Bauer, ledig, will heiraten - im Thurgau

MÄRSTETTEN. Christof Hess aus Märstetten hat in der Fernsehsendung «Bauer, ledig, sucht…» die grosse Liebe gefunden. Charlotte Stampfli lebt seit Anfang Jahr bei ihm auf dem Hof. Die beiden haben sich vor knapp zwei Monaten verlobt.

Mario Testa
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Christof Hess hilft Charlotte Stampfli im Gemüsegarten hinter seinem Hof in Märstetten. Er arbeitet konventionell, seine Verlobte setzt ganz auf Bio. (Bild: Mario Testa)

Christof Hess hilft Charlotte Stampfli im Gemüsegarten hinter seinem Hof in Märstetten. Er arbeitet konventionell, seine Verlobte setzt ganz auf Bio. (Bild: Mario Testa)

Der schwere Silberring ist ein Fremdkörper an Christof Hess' Finger. «Ich hatte doch nie einen Ring am Finger. Es ist ein komisches Gefühl, ich muss mich noch dran gewöhnen», sagt der Bauer aus Märstetten, während er für die Frau an seiner Seite eine Bohnenstange in den Gemüsegarten schlägt. Die Liebe zu Charlotte Stampfli ist schuld daran, dass Hess nun einen Verlobungsring trägt. Kennengelernt haben sich die beiden in der TV-Sendung «Bauer, ledig, sucht…». Für den Ackerbauern aus Märstetten ist die Rechnung tatsächlich aufgegangen, er hat seine Traumfrau gefunden, während das Kamerateam um ihn und Stampfli geschwirrt ist und die Aufnahmen später auf TV-Geräten in der ganzen Schweiz liefen.

«Mit uns beiden klappt es»

Vor einem Jahr haben sich der Bauer und die Psychologiestudentin und frei schaffende Marketingberaterin kennengelernt. «Die Hofwoche begann am 30. Juni 2014», sagt Hess. «Und da haben wir uns schnell gut verstanden.» – «Es war sogar mehr. Wir haben gemerkt, dass es mit uns zweien klappt», sagt Stampfli. Die TV-Crew habe sie zwar dauernd versucht zu pushen, aber sie hätten nicht mitgespielt und seien ihr eigenes Tempo gegangen. Zur Sendung angemeldet habe sie sich, weil ihr Hess' Stimme so gut gefiel, als sein Aufruf im Fernsehen lief.

Die 38jährige Stampfli lebt seit Anfang Jahr beim 47jährigen Hess im frisch renovierten Haus. Zuvor lebte sie in Bern und zuletzt im Kanton Appenzell. «Am Anfang hatte ich etwas Angst, die Leute glaubten, ich ziehe nur zu Christof, wenn er sein Haus für mich renoviert», sagt Stampfli. «Aber ich wollte doch schon lange umbauen – und als Charlotte zu mir ziehen wollte, war das der nötige Kick, den ich brauchte, um endlich die Handwerker zu engagieren», sagt Hess. Fertig ist es mit der Bauerei auf dem Hof nun aber nicht. Charlotte Stampfli möchte wieder Tiere halten, nachdem Hess die Milchwirtschaft aufgegeben hat. «Ich möchte den Stall umbauen und mir ein paar Galloway-Kühe zulegen», sagt sie. «Später will ich etwas machen, das Psychologie und Tierhaltung verbindet, zum Beispiel tiergestützte Therapien.»

Gegensätze ziehen sich an

Christof Hess ist in der Beziehung der Ruhigere, Charlotte Stampfli der Wirbelwind. «Christof ist ruhig und geerdet, ich bin eher überstellig und impulsiv. Kindsköpfe sind wir beide manchmal», sagt Stampfli und lacht. Sie müssten beide nun lernen, auf den Partner zu achten. «Es ist schon ein anderes Leben, als wenn man alleine ist. Ich muss mehr Rücksicht nehmen. Zudem muss ich auch lernen, dass ich Charlotte bitten darf, mir bei der Arbeit zu helfen», sagt Hess. Häufig rufe er dafür aus Gewohnheit noch Kollegen an, anstatt seine Verlobte zu fragen. «Sie macht sich gut in der Hofarbeit, hat sogar schon ein Feld selber gepflügt.» Stampfli gewöhnt sich langsam an die Arbeit auf dem Hof, kocht und geniesst die schöne Natur in ihrer neuen Heimat. Und das soll Märstetten für sie auch bleiben.

Heiratsantrag im Grünen

«Ich habe Charlotte an einem schönen Sonntag vor zwei Monaten draussen einen Heiratsantrag gemacht», sagt Hess verschmitzt und kriegt einen Kuss von seiner Charlotte. «Eigentlich hatte ich mit Männern abgeschlossen. Aber mit Christof kann ich mir gut vorstellen, alt zu werden – und vielleicht sogar Kinder grosszuziehen, falls das klappen sollte.» Hochzeit wollen die beiden in einem Jahr feiern.