Auf dem falschen Fuss erwischt

ARBON. Da bekommt der Arboner Seerettungsdienst endlich vom Kanton grünes Licht für den Bau der neuen Einsatzzentrale. Doch jetzt geben ausgerechnet die Motoren des Flaggschiffs den Geist auf. Das Geld geht für deren teuren Ersatz drauf.

Max Eichenberger
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Das Container-Provisorium auf dem Hafendamm könnte durch einen neuen Pavillon ersetzt werden. Doch dafür werden jetzt die Mittel entzogen. (Bild: Max Eichenberger)

Das Container-Provisorium auf dem Hafendamm könnte durch einen neuen Pavillon ersetzt werden. Doch dafür werden jetzt die Mittel entzogen. (Bild: Max Eichenberger)

Seit Jahren übt sich die Arboner SLRG-Sektion in Geduld. Die «Blaulicht-Organisation», die im Obersee die Thurgauer Seepolizei im Seerettungsdienst unterstützt, verfügt über keine taugliche Einsatzzentrale. Als Basis dient behelfsmässig ein Container auf dem Hafendamm. Abgesehen davon, dass er viel zu wenig Platz bietet, ist die «Kiste» bei den Pappeln keine Augenweide. «Die Infrastruktur zu Lande ist die wohl schlechteste am See», klagt Eric Meyer, Co-Leiter des Seerettungsdienstes.

Viel Zeit verstrichen

Darum laufen seit nunmehr zwanzig Jahren Bestrebungen, eine zweckmässige Einsatzbasis in der Nähe der Schiffe zu erstellen. Für Meyer ist klar: Sie sollte auf dem Hafendamm realisiert werden. Dort hätte man alles Material zur Hand. Heute ist es teilweise extern gelagert. Je nach Einsatz muss es herangeschafft werden. Das ist umständlich – und kostet Zeit. Zwei Anläufe waren gescheitert. Vielversprechend liess sich das 2012 lancierte Projekt eines 100 Quadratmeter grossen Pavillons unmittelbar neben der neuen Steganlage an. Der Stadtrat erklärte sich bereit, auf dem Hafendamm städtischen Boden zur Verfügung zu stellen – und fünf Parkplätze dafür zu opfern. Selber bewilligen konnte die Stadt das Projekt allerdings nicht, weil sie selber Grundeigentümerin ist.

Kanton weist Einsprache ab

Daher hatte der Kanton das Baugesuch zu beurteilen. Viele hätten gegen das Vorhaben gemotzt, musste Meyer konstatieren. Vorbehalte hatte auch der Ortsplaner geäussert. Doch ging dann lediglich eine Einsprache ein – von der Eigentümerin des Hotels «Rotes Kreuz». Sie argumentierte, die Sicht auf den See und den Hafen würde verstellt.

Der Kanton liess sich Zeit. Heikel war die Beurteilung der Frage, ob ein solcher Leichtbau-Pavillon in einer öffentlichen Zone zulässig sei und dort betrieblich standortgebunden. Der Kanton bejahte – und wies die Einsprache ab. Die Fristen sind inzwischen unbenutzt abgelaufen. Die SLRG könnte also endlich bauen. «Wir haben jetzt aber ein anderes Problem», schildert Eric Meyer.

«Prioritäten nun anders setzen»

Die beiden Motoren des grossen Einsatzschiffes «Sirius», das seit 1990 in Betrieb ist, müssen dringend ersetzt werden. Das trifft die Seeretter auf dem falschen Fuss und kostet eine Stange Geld: Die SLRG rechnet mit 140 000 bis 150 000 Franken – fast so teuer käme der Pavillon zu stehen (180 000 Franken).

Mittelfristig habe man zwar mit dem Ersatz der Motoren gerechnet. Jetzt müsse dieser aber vorgezogen werden, weil die Motorenleistung rapide nachgelassen hat. «Wir sehen uns in dieser Situation genötigt, die Prioritäten zu ändern. Uns nützt ein neuer Pavillon nichts, wenn wir keine Seerettungen mehr machen können», sagt Meyer.

Zum Glück sei die Wassersportsaison vorüber. Im Dezember wird die «Sirius» in die Werft überführt. «Wir werden dann die Finanzierung der Einsatzzentrale neu anreissen müssen.» Meyer denkt dabei auch an eine Spendenaktion. Zwei Jahre ist die Baubewilligung gütig. In dieser Frist hofft die SLRG ihre Zentrale doch noch errichten zu können.

Eric Meyer Co-Leiter Seerettungsdienst SLRG (Bild: me)

Eric Meyer Co-Leiter Seerettungsdienst SLRG (Bild: me)

«Sirius»: Motoren am Ende. (Bild: pd)

«Sirius»: Motoren am Ende. (Bild: pd)

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