Auf dieser Bühne haben alle Platz

KREUZLINGEN. Der Kreuzlinger Kulturverein Z88 wird 25 Jahre alt. Seit der Gründung bereichern seine Mitglieder das Angebot an Veranstaltungen in der Stadt. Konzerte, Ausstellungen, Theater: Im «Z» gab es schon alles, nur keinen Tanz.

Urs Brüschweiler
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Sie bringen Kultur auf die Bühne des «Z88»: Mitbegründer Kurt Peter und Vereinspräsident Benjamin Knaus. (Bild: Nana do Carmo)

Sie bringen Kultur auf die Bühne des «Z88»: Mitbegründer Kurt Peter und Vereinspräsident Benjamin Knaus. (Bild: Nana do Carmo)

KREUZLINGEN. Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube: Der Kulturverein Z88 trägt seinen Namen nicht, weil das Lokal an der Hauptstrasse 88 liegt, sondern weil er 1988 gegründet wurde. Entsprechend feiern die Mitglieder am Wochenende das Jubiläum. Sie schauen dabei auch zurück auf 25 bewegte Jahre. Kurt Peter war schon damals dabei, als in einer WG die Idee entstand. «Wir wollten nicht wegen jedem Konzert nach Konstanz fahren.» 40 Personen sassen in der Stube und entwarfen ein Konzept für ein kulturelles Angebot. Im Juni veranstalteten sie ihr erstes Konzert. Ein Jahr später, bei der Eröffnung des Saals im Zentrum zum Bären wurde eine wilde Party gefeiert. ZüriWest spielte vor 300 Personen. «Der neue Saal wurde gleich wieder beschädigt», erzählt Kurt Peter und schmunzelt.

Verwechselt mit Bärenzentrum

Das heutige Lokal durften der Kulturverein 1991 beziehen. Die Stadt hatte nach einer Volksabstimmung die Liegenschaft an der Hauptstrasse 88 gekauft, um dort ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen. Das Projekt starb, das Z88 profitierte. Die Mitglieder bauten die Uhrmacherwerkstatt zum Konzertlokal um. An der Einweihung schlug Stadtammann Josef Bieri den Namen «Zentrum 88» vor. Später verkürzte man ihn auf «Z88». «Weil wir dauernd mit dem Zentrum zum Bären verwechselt wurden», erklärt Kurt Peter.

Seither bereichert das Z88 jährlich mit etwa 40 Veranstaltungen pro Jahr das städtische Kulturleben: Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Filmabende und vieles mehr. «Wir haben schon fast alles gemacht», sagt Vereinspräsident Benjamin Knaus und ergänzt: «ausser Tanz». Für solche Darbietungen fehle schlicht der Platz. Wer auftritt, entscheidet die achtköpfige Programmgruppe. Das Z88 bietet einer breiten Palette von Musikern und anderen Künstlern die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Dabei wurden auch schon Experimente gewagt. «Dass dann nicht immer alles klappt, ist normal», sagt Kurt Peter. Die einzige Regel sei, dass man sich zuerst persönlich vorstellen muss. Den Machern im Z88 ist es auch ein Anliegen, die Schwellenangst vor ihrem Lokal abzubauen. «Alle dürfen kommen.»

Unpolitisch, aber kritisch

Politisch ist der Verein nicht, Ein einziges Mal in seiner Geschichte veranstaltete man ein Wahlpodium, als 1988 ein neuer Stadtammann gewählt wurde. Und manchmal werden die lokalen Politiker in den Theater-Eigenproduktionen aufs Korn genommen.

Eigentlich sind sie ganz zufrieden, wie es derzeit läuft. Immerhin knarrt dank dem handwerklichen Einsatz der Mitglieder die Bühne nicht mehr. «Ein langes Weiterbestehen und viel Publikum» sind die Wünsche von Benjamin Knaus für die Zukunft. All zu viele Gedanken um ein neues Lokal macht sich der Kulturverein nicht. Obwohl an diesem Ort die neue Schwimmhalle geplant wird. Die Stadt habe für diesen Fall eine Alternative versprochen.