Aussicht wird verbaut

KREUZLINGEN. Die Visiere von drei geplanten Mehrfamilienhäusern im Kreuzlinger Alp-Gebiet haben Anwohner und den Quartierverein Egelshofen aufgerüttelt. Dabei befindet sich das entsprechende Land seit 1987 in der Bauzone.

Martina Eggenberger Lenz
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Vom Viaduktweg aus sind die Ausmasse der visierten Baukörper – im Bild einer von dreien – gut zu erkennen. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Vom Viaduktweg aus sind die Ausmasse der visierten Baukörper – im Bild einer von dreien – gut zu erkennen. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Deutlicher kann ein Resultat nicht sein: An einer Versammlung Ende November äusserten sich 23 von 25 Mitglieder des Quartiervereins Egelshofen negativ zur geplanten Überbauung an der Hochalpstrasse 11 bis 15. Daraufhin schrieb Vereinspräsident Georg Strasser der Bauverwaltung und dem Stadtrat einen Brief mit der Bitte, das Bauvorhaben «nochmals zu überdenken». Am Viaduktweg sind drei Mehrfamilienhäuser mit fünf bis sieben Wohneinheiten auf zwei Geschossen plus Attika geplant. Der Weg ist ein beliebter Spazierpfad, weil man von dort die Stadt und den See überblicken kann.

Die Exponenten des Quartiervereins sind empört darüber, dass mit dem Bauprojekt die Aussicht versperrt «und die Landschaft verschandelt» wird, wie Georg Strasser betont. Gerade der Viaduktweg werde im neuen Richtplan als «Panoramalinie» aufgeführt.

Schon lange Baugebiet

Die Parzelle, um die es geht, ist seit 1987 Baugebiet und war weitere zehn Jahre vorher Baureservezone. Die gesamte Alp West gehörte ursprünglich einer einzigen Familie. Sie hat ihre Parzellen nur häppchenweise verkauft, so dass es heute immer noch freies Bauland gibt.

«Dieses Land hätte man nie einzonen dürfen», ist der Quartiervereinspräsident überzeugt. Man sei entsetzt über die mangelnde Weitsicht früherer Behörden. Leider hätten viele Anwohner erst jetzt, wo die Visiere stehen, das Problem erkannt.

Seit der Zuordnung zur Bauzone besteht in der Alp Gestaltungsplanpflicht. Das Papier wurde in den letzten zwanzig Jahren mehrere Male überarbeitet.

Die letzte Revision beanspruchte drei Jahre und wurde letztes Jahr rechtskräftig, nachdem das kantonale Departement für Bau und Umwelt einen Rekurs von Anwohnern ablehnte.

Mit der aktuell gültigen Version des Gestaltungsplanes wurde dann auch der Weg für die drei visierten und drei mögliche weitere Mehrfamilienhäuser in einer tieferen Bauzeile frei. Die Visiere entsprechen der Idee des Planungsinstrumentes. Die Erhöhung der Ausnutzungsziffer wurde dort festgelegt.

Dörflinger tritt in Ausstand

Stadtrat Michael Dörflinger tritt in den Ausstand, wenn es um die Alp West geht, weil er selbst Anwohner ist. Auskunft erteilt er aber. Man habe sich für die Variante mit den drei Mehrfamilienhäusern entschieden, weil dadurch immerhin die Aussicht teilweise gesichert werden könne. Die drei Blocks haben einen recht grossen Abstand von je 25 bis 30 Metern. Die Bepflanzung darf maximal einen Meter hoch werden. Spaziergänger hätten also nach wie vor freie Sicht, mindestens zwischen den Mehrfamilienhäusern.

Bei einer Einfamilienhaus-Überbauung gestalte jeder den Garten nach seinen Wünschen, es würden hohe Hecken zur Sicherung der Privatsphäre gepflanzt. «Die Stadt hat sich dafür eingesetzt, dass die schöne Weitsicht möglichst erhalten bleibt.»

Momentan läuft das Baubewilligungsverfahren für die drei Mehrfamilienhäuser. Die Bewilligung sei noch nicht erteilt, sagt Dörflinger. Es würden erhöhte gestalterische Anforderungen verlangt.

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