Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Auf Teufel komm raus

Leuchtturm
Edith Züllig-Schorscher und Christian Weiss

Dass im Thurgau die Teufelsaustreibung wegen «Ausbeutung des Aberglaubens und der Leichtgläubigkeit» verboten ist, war bestimmt ein Entscheid von weltfremden Männern, die sich nicht vorstellen können, mit welchen Problemen sich die durchschnittliche, alleinerziehende Mutter von besessenen Kindern im Alltag herumschlägt. Den Leibhaftigen in sie fahren lässt allein schon die falsche Farbe oder Grösse des Trinkbechers oder zu wenig Schoggipulver in der Milch. Der Dämon manifestiert sich dann in wildem Gekreische, es wird gepoltert und Gegenstände fliegen mit unnatürlich hoher Geschwindigkeit durchs Zimmer. Dazu speit der Besessene gelben Sabber und läuft rot, blau oder grün an. Nicht selten überträgt sich diese diabolische Energie auf Anwesende. In meiner Nachbarschaft ist ein Fall bekannt, wo die Mutter plötzlich die Schwerkraft überwand und die Wände hochging.

Wie behilft man sich als Thurgauerin in so einer Grenzsituation? Zuallererst mit Weihwasser! Noch gesteigerter in seiner Wirkung wie das, welches der Priester zum Hahn rausgelassen hat, wirkt Weiherwasser. Ich persönlich schwöre auf Wasser vom Uttwiler Weiher – eisgekühlt. Natürlich ist es mit ein paar Spritzern ins Gesicht nicht getan – da beginnt, ein besessener Dreijähriger erst recht auszuticken. Meine Empfehlung: Einen ganzen Putzeimer füllen und den Inhalt in einem Schwall über dem Dämonenbalg ausgiessen. Falls das nicht wirkt, hilft nur noch ein Ausflug in einen Nachbarkanton, z. B. St. Gallen. Da hat man Gott sei Dank noch Verständnis für die Alltagsprobleme einer gutbürgerlichen Kleinfamilie und stellt im Bedarfsfall einen seriösen Exorzisten zur Verfügung – dessen Einsatz man übrigens auch im Thurgau von der Kirchensteuer abziehen kann.

Edith Züllig-Schorscher und Christian Weiss

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.