AUSZUG AUS DEN UMFRAGEERGEBNISSEN: Eine Stadt zum Altwerden

Die Stadt hat alle Einwohner über 50 Jahre zu Themen des Älterwerdens befragt. Die Meisten der Antwortenden empfinden ihre Umgebung als altersfreundlich, aber es gibt auch Handlungsbedarf.

Urs Brüschweiler
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René Künzli von der Terz-Stiftung und Stadträtin Barbara Kern. (Bild: ubr)

René Künzli von der Terz-Stiftung und Stadträtin Barbara Kern. (Bild: ubr)

Urs Brüschweiler

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Eine Altstadt hat Kreuzlingen bekanntlich nicht. Dafür möchte man eine Stadt für die Alten sein. Im Januar flatterte bei den 8400 Einwohnern über 50 Jahren ein Fragebogen der Stadtverwaltung ins Haus. «Es geht darum, wie wir unsere Stadt gestalten wollen, im Hinblick auf den demografischen Wandel», erklärt Stadträtin Barbara Kern. «Ist Kreuzlingen ein Ort, in dem man alt werden möchte?» Gestern stellte sie gemeinsam mit René Künzli, dem Präsidenten der Berlinger Terz-Stiftung, die im Auftrag des Departementes Soziales die Umfrage durchführte, erste Ergebnisse vor. Der Rücklauf sei mit 33 Prozent «ganz erfreulich» gewesen, sagt Künzli. 2761 ausgefüllte Fragebögen habe man ausgewertet.

«Jetzt geht es darum, uns aufgrund der Erkenntnisse Gedanken zu machen, was zu tun ist», erklärt die Departements-Vorsteherin.

Klares Signal für städtische Wohnbau-Förderung

Im Auge behalten müsse man etwa die Wohnsituation der älteren Generation. Insgesamt 1321 Kreuzlinger über 50 Jahre – fast die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer – hatten angegeben, dass ihre aktuelle Situation nur bedingt oder gar nicht geeignet sei, im Hinblick auf eine mögliche körperliche Einschränkung oder eine Pflegebedürftigkeit. Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigt auch die Frage, ob die Stadt den Bau von bezahlbaren Wohnungen fördern soll. 2450 Personen hatten dem zugestimmt, nur 244 verneinten. «Das ist eine klare Bitte an die Stadt, etwas zu unternehmen», folgert Barbara Kern.

Ein grosser Anteil der Älteren ist skeptisch, wenn es um einen möglichen Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim geht. «Viele wollen so lange wie möglich zu Hause bleiben», sagt Barbara Kern. Und das sei auch der Fokus der Politik. Entsprechend müsse man dazu die Rahmenbedingungen schaffen. Aber auch die teilweise eher schlechte Vorstellung vom Leben in einer Altersinstitution sei ungerechtfertig und soll verbessert werden.

Zu viel Hektik beim Busfahren

Als «ein schönes Ergebnis für Kreuzlingen» interpretiert Künzli die deutliche Mehrheit, die ihre Wohnumgebung altersfreundlich wahrnimmt. Das sei sicher auch der Zentrumsfunktion der Stadt und dem nahen Zugang zu Dienstleistungen geschuldet. Beim öffentlichen Verkehr machen jedoch viele ältere Einwohner ein Fragezeichen. «Vielen ist die Hektik beim Ein- oder Aussteigen zu gross, und die Platzverhältnisse, etwa beim Bushof Bärenplatz sind zu eng», sagt Kern. Die Stadt fragte die Einwohner «50plus» auch, ob sie verschiedene Dienstleister überhaupt kennen. Während die Spitex noch fast allen etwas sagt, sind zum Beispiel der Benevol Freiwilligendienst oder der Hospizdienst Thurgau schlecht bekannt.

Mit den Erkenntnissen wird Stadträtin Barbara Kern nun bis zum nächsten Frühling ein städtisches Alterskonzept erarbeiten, das auch konkrete Massnahmen enthalten soll.

Öffentliche Veranstaltung

Am 8. Juni, 18 Uhr, präsentieren der Stadtrat und die Terz-Stiftung im Dreispitz-Saal die Umfrageergebnisse. Alle Interessierten sind eingeladen.

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