Auf der Suche nach einer Identität

SONTERSWIL. Die Einwohner der Gemeinde Wäldi diskutierten am Donnerstag über die Zukunft ihrer Dörfer. Einkaufsmöglichkeiten, Schulstandorte und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr waren wichtige Themen.

Martina Eggenberger Lenz
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Reger Austausch: Einwohner und Gemeinderäte in einem Zimmer der Schule Sonterswil. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Reger Austausch: Einwohner und Gemeinderäte in einem Zimmer der Schule Sonterswil. (Bild: Martina Eggenberger Lenz)

Seit bald zwanzig Jahren bilden die ehemaligen Ortsgemeinden Engwilen, Lipperswil, Sonterswil und Wäldi eine Politische Gemeinde. Die Zeit sei also reif für einen Zwischenhalt, befand der Gemeinderat von Wäldi und lud am Donnerstagabend das Volk zur Diskussion in die Mehrzweckhalle.

Die Resonanz war überwältigend: Mehr als 130 der knapp 1000 Einwohner folgten dem Aufruf, über die Zukunft der Gemeinde zu diskutieren. Mit Berater Jean-Claude Kleiner hatte der Gemeinderat professionelle Hilfe beigezogen.

Lauter Einfamilienhäuser

Gemeindeammann Adrian König zeigte auf, welche Voraussetzungen gelten. Wäldi erstreckt sich über eine grosse Fläche, die sieben Dörfer sind verzettelt. Sie sind eingebettet in eine schöne Landschaft und landwirtschaftlich geprägt. Bei der Altersstruktur fällt auf, dass verhältnismässig wenig jüngere Personen in Wäldi leben. Es gibt fast nur Einfamilienhäuser, kaum Mietwohnungen.

Der demographische Wandel könnte zum Problem werden, sagte Jean-Claude Kleiner. Die Schülerzahlen in Sonterswil und Wäldi sind tief. Man müsse sich überlegen, wie man eine für Familien attraktive Umgebung schaffen könne.

Infrastruktur schwindet

Die Einwohner wurden in Gruppen aufgeteilt, um über Zukunftsszenarien zu sprechen. In den Gesprächsrunden kamen zwei grundverschiedene Einstellungen zum Vorschein: Die einen wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, insbesondere dass dem Bauernstand Sorge getragen wird. Die anderen meinen, dass Wachstum die Gemeinde stärken würde. In Wäldi gibt es einen Infrastruktur-Abbau: immer weniger Restaurants, keinen Laden mehr, keine Post, weniger Verbindungen im öffentlichen Verkehr. «Dagegen sind wir machtlos», sagt ein Einwohner. Beim Kapitel öffentlicher Verkehr gibt es aber auch Stimmen, die auf Eigeninitiative pochen: «Wir sollten eine Arbeitsgruppe bilden, die ein Konzept erarbeitet, wie ein eigener Fahrdienst organisiert werden könnte.» Dies dürfe ruhig auch etwas kosten.

Rückendeckung der Volksschule

Für einen Laden sieht kaum einer eine Chance. «Dieser Zug ist abgefahren», so die weitverbreitete Meinung. Zuversichtlicher ist man in Sachen Schulen. Die starken Volksschulgemeinden Wigoltingen und Tägerwilen würden die Standorte in der Gemeinde Wäldi aufrechterhalten, glaubt die Mehrheit.

Häufig angesprochen wurde auch der Zusammenhalt der einzelnen Dörfer, der nicht optimal ist. «Wir müssen eine gemeinsame Identität schaffen», brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.