Auch im «Bellevue» ist jetzt Schluss

ARBON. Nach zehn Jahren hören Elisabeth und Fernand Pipoz im «Bellevue» auf. Sie ziehen ins Freiburgische und übernehmen dort ein Restaurant. Arbon verliert weitere neun Hotelzimmer.

Max Eichenberger
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Neues Glück im Greyerzerland: Elisabeth und Fernand Pipoz verabschieden sich vom «Bellevue». Nachfolger sind keine in Sicht. (Bild: Max Eichenberger)

Neues Glück im Greyerzerland: Elisabeth und Fernand Pipoz verabschieden sich vom «Bellevue». Nachfolger sind keine in Sicht. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Der Name des Hotels, das auf dem «Bergli» neben dem Schulhaus steht, ist nicht übertrieben. Vom Restaurant-Säli im Süden hat man einen schönen Ausblick auf die Hügelzüge des Appenzeller Vorderlandes und auf den Säntis, der sich an diesem Tag sogar näher als gewohnt zeigt.

Von Arbon nach Cerniat

Elisabeth und Fernand Pipoz, die Pächter, sitzen an einem Fenstertisch und machen Pause. Gäste hat es keine mehr. Das Wirte- und Hotelierehepaar macht den Betrieb bereit für die Rückgabe. Nach genau zehn Jahren hören die beiden auf im «Bellevue». Der Jahreswechsel kommt für sie auch einem geographischen Wechsel gleich. Am 9. Dezember haben sie ihren Abschiedsabend mit vielen Gästen gehalten. Wehmut mischte sich mit Vorfreude auf das, was kommt: am 9. Januar starten Elisabeth und Fernand Pipoz ihren Neuanfang als Pächter des Restaurants «La Berra» in Cerniat.

Etwas in die Höhe

Das Restaurant ist benannt nach dem «Hausberg» und das einzige in der 330-Seelen-Gemeinde. Es liegt am Fuss des Jaunpasses im Greyerzbezirk. Für den gelernten Käser ist es eine Rückkehr in seine Heimat. Doch das ist Zufall. «Wir haben hier nichts gefunden, das uns zugesagt hätte», sagt die Wirtin und Hotelière. Sie selber ist gebürtige Hornerin. Wegen ihres Asthmas ist ihr angeraten worden, etwas mehr in die Höhe zu gehen. Cerniat liegt 930 m hoch. Dort wird es ihr besser gehen. Den über zehn Jahre laufenden Pachtvertrag in Arbon haben Pipoz' erfüllt. Arbon verliert weitere neun Hotelzimmer. Nachfolger sind noch keine in Sicht. Man müsste etwas investieren in die Liegenschaft und den Betrieb.

Betrieb zu zweit geschmissen

Vor Arbon haben Elisabeth und Fernand Pipoz in Kümmertshausen die Bauernwirtschaft «Löwen» geführt, wo sie sich zuvor auch kennengelernt haben. Wegen eines Unfalls konnte Fernand Pipoz den Käserberuf nicht mehr ausüben; so kam er in die Gastronomie. Nach der Heirat 2001 hatten sie sich nach etwas Grösserem umgeschaut und waren in Arbon fündig geworden. Im «Bellevue» teilten sie sich zu zweit die ganze Arbeit. Das gab manchmal lange Arbeitstage. Handwerker wollen schon um 6.30 ihren Zmorgen. Zimmer wurden als günstige Unterkunft öfters online über Booking.com gebucht. Legendär waren die Cordons bleus von Elisabeth Pipoz. 15 bis 20 Personen wa- ren im Durchschnitt Mittagsgäste.

Welsche Geselligkeit

Sobald Krisenzeiten nahen, würden Leute hier in der Ostschweiz weniger auswärts essen gehen. «Das merkt man schnell», sagt Elisabeth Pipoz. Weniger anfällig für solche Einbrüche sei das Welschland: Geselligkeit werde dort noch anders gepflegt – und ausgeprägter in der Wirtschaft. Von den Gästen, die im «Bellevue» zum Ausklang Fribourger Hörnli serviert bekamen, dürften einige den Weg in den Greyerzbezirk finden. «Es ist ein schönes Wandergebiet. Und im Winter kann man auch Ski fahren.»