«Auf einmal waren wir jemand»

Der ehemalige Amriswiler Stadtpräsident Peter Kummer plauderte in der Erzählstunde im Ortsmuseum gleichermassen entspannt und humorvoll über Privates und Politisches.

Christof Lampart
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AMRISWIL. Als Peter Kummer im Jahr 2009 von seinem Amt als Amriswiler Stadtpräsident zurücktrat, hatte er 17 Jahre als Schulrat und weitere zwölf Jahre als oberster Amriswiler hinter sich – jedoch noch nicht den Höhepunkt seiner Laufbahn als Politiker. Er wurde 2010 zum höchsten Thurgauer, zum Grossratspräsidenten, gewählt. «In dieser Eigenschaft durfte ich als erster Hansjörg Walter zur Wahl zum Nationalratspräsidenten gratulieren; das war schon etwas Besonderes», erinnerte er sich.

Ohne harte Bandagen

Peter Kummer spricht von «Glück, dass ich es bis hierhin geschafft habe». Irgendwie sei er stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Mit einem richtigen und mit harten Bandagen ausgetragenen Wahlkampf könne er leider nicht dienen: «Bei mir hat sich das alles so ergeben», erklärte er. «Ich habe mich immer gerne dort eingesetzt, wo ich etwas bewegen konnte», sagt Peter Kummer.

Durch Bewegung lernte der typische Berner Landbub einst auch seine Marlies kennen. «Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich sah sie auf einer Chilbi und fragte, ob sie mit mir tanzen wolle. Sie sagte etwas – und ich verstand kein Wort. Sie hatte einen grausamen Dialekt; sie war ja eine Ostschweizerin.» Dass nach der Geburt der drei Töchter die Familie in den Thurgau zog, hatte mit dem Aufbau eines eigenen Geschäftes zu tun. Die Kummer Werkzeugbau AG konnte in Oberaach Bauland erwerben. Die Anfänge seien nicht einfach gewesen, da es an qualifiziertem Personal mangelte. Doch dank Beharrlichkeit und Innovationswillen dauerte es nicht lange, bis das Geschäft blühte und auch die erste Anfrage für ein Amt im Schulrat kam. Bei der einen Amtsperiode, die er sich vornahm mitzuwirken, blieb es nicht. «Ich war 17 Jahre dabei und hatte eine schöne Zeit.»

Amriswil wird zur Stadt

Als er 1995 seinen Rücktritt in zwei Jahren ankündigte, kam schon bald die Frage, ob er denn nicht fürs Amt des Dorfoberhaupts kandidieren wolle. Nach langer Überlegung habe er schliesslich ja gesagt und den Schritt nie bereut. «Wir hatten ein super Team.» Bleibende Erinnerungen an seine drei Amtszeiten als Gemeindeammann waren die 1200-Jahr-Feier, die Einweihung des Pentoramas oder die Renovation des Bahnhofes. Auch verriet Kummer, warum Amriswil unter ihm zur «Stadt» wurde. «Ich stellte fest, dass sich in internationalen Gremien, in denen ich Amriswil vertrat, niemand für eine normale Gemeinde, alle sich jedoch für eine Stadt interessierten. So beschlossen wir halt, aus dem Dorf eine Stadt zu machen, zumal wir ja die dazu erforderlichen 12 000 Einwohner schon hatten; und auf einmal waren wir jemand.»

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