Bauherren haben's lieber geheim

KREUZLINGEN. Seit vier Jahren hat Kreuzlingen eine Stadtbildkommission zur Qualitätssicherung in der Stadtentwicklung. Zu Beginn tagte diese öffentlich. Seit zwei Jahren finden die Sitzungen aber hinter geschlossenen Türen statt.

Urs Brüschweiler
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Die drei externen Sachverständigen der Kreuzlinger Stadtbildkommission bei ihrer zweiten Sitzung im Mai 2010: Carl Fingerhuth, Andrea Gebhard und Franz Eberhard. (Archivbild: Nana do Carmo)

Die drei externen Sachverständigen der Kreuzlinger Stadtbildkommission bei ihrer zweiten Sitzung im Mai 2010: Carl Fingerhuth, Andrea Gebhard und Franz Eberhard. (Archivbild: Nana do Carmo)

Seinen letzten öffentlichen Auftritt in der Stadt hatte Carl Fingerhuth vor knapp einem Jahr. Er war Jurypräsident beim Architekturwettbewerb um die neue Schwimmhalle. Der Architekt und Stadtplaner aus Zürich ist seit Beginn Mitglied der Kreuzlinger Stadtbildkommission. Nach deren Einsetzung durch den Stadtrat am 1. Januar 2010 tagte das fünfköpfige Gremium dreimal öffentlich und behandelte dabei gewichtige Bauprojekte. Das Interesse der Medien an den Diskussionen der Experten war gross. Die Urteile und Bewertungen der Kommission zu den damals vorgelegten Konzepten zum «Bären», im Sallmannpark oder beim Besmer fielen dann aber jeweils eher schlecht aus.

Es gab Enttäuschungen

Dass sie öffentliche Kritik an ihren Projekten hinnehmen mussten, gefiel den Bauherren aber nicht. Im Juni 2011 fand deshalb dann schon die letzte Sitzung der Stadtbildkommission statt, an welcher Medien und Bevölkerung teilhaben durften. «Ja, wir haben die Abläufe geändert», erklärt Stadtrat Michael Dörflinger auf Anfrage. Er ist von Amtes wegen Mitglied der Stadtbildkommission. «Die Bauherren kamen sich bei den öffentlichen Veranstaltungen ein wenig ausgestellt vor. Es gab auch Enttäuschungen.»

Das Gremium tagt seither hinter geschlossenen Türen. «Das Ringen um die bessere Lösung ist nun nicht mehr öffentlich sichtbar, es findet aber nach wie vor statt», sagt Dörflinger. Aktuelle Entwicklungsgebiete, über welche die Stadtbildkommission beraten hat oder noch wird, sind beispielsweise am Sonnenweg, beim ehemaligen Migros-Parkplatz in Emmishofen, beim Rothaus-Kreisel an der Remisbergstrasse oder die Wiese an der Nationalstrasse gegenüber der ehemaligen Migros-Klubschule.

Kommission erfüllt ihren Zweck

Viermal pro Jahr tagt die Stadtbildkommission. Sie verfügt 2014 über ein Budget von 20 000 Franken. «Es funktioniert hervorragend», sagt Dörflinger. «Allein, dass es sie gibt, hat schon zu einem qualitätsbewussteren Denken in der Stadt geführt.»

Der Stadtrat zieht das Gremium beratend bei, zur Beurteilung von Projekten mit grossen Auswirkungen auf das Ortsbild oder erheblichen Abweichungen von der Regelbauweise. Wenn eine Bauherrschaft einen Architektur-Wettbewerb durchführt, nimmt öfters ein Mitglied der Stadtbildkommission Einsitz in der Jury. So geschehen zum Beispiel beim Projekt zur Überbauung des Löwen-Areals.

Bushof wurde gezeigt

Nach der Volks-Abstimmung über den Bushof kamen Stimmen auf, die sich fragten, weshalb es zu diesem Xentrum-Projekt keine Beurteilung gegeben hatte. «Wir haben der Stadtbildkommission das Projekt sehr wohl gezeigt», sagt Dörflinger. Doch es handle sich beim Bushof nicht um eine riesige Baute und eher um ein Verkehrsthema.

Die Stadtbildkommission befindet sich politisch in einem starken Spannungsfeld. Die SVP-Gemeinderatsfraktion versuchte schon mehrfach, sie bei den Budgetverhandlungen zu versenken. Präsident Fabian Neuweiler sagt, man stehe ihr nach wie vor kritisch gegenüber. «Sie verstecken sich hinter Experten, damit sie die Entscheidungen nicht selber treffen müssen.» Ausserdem sei Architektur immer Geschmacksache. Auch die Kosten stören die SVP. «Es gibt sicher genug gute Architekten in Kreuzlingen, da braucht man nicht extra solche aus München zu holen.»

SP-Gemeinderat Ruedi Herzog hingegen stören ganz andere Dinge. «Wir bedauern sehr, dass man nichts mehr hört von der Stadtbildkommission.» Aus Sicht der Bauherren verstehe er die neue Diskretion durchaus, allerdings verliere die Kommission dadurch einen wichtigen Teil ihres eigentlichen Zwecks. Sie habe auch einen politischen Charakter. «Die Stadtentwicklung ist von grossem öffentlichen Interesse und sollte deshalb nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt werden.»

Die städtebauliche Komponente

Dass der Bushof kein grosses Thema in der Stadtbildkommission war, widerspiegle genau das, was die SP im Abstimmungskampf dem Stadtrat vorwarf, sagt Herzog. «Die wichtige und zentrale Funktion und die städtebauliche Komponente des Bushofs wurden unterschätzt.»

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