflegefachmann HF im Kantonsspital Münsterlingen und hat soeben berufsbegleitend die Ausbildung Master of Arts in Theologie abgeschlossen.

Kontakt mit anderer Kultur

Schnyder ist es ein Anliegen, auf den pädagogischen und völkerverbindenden Nebeneffekt des Einsatzes in Kosovo hinzuweisen. «Nebst der praktischen Hilfe beim Aufbau des Rehabilitationszentrums ist es ein Ziel, den Jugendlichen während des einwöchigen Aufenthalts eine andere Kultur zu vermitteln und sie dafür zu sensibilisieren.»

Auf diese Weise könnten die jungen Leute, so die Hoffnung des Initianten, die Ursprungskultur zahlreicher Kolleginnen und Kollegen besser verstehen und einordnen. Es sei geplant, eine Moschee zu besuchen, einen Abend im Kreise der einheimischen Bevölkerung zu verbringen und die Region zu erkunden, um einen authentischen Eindruck von Land und Leuten zu bekommen.

Schnyder ist überzeugt, dass das Engagement der Schweizer Jugendlichen auch von emigrierten Kosovaren als Wertschätzung ihrer Heimat empfunden wird und zum Abbau von gegenseitigen Vorurteilen beitragen kann.

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