BANGKOK: Ein Thurgauer zeigt’s den Thais

Marco Brüschweiler aus Romanshorn hat in der ganzen Welt gekocht. Bis es ihn irgendwann nach Thailand verschlug. Dort will er bleiben. Selbst wenn er ein paar Dinge aus dem Thurgau immer vermissen wird.

Donat Beerli
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Marco Brühschweiler in seiner Kochuniform. (Bild: pd)

Marco Brühschweiler in seiner Kochuniform. (Bild: pd)

Die Fremde hat Marco Brüschweiler, Jahrgang 1953, immer gereizt. Schon damals, als er im Romanshorner Bahnhofbuffet Koch lernte und von anderen Ländern, Küchen und Kulturen träumte. Nach der Lehrer arbeitete er drei Jahre in Schweizer Hotels, ehe er 1975 zum ersten Mal auswanderte – nach Südafrika. «Mit 20 Wörtern Englisch im Gepäck», sagt Brüschweiler. Er war angefressen. Es folgten Aufenthalte in Florida, der Karibik, Thailand, Barbados und Ägypten, bevor er in der Schweiz die Prüfung zum eidgenössisch diplomierten Küchenchef absolvierte. «Pläne fürs Ausland hatte ich aber schnell wieder», sagt Brüschweiler.

1992 landete er in Bangkok – und dort ist er bis heute geblieben. Ohne untätig zu sein. Zuerst Küchenchef in verschiedenen Hotels, gründete er 1998 seine eigene Beratungsfirma für Mandate in der Gastronomie. Zwei Jahre später eröffnete er eine Schule für thailändische Küche. Ziel: Den einheimischen Köchen eine bessere Grundausbildung geben, damit sie später im Ausland arbeiten können. «In 18 Jahren haben wir über 2500 Köche ausgebildet.»

Gleichzeitig erarbeitete er Konzepte für Thai-Restaurants und verkaufte diese in die verschiedensten Länder. Brüschweiler spricht Thai, hat eine thailändische Frau und eine 20-jährige Tochter. Aber ist er selber auch Thailänder geworden? «Nein, meine Heimat bleibt der Thurgau, selbst wenn ich nicht zurückkommen werde.» Dafür liebt er die unkomplizierte Lebensweise zu sehr. «Und sowieso hat man es im Alter lieber ein wenig wärmer.»

Zwei Sachen vermisse er aber dennoch. «Suure Moscht und den scharfen Maxx aus Hatswil.»


«Man nimmt hier alles sehr viel gemütlicher»

Haben Sie Ihren Entschluss auszuwandern je bereut?
Nein. Es gibt zwar Sachen, die ich vermisse, aber das Bünzlitum gehört nicht dazu.

Wie oft kommen Sie zurück?
Einmal im Jahr. Ich habe nach wie vor meine Familie hier sowie eine Handvoll Freunde.

Was sind die grössten Unterschiede zwischen Thailand und der Schweiz?
Die Lebenskultur. Man nimmt hier alles sehr viel gemütlicher. Und wenn etwas mal daneben geht, bedeutet das nicht der Weltuntergang.

Es muss aber Dinge geben, die Ihnen missfallen.
Natürlich gibt es Situationen, in denen sogar ich denke: Das macht doch keinen Sinn, wie ihr das jetzt handhabt. Aber ich sage mir dann einfach: Das ist Thailand.

Wie oft sprechen Sie Schweizerdeutsch?
Da ich ein paar Schweizer Freunde habe, sicher ein bis zweimal pro Woche. Sonst Englisch und Thai. Wobei mir meine Frau im Notfall hilft.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Ich muss nicht jeden Tag zur Arbeit, kann mir vieles selber einteilen. Da ich mich inzwischen als Halbrentner bezeichne, muss ich nicht immer in der Firma sein. Ausserdem reise ich bis zu 15-mal im Jahr ins Ausland als Juror an Kochwettbewerbe. Und jedes Mal lerne ich wieder Neues.