Auch andere wollen Hotel bauen

ROMANSHORN. Der Stadtrat will der Hess Investment AG ein Stück der Hafenpromenade verkaufen oder im Baurecht abgeben für den Bau eines Hotels. Es gebe keine anderen Interessenten, argumentiert die Behