Ballett tanzt auf der Leinwand

WEINFELDEN. Am Donnerstag übertrug das Liberty Cinema in Weinfelden erstmals eine Live-Aufführung aus dem Royal Opera House in London. Die Satellitentechnik klappte, das Publikum war begeistert. Aber es kamen weniger Zuschauer als erwartet.

Margrith Pfister-Kübler
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Zauberer verwandeln Alice, damit sie durch die Türe passt.

Zauberer verwandeln Alice, damit sie durch die Türe passt.

Bereits die in eine schöne rote Abendrobe gekleidete Lady an der Billettkasse verspricht: Es wird bunt und schön, auch wenn das nass-neblige Gruselwetter am Gründonnerstagabend eine echte Herausforderung für eine Fahrt ins Liberty Cinema war. Macht nichts: In herzlicher Apérostimmung im Liberty-Foyer kann man sich auf London und das Ballett «Alice im Wunderland» einstimmen.

Das umtriebige Liberty-Team mit dem Geschäftsführer Constans Schmölder und den stellvertretenden Geschäftsleiterinnen Kyrena Schäpper und Anja Ott kann das Premierenfieber nicht ganz verstecken. «Alle bestellten Karten sind abgeholt, etwas über fünfzig», sagt Kyrena Schäpper. Der Saal fasst zweihundert Personen. Anja Ott: «Viele sind halt auf Osterreise, andere hält vielleicht das Gruselwetter von einem Kinobesuch ab.»

Blicke hinter die Bühne

Luxus der besonderen Art erwartet die Besucher im Kinosaal. Auf die Leinwand werden exklusive Backstage-Einblicke übertragen, Bilder von den Probenaufnahmen, Interviews mit Christopher Wheeldon, dem weltführenden Ballettchoreographen, und mit der Alice-Darstellerin Sarah Lamb. Das ist perfekte Informationsarbeit in der zauberhaften, aber knallhart fordernden Opern- und Ballettwelt. Und vor allem: Diese Einblicke, diese Schulung für das konzentrierte Sehen, sind den wirklichen Besuchern in London verwehrt, aber die Zuschauer in Weinfelden sehen sie.

Im Kinosaal herrscht Stille

Dazwischen gewährt die Kamera Einblicke ins Royal Opera House, wo sich die Besucher nach und nach einfinden. Hörbar: riesiges Stimmengewirr in London. Im Weinfelder Kinosaal herrscht dagegen absolute Stille. «Kennsch öpper?», flüstert eine Stimme. «Nein», lautet die Antwort. Hätte ja sein können, dass sich Thurgauer just im Londoner Opera House vergnügen, nicht ahnend, dass sie im Liberty gesichtet werden können.

«Nabucco» am 29. April

Vorhang auf. Londoner Applaus für das grossartige Orchestra of the Royal Opera House mit Dirigent David Briskin. Die Abenteuer von «Alice im Wunderland» rauschen über die Bühne: poetisch, listig, herrlich verrückt, begleitet von spontanem wellenartigem Szenenapplaus und dann nicht enden wollendem Schlussapplaus. Akt 1, Pause, Akt 2, Pause, Akt 3. Stille aber im Weinfelder Kinosaal.

«Man würde am liebsten mitklatschen», flüstert eine Besucherin, tut es aber nicht. Weinfeldens CVP-Präsidentin Annelise Schifferle zeigt ihre Begeisterung mit Klatschen: «Ungeheuer, diese Phantasie, dabei wird klassisch getanzt. Super, dass wir das in Weinfelden erleben dürfen. Ich werde mir die weiteren Übertragungen auch anschauen. <Nabucco> ist am 29. April im Programm.» Der zehnjährige Nicola aus Istighofen ist mit Mama Vanessa Mejer und den Grosseltern Bruno und Renata Eigenmann aus Bürglen dabei, alle strahlen und finden die Aufführung «grandios und inspirierend». Nicola: «Mir gefiel am besten der Steptanz.»

Alice im Raum mit den vielen Türen. (Bilder: pd)

Alice im Raum mit den vielen Türen. (Bilder: pd)

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