Bald soll kein Abwasser mehr die Steinach hinunterfliessen

Üble Gerüche und Badeverbot in der Steinach sollen der Vergangenheit angehören. Der Plan, das Abwasser der Kläranlage Hofen direkt in den See zu leiten, wird konkret. St. Gallen zahlt den Grossteil des 20-Millionen-Projekts.

Katja Müller
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Im Einsatz für die Steinach: Martin Klöti, Stadtammann Arbon; Roland Brändli, Gemeindepräsident Steinach; Fredy Brunner, Stadtrat St. Gallen und Albert Etter, Gemeindepräsident Wittenbach (von links).

Im Einsatz für die Steinach: Martin Klöti, Stadtammann Arbon; Roland Brändli, Gemeindepräsident Steinach; Fredy Brunner, Stadtrat St. Gallen und Albert Etter, Gemeindepräsident Wittenbach (von links).

steinach. Um die Steinach steht es nicht zum besten. Das Flüsschen ist durch das gereinigte Abwasser aus der Stadt St. Gallen und Wittenbach stark belastet. Zeitweise stammen rund 80 Prozent des Steinachwassers aus der Kläranlage Hofen. Die Folge sind übler Geruch, Schaumkronen und Badeverbot.

Die Stadt St. Gallen will diesen Zustand schon lange ändern. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie über 50 Millionen Franken in diverse Massnahmen investiert. Nun sollen weitere Verbesserungen helfen, die Steinach zu einem sauberen Flüsschen werden zu lassen – von St. Georgen, wo es entspringt, bis hin zum Bodensee, in den es mündet. Der erste Schritt wurde im April vom St. Galler Stadtparlament genehmigt. Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Hofen wird für rund fünf Millionen Franken saniert. Die Arbeiten sind zurzeit im Gang und sollen Ende 2009 abgeschlossen sein.

Abwasser direkt in den See

Nun sind die Vorarbeiten für die weiteren Etappen abgeschlossen. Das Projekt nimmt konkrete Formen an, wie Vertreter der Städte St. Gallen und Arbon sowie der Gemeinden Wittenbach und Steinach an einer Medienorientierung mitteilten. Kernstück ist eine Druckleitung direkt von der ARA Hofen in den See. Zwischen den Kläranlagen Hofen und Morgental in Steinach wird sie neu gebaut. Von dort gelangt Wasser in einer bestehenden Leitung Richtung See. Dadurch fliesst künftig kein Abwasser mehr die Steinach hinunter. Der Kanal leitet es direkt in die Steinacher Bucht und von dort durch eine neue Leitung in den See. Die bestehende Seeleitung wird nur noch verwendet, wenn die neue an ihre Grenzen stösst, beispielsweise bei starkem Regen. Die Qualität des Trinkwassers aus dem Bodensee, das auch aus den städtischen Wasserhähnen fliesst, werde dadurch nicht beeinträchtigt, sondern garantiert, betonte Martin Klöti, Arboner Stadtammann und Präsident des Abwasserverbands Morgental.

Fluss renaturieren

Als Nebenwirkung des Projekts wird auf dem Areal der ARA Morgental ein Kleinwasserkraftwerk gebaut, das die Höhendifferenz der zwei Kläranlagen nutzt. Dort sollen künftig Strom und Wärme erzeugt werden. Damit können einige Wohnsiedlungen in Arbon geheizt werden. Die Verbesserung der Wasserqualität wird am deutlichsten im Unterlauf der Steinach spürbar sein: Der Gestank verschwindet und im Mündungsbereich kann gebadet werden. Die Gemeinde Steinach will den Fluss zudem renaturieren.

Stadt zahlt mehr als 13 Millionen

Rund 20 Millionen Franken sollen investiert werden. Der grösste Teil davon wird von der Stadt St. Gallen getragen. Für die Druckleitung und das Kraftwerk soll sie rund 13 Millionen bezahlen, sagte Stadtrat Fredy Brunner. Die restlichen sieben Millionen werden zwischen der Stadt und dem Abwasserverband aufgeteilt.

Nun, da das Projekt ausgereift ist, will die Stadt vorwärtsmachen. Als erstes werden die Arbeiten ausgeschrieben. Dann muss die Vorlage für das Stadtparlament ausgearbeitet werden. Fredy Brunner rechnet damit, dass das Parlament Ende 2009 über das Geschäft diskutieren kann. Ob es danach automatisch zu einer Volksabstimmung kommt, hängt von der Höhe der Kosten ab. Liegen sie über 15 Millionen Franken, untersteht die Vorlage dem obligatorischen Referendum. Läuft alles nach Plan, sollen die Leitungen und das Wasserkraftwerk von 2010 bis 2012 gebaut werden.

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