AUSGEWANDERT: Heimkommen in der Fremde

Fredy und Silvia Schwyter aus Sommeri haben vor fünf Jahren einen Bauernhof in Schweden gekauft. Seither kümmern sie sich dort um ihre Tiere und beherbergen Gäste.

Ruth Bossert
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Fredy und Silvia Schwyter haben mit ihren Hunden Lotta und Timmy im Süden Schwedens eine neue Heimat gefunden. (Bilder: Ruth Bossert)

Fredy und Silvia Schwyter haben mit ihren Hunden Lotta und Timmy im Süden Schwedens eine neue Heimat gefunden. (Bilder: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

redaktiongo@tagblatt.ch

Auf dem abgelegenen Bauernhof, mitten in einer Waldlichtung in Südschweden, wird an diesem Morgen Schweizerdeutsch gesprochen. Der Gast aus dem Kanton Zürich fährt später Richtung Kopenhagen, eine Familie macht sich für die Rückreise in den Thurgau bereit. Abschiednehmen, für die Hofbesitzer Silvia und Fredy Schwyter ein Ritual, das sich seit Jahren besonders in den Sommermonaten wiederholt.

Kein Kloss im Hals, kein Wunsch mitzufahren, Familie und Freunde in der Heimat wiederzusehen? Die beiden lachen, sehen sich an und schütteln energisch den Kopf. «Unser Zuhause ist hier in Björkhult, hier haben wir unsere Tiere, unseren Hof, unsere Freunde, schlicht unser Leben», sagt Silvia Schwyter. Die einstige Primarlehrerin war im thurgauischen Sommeri Frau Gemeindeamman, politisierte bei den Grünen, leitete vier Jahre die Kantonalpartei und war Kantonsrätin. Heute schmunzelt sie, wenn Besucher sie an ihre politische Tätigkeit erinnern. «Lang ist’s her, schön war’s, aber hier in Schweden hat unser Leben nochmals von vorne angefangen», sagt sie.

Fredy, ihr Ehemann, war als passionierter Orientierungsläufer oft in schwedischen Wäldern unterwegs. Zu Hause habe sich der einstige Lehrer und Maschinenzeichner immer intensiver mit schwedischen Bauern- betrieben beschäftigt. Seine Liebe zum nordischen Land war enorm. Silvia liess sich Zeit, bis er eines ­Tages den Hof entdeckte, von dem er schon immer träumte. «Na gut», habe sie zu Fredy gesagt, «dann fahren wir nach Schweden und schauen uns die verschiedenen Objekte an.»

Auswandern als Abenteuer

«Es war für mich wie heimkommen», beschreibt Silvia ihren ersten Kontakt mit Björkhult. Die Ruhe, die Stille und der riesige Wald um den Hof nahmen sie gefangen. Das grosse, rot gestrichene Wohnhaus mit dem Wintergarten, einer Scheune mit eingebauter Ferienwohnung und zwei Ställen für ihre Tiere schienen für Schwyters der ideale Ort für ihr Abenteuer zu sein. Sechs Hektaren Weideland, etwas Wald und ein See in Gehdistanz.

«Wir verlängerten unsere Ferien und unterschrieben sogleich den Vertrag», sagt Silvia. Wieder zu Hause, ging alles rasch. Auch wenn Schweden als einfaches Einwanderungsland gilt, war der Aufwand hoch. Im Mai 2013 war es dann so weit: Schwyters reisten mit zwei Shetlandponys, dem Golden Retriever Sämi und den beiden Katzen Bibi und Balu in den Norden. In einem Grundkurs mit fünf Halbtagen die Woche lernten sie rasch die ersten schwedischen Wörter und Sätze. Seither besuchen sie zweimal pro Woche Fortbildungskurse. Heute können sie sich ordentlich unterhalten und die Zeitung lesen. Sowohl ihr Freundeskreis als auch ihr landwirtschaftlicher Betrieb hat sich in den vergangenen vier Jahren um ein Vielfaches vergrössert. Heute leben auf dem Hof sieben schottische Hochlandrinder, ein Ochse und drei Schweine. Die Ponys erhielten Verstärkung, dazu kamen drei Pferde, fünf Hühner und ein Hahn.

Langweilig ist es Schwyters nie. Das gesellschaftliche Leben sei intensiv, Nachbarschaften würden stärker gepflegt als in der Schweiz. Auch bei Kooperationen, im Bauernverband, oder im Museumsverein machen sie aktiv mit. Gedanken, in die Schweiz zurückzukehren, sind weit weg.