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Autos für Auge und Herz

Mehr als 50 liebevoll restaurierte Automobile, fast alle noch fahrtüchtig: Die Oldtimer-Sammlung von Paul Walter aus Sulgen lässt sich kaum toppen. Zu jedem Stück erzählt er eine spannende Geschichte. Eine Reportage von Brenda Zuckschwerdt (Text) und Reto Martin (Fotos).
Auf Hochglanz polierte Schönheit: Paul Walter aus Sulgen inmitten seiner Automobile. Zu jedem Wagen gibt es Erinnerungen und Geschichten. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Auf Hochglanz polierte Schönheit: Paul Walter aus Sulgen inmitten seiner Automobile. Zu jedem Wagen gibt es Erinnerungen und Geschichten. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

SULGEN. Den «Walter» mit Baujahr 1929 musste er allein schon des Namens wegen haben. Doch es dauerte geschlagene vier Jahre, bis Paul Walter das in Prag gebaute Auto aus Tschechien exportieren konnte. «In Einzelteile zerlegt», erzählt er. Anders wäre das nicht gegangen. Heute steht der tschechische Oldtimer in der grossen Halle in Sulgen, umringt von rund 50 weiteren Kostbarkeiten. Vor 18 Jahren hat Paul Walter die Halle gebaut, um seine Schätze auf Rädern endlich unter einem Dach vereinen zu können. Zuvor waren sie in verschiedenen Hallen und Lagerhäusern untergebracht. Dass hier einmal ein Museum entstehen könnte, das hätte er nie gedacht.

1968 gründete Paul Walter die gleichnamige Firma für Signaltechnik und Verkehrsregelungsanlagen. Zur gleichen Zeit begann er privat, eine aussergewöhnliche Oldtimer-Sammlung aufzubauen. Ein Auto nach dem anderen hat er aufgestöbert, mal in einer alten Scheune, mal auf einer Auktion. Manche ganz nah im Thurgau, andere in Frankreich, Deutschland, England, Amerika. Die einen kamen auf dem Autoanhänger, andere per Schiff oder mit dem Flugzeug. Die meisten hat Paul Walter von Privatleuten gekauft, andere von Autohändlern, einzelne an Auktionen. So wie das Feuerwehrauto aus Chicago, Baujahr 1917. Bis in die 70er-Jahre war es im Einsatz, dann kam es unter den Hammer. Paul Walter war gerade in den USA, als er von der Auktion hörte. Er ging hin, «mit Englischkenntnissen gleich null», wie er lächelnd anmerkt. «Ich habe einfach die Hand hochgehoben.»

Rolls-Royce blieb hängen

Das hat gereicht, denn heute ist das Feuerwehrauto eines der Prunkstücke seiner Sammlung. Etwas ganz Besonderes ist auch der Rolls-Royce 1928 Phantom Tourer, den er in England ersteigerte und dort restaurieren liess. Als er in ausführen wollte, blieb das Auto in Dover am Zoll hängen. Der Rolls-Royce sei historisches Eigentum und dürfe das Land nicht verlassen. Es brauchte viel Geduld und Zeit, bis das Auto dann doch in Sulgen eintraf.

Mittlerweile sind die höchsten Schweizer damit gefahren, Armeechefs genauso wie Politiker. Nur einen Parkplatz findet man schlecht für den 6,5 Meter langen Riesen. Aber das sei auch nicht nötig, sagt Paul Walter. «Den kann man auf der Strasse stehen lassen – da reklamiert keiner.»

Jede Woche Führungen

Bis zu dreimal pro Woche führt Paul Walter Interessierte durch seine exklusive Sammlung. Kaderleute von Firmen, Autoliebhaber, Regierungsräte, sogar ein Kynologischer Verein war schon zu Gast. Wenn er von einem Auto zum nächsten schlendert, dann spürt man bei Walter einen gewissen Stolz. Nicht auf sich selber, sondern auf die Autos und ihre Einzigartigkeit. «Es fasziniert mich, wie einfach die Technik dieser alten Autos ist und wie sie noch heute funktioniert», sagt er.

