Barry muss wieder zu Frauchen

ARBON. Vor dem Bezirksgericht Arbon streiten die Besitzerin eines Labradors und die Leiterin eines Tierheims um das Eigentum und Hundewohl von Barry. 18 Monate kümmerte sich Frauchen nicht um ihren Hund. Nun erzwingt sie die Herausgabe.

Max Eichenberger
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Gerichtsfall: Ein Labrador. (Bild: in)

Gerichtsfall: Ein Labrador. (Bild: in)

Barrys Hundehalterin hatte ihren Vierbeiner im Juni 2009 ins Tierheim zur Obhut gegeben. Aus Not. Ihr Wohnhaus in Arbon war durch einen Brand in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Familie wohnte eine Zeitlang in einem Provisorium. Abgemacht war ein Sondertarif mit dem Tierheim; Barry sollte vereinbarungsgemäss bis Ende August 2009 bleiben können.

Monatelang nicht gemeldet

Als sich die Besitzerin nicht meldete, fragte die Heimleiterin nach. Worauf die Hundehalterin ersuchte, Barry noch bis Ende Oktober im Heim belassen zu dürfen. Für die Kosten kam sie auf. Dann wäre sie «aus dem Gröbsten raus», erinnert sich die Heimleiterin an die Worte der Klägerin. Darauf herrschte Funkstille. «Die Besitzerin hat sich monatelang nicht mehr gemeldet», selbst zu den Weihnachtstagen nicht.

Es verstrich ein weiteres halbes Jahr, bis die Heimleiterin die Besitzerin anschrieb. Weil die Familie zweimal umgezogen war, erreichte der Brief erst Anfang September 2010 die Adressatin. «Die Frau hatte nichts mehr von sich hören lassen, sie hat auch nicht mehr bezahlt.»

«Hat das Eigentum aufgegeben»

«Ich musste den Eindruck haben, dass sie jegliches Interesse am Hund verloren hat», sagt die auf Herausgabe des Hundes verklagte Heimleiterin diese Woche vor Gericht. Deshalb hat sie die Besitzerin darum gebeten, eine Abtrittserklärung für Barry zu unterzeichnen.

Ihr ging es auch um das Hundewohl des 10jährigen Rüden. Mit dem über ein Jahr dauernden Desinteresse habe die Besitzerin «das Eigentum aufgegeben», folgert die Heim-Anwältin. Nach Erhalt des Briefes erschien die Besitzern prompt im Heim und wollte den Hund abholen.

Die Polizei gerufen

Es kam zur Eskalation. Die Heimleiterin weigerte sich, das Tier herauszugeben – aus tierschützerischen Überlegungen.

Der Hund sei von den Besitzern vernachlässigt worden und habe «krasse Verhaltensstörungen» gezeigt, schildert sie dem Gericht. Mittlerweile gehe es Barry gut, er habe sich stabilisiert, und im Heim fühle er sich wohl. Auf die alten Tage solle er nicht wieder verpflanzt werden. Obwohl damals die Polizei auf den Platz gerufen wurde, kam es zu keiner Einigung. Dafür zu einer Klage.

«Nicht herrenlos»

«Man kann nicht jemandem gegen dessen Willen das Eigentum absprechen», argumentiert der Anwalt der Hundebesitzerin. Das Tier sei «nicht herrenlos». Eine privatrechtliche Enteignung gebe es nicht. Hier handle es sich um einen Hinterlegungsvertrag. Das Heim sei verpflichtet, den Hund jederzeit herauszugeben. «Eine Bank kann auch nicht sagen, die Wertsachen im Depot gehörten ihr, wenn diese lange niemand angerührt hat.»

Die Gegenseite versuchte mit dem Argument des Tierwohls in Anlehnung an das Kindswohl bei der Zuteilung von Scheidungskindern die Rückgabe zu vermeiden. Nach Tierschutzgesetz sei ein Hund nicht mehr eine Sache.

Eigentumsrecht über Hundewohl

Das wertet das Gericht als «verzweifelten Versuch». Es gebe bislang keine Norm im Zivilgesetzbuch, das dem Richter die Befugnis gebe, wegen des Hundewohls ein Tier dem Eigentümer wegzunehmen, gibt der Gerichtspräsident den Tarif für die Vergleichsgespräche durch.

Teilen könne man den Hund auch nicht. Daher geht Barry jetzt zurück an die Eigentümerin. Festgesetzt wird eine Entschädigung für die Obhut. Zu guter Letzt: Ginge es ums Hundewohl, wäre dafür nicht das Gericht, sondern der Kantonstierarzt zuständig.

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