Autofrei durch Volkes Stimme

KREUZLINGEN. Die Freie Liste und die Grünen haben genug von Verkehrsexperimenten auf dem Kreuzlinger Boulevard. Sie möchten den Hauptstrassenabschnitt zur autofreien Zone machen und lancieren dazu eine städtische Volksinitiative.

Urs Brüschweiler
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Die Mehrheit wünscht sich keinen Verkehr mehr auf dem Boulevard, sind sich Freie-Liste-Sprecher Jost Rüegg, Grünen-Bezirkspräsidentin Brigitta Engeli-Sager und Freie-Liste-Gemeinderat Daniel Moos sicher. (Bild: Urs Brüschweiler)

Die Mehrheit wünscht sich keinen Verkehr mehr auf dem Boulevard, sind sich Freie-Liste-Sprecher Jost Rüegg, Grünen-Bezirkspräsidentin Brigitta Engeli-Sager und Freie-Liste-Gemeinderat Daniel Moos sicher. (Bild: Urs Brüschweiler)

KREUZLINGEN. Der Dauerbrenner in der Lokalpolitik – der Verkehr auf dem Boulevard – wird um ein gewichtiges Element reicher. Die Freie Liste Kreuzlingen und die Grünen des Bezirks Kreuzlingen präsentierten gestern ihr neues Projekt den Medien, eines, welches für viel Wirbel sorgen wird. Gemeinderat Daniel Moos, Jost Rüegg und Grünen-Bezirkspräsidentin Brigitta Engeli-Sager kündigten an, dass sie eine kommunale Volksinitiative lancieren. Die Stimmbürger sollen darüber abstimmen können, ob der Hauptstrassenabschnitt zwischen Löwen- und Helvetiaplatz autofrei werden wird.

Zeit für einen mutigen Entscheid

Der Anstoss zu dieser Intervention in die stadträtliche Politik stammt von Brigitte Engeli. «Seit Jahren nehmen wir die halbherzigen und erfolglosen Versuche unserer Stadt zur Kenntnis, ein Zentrum in Kreuzlingen zu schaffen, das für die Bürger attraktiv ist», sagt sie. Es sei höchste Zeit, mutige Massnahmen zu ergreifen, die ein radikales Umdenken und die Entstehung neuer Ideen ermöglichen. «Dazu muss der Kreuzlinger Boulevard autofrei sein.»

800 Unterschriften sind nötig

Um dieses Ziel zu erreichen, greift das siebenköpfige Komitee (siehe Kasten) zum mächtigsten demokratischen Instrument, der Volksinitiative. 10 Prozent der Kreuzlinger Stimmberechtigten (circa 800 Personen) müssen innert drei Monaten unterschreiben. Erreichen die Initianten dieses Ziel, dann kommt es zu einer städtischen Volksabstimmung über einen autofreien Boulevard.

Die Unterschriftensammlung beginnt am 15. Februar, erklärt Jost Rüegg, langjähriger Gemeinderat der Freien Liste und Vizepräsident der Grünen Kantonalpartei. Man wolle auf der Strasse nach Unterstützern suchen bis am 30. April. Damit noch genügend Zeit bis zum offiziellen Ablauf der Sammelfrist am 14. Mai bleibe.

Brigitta Engeli, Jost Rüegg, und Daniel Moos betonten gestern, dass sie mit der Initiative den diversen Verkehrsexperimenten ein Ende setzen wollen und dafür gleich zur definitiven Lösung schreiten wollen. Sie sehen die Versuche des Stadtrats, den Boulevard vom Durchgangsverkehr zu befreien, als gescheitert.

Der Stadtrat sieht einen verkehrsfreien Boulevard zwar als eine Option für die Zukunft. Jedoch sei die Zeit dafür noch nicht gekommen wegen der schwierigen Lage für die Detaillisten. Für die Initianten gilt das Gegenteil. Mit einem Volksentscheid über einen autofreien Boulevard wüssten alle, woran sie sind. «Die Detaillisten haben dann endlich Planungssicherheit», sagt Daniel Moos. Er glaubt, dass der Erfolg der Geschäfte nicht von Parkplätzen abhängt. Moos berichtet von Händlern am Boulevard, welche für eine verkehrsfreie Zone seien.

Volk fragen, nicht die Händler

Es sei an der Zeit, dass die Bevölkerung gefragt werde, was sie eigentlich wolle, sagt Moos. «Nicht die Detaillisten sollen das letzte Wort haben.» Jost Rüegg ist sich denn auch sicher, dass der Ruf aus der Bevölkerung nach einer autofreien Hauptstrasse zwischen Löwen- und Helvetiaplatz immer lauter wird. «Ich glaube fest, dass dafür eine Mehrheit zu haben ist.»

Aufgaben für den Stadtrat

Die Ausgestaltung des Autoverbots überlassen die Initianten dem Stadtrat. Zum Beispiel machen sie keine Vorschläge, welche Ausweichrouten der Verkehr nehmen soll. Jedoch sollen auch die Busse vom Boulevard verschwinden; dies soll zumindest angestrebt werden. Morgens sehen die Initianten ein Zeitfenster von zwei bis vier Stunden für Zulieferfahrten vor. Nicht zuletzt möchte das Initiativkomitee dem Stadtrat noch eine Pflicht ins Aufgabenheft schreiben. Er habe sich um gute Rahmenbedingungen für einen attraktiven und belebten Boulevard zu kümmern.