Paul Walters Oldtimer stammen von Autobauern aus aller Welt, darunter so bekannte Marken wie Mercedes und Chrysler, Aston Martin und Jaguar, Fiat und Rolls-Royce. Dazwischen gibt es aber auch Autonamen, die kaum einer kennt. Hispano Suiza zum Beispiel, ein Auto, das in Spanien gebaut wurde – von einem Schweizer Konstrukteur. Restauriert wurde es wiederum in Australien. So wundert es nicht, dass für die Innenauskleidung Schlangenleder verwendet wurde. Ebenfalls eine Rarität, dafür umso bekannter, ist der Saurer-Lässker. Jean Lässker, einst Direktor bei Saurer, baute sich um 1930 sein eigenes Auto – ein Einzelstück. Auch wenn Saurer heute den Schriftzug «Saurer» am Kühler als nicht korrekt bezeichnet, so errang das Auto doch einen hohen Bekanntheitsgrad. In Paul Walters Halle steht es fast unscheinbar in einer Ecke. Es soll nicht zu sehr auffallen. Die Autos rundherum aber glänzen um die Wette.

Der Fiat war ein Hühnerstall

Viele der Autos haben aber auch andere Zeiten gesehen. So wie der Fiat Pinin Farina Baujahr 1938. Als Paul Walter ihn entdeckte, stand er auf einer Wiese bei Dietlikon. Die Sitze des Autos waren ausgebaut, eine Blache darüber gespannt – Hühner legten in dem Autowrack ihre Eier. Für 3000 Franken kaufte Paul Walter das Auto zwei Italienern ab und steckte viele Stunden Arbeit rein. Heute ist der Fiat eine Augenweide. Die ehemaligen Besitzer traf fast der Schlag, als sie das Auto nach der Restauration sahen. «Die haben fast geweint – und den Verkauf wohl auch bereut.» Die meisten Autobesitzer aber seien froh, wenn sie wüssten, dass ihre Autos in gute Hände kommen. Manche ganz besonders, wie der Besitzer des Jaguar XK 140 Baujahr 1957 aus England. «Das Auto war ein Blechhaufen», sagt Paul Walter, «sein Besitzer wollte ihn selber restaurieren und hatte ihn auseinander gebaut.» Doch dann konnte er ihn nicht mehr richtig zusammenbauen.

Alle Polster herausreissen musste Paul Walter hingegen bei einem La Salle Cadillac Baujahr 1932 aus Amerika. Mit seinen 2500 Tonnen ein richtiges «Bonzenauto». Die Bosse und Direktoren, die darin gefahren wurden, hatten mit ihren Zigarren die Polster komplett ruiniert. «Alles war schwarz, und den Gestank haben wir nicht mehr herausgebracht.»

Mercedes mit Flügeltüren

Paul Walters Liebling ist ein knallroter Mercedes 300 SL Baujahr 1954. Mit Flügeltüren. Davon wurden nur 1400 Stück gebaut, 1200 gingen nach Amerika. Vor zehn Jahren kam das Auto per Flugzeug in die Schweiz, wo es Paul Walter auf dem Anhänger sah und vom Fleck weg kaufte. Mit ihm macht er ab und zu eine Ausfahrt. «Wenn ich den vor eine Beiz stelle, stehen nach kurzer Zeit mit Sicherheit jede Menge Leute darum herum.»

Ab und zu nimmt Walter auch an Oldtimer-Rallies teil, wählt je nach Einsatz das passende Auto. Seine drei Söhne Daniel, Felix und Mike teilen seine Leidenschaft. Sie begeistern sich aber mehr für Plauschrennen – mit den passenden Rennwagen von gestern.

Dass man auch die heutigen Autos einmal sammeln und restaurieren wird, glaubt Paul Walter nicht. «Heute ist das Auto ein reines Massenprodukt, eines sieht aus wie das andere.»

Vorbei seien auch die Zeiten, als man wertvolle Oldtimer auf der Strasse fand und für 500 Franken nach Hause nehmen konnte. «Der Markt ist ausgetrocknet», sagt Paul Walter, Raritäten seien selten geworden. «Und wenn man sie findet, kosten sie entsprechend.»

Gezielt suche er heute keine Oldtimer mehr. Seine Halle ist voll. «Doch wenn mir jemand ein gutes Auto zu einem fairen Preis anbietet, sage ich nicht nein», sagt Walter nach kurzem Überlegen, und fügt lächelnd hinzu: «Ein Lamborghini fehlt mir noch.»

Knallrot. Der Mercedes mit den Flügeltüren. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Knallrot. Der Mercedes mit den Flügeltüren. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Legendär. Das Bugatti-Emblem ist allein schon ein Blickfang. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Legendär. Das Bugatti-Emblem ist allein schon ein Blickfang. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Schnell. Auch Rennwagen finden sich in Paul Walters Sammlung. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Schnell. Auch Rennwagen finden sich in Paul Walters Sammlung. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

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