Auf den Spuren Weinfelder Frauen

Vreni Brenner-Früh führte auf Frauenspuren durch das Dorf. Verdiente Weinfelderinnen finden sich selten in den Geschichtsbüchern. Die geführten Rundgänge sind eine Erfolgsgeschichte: 1500 Personen haben schon teilgenommen.

Rudolf Steiner
Merken
Drucken
Teilen

Weinfelden. Bemerkenswerte Weinfelderinnen des 20. Jahrhunderts lernte eine 18köpfige Gruppe kennen. «Es sind keine Frauen, welche die Welt verändert haben, jedoch Bedeutendes für Familie, Gesellschaft und Staat gemacht haben», begrüsste Vreni Brenner-Früh die 15 Frauen und drei Männer am letzten Mittwochabend beim Brunnen vor dem Rathaus in Weinfelden.

Der Rundgang «Auf Frauenspuren in Weinfelden» sei überhaupt nicht gegen die Männer gerichtet, betonte sie. «Aber in den Geschichtsbüchern steht fast nichts über Frauen.»

Einsatz fürs Gemeinwesen

Im Laufe der Jahrhunderte hat es laut Brenner viele verdiente Weinfelderinnen gegeben, die sich für Familie, im Beruf und für das Gemeinwesen eingesetzt haben.

Das zeigte sich alsogleich bei den nächsten Stationen, dem reformierten Kirchgemeindehaus, in dem vor 128 Jahren das Friedheim gegründet wurde, und dem Scherbenhof, in dem unter anderem eine von Frauen geführte Soldatenstube eingerichtet war. Rosina Seeger-Meyer (1889–1991), Ida Trümpy (1893–1993), Erna Maria Eder (1897–1982) und Els Hägeli (1913) sind nur einige Namen von Weinfelderinnen, die sich selbstlos und ohne grosses Aufsehen für die Allgemeinheit eingesetzt haben.

Vom Klavier zum Karton

Weiter ging der Rundgang in der Abendsonne über den Gässliweg zum Haffterpark, von wo man im Winter, wenn es keine Blätter an den Bäumen habe, eine prima Aussicht auf «die Model» habe, wie Vreni Brenner erzählte. Dabei erfuhr die Gruppe einiges über die ehemalige Model-Patronne Els Müller-Model, die begabte, aber an Lampenfieber leidende Pianistin, die 1940, nach dem Tod ihres Ehemannes Otto Model, den Betrieb nebst der Familie allein weiterführte.

Schon 76 Rundgänge

Als weitere bemerkenswerte Frauen erwähnte Vreni Brenner unter anderen Mary Simon-Fehr (1888–1955, Eva Maria Margaretha Kesselring-Schläpfer (1909–2003) vom Schloss Bachtobel, Handarbeitslehrerin Anna Keller (1912–1994) und die Fotografin Martha Gubler-Waingand (1902–2005).

Die Weinfelder Dorfrundgänge, in deren Rahmen dieses Jahr erstmals auch die Führungen «Auf Frauenspuren in Weinfelden» angeboten wurden, sind gemäss Gemeindeschreiber Martin Sax «eine Erfolgsstory».

So fanden 2010 total 76 Rundgänge statt, davon waren 22 bekannten-unbekannten Weinfelderinnen gewidmet. Insgesamt haben rund 1500 Personen an den Führungen durch die heimliche Kantonshauptstadt teilgenommen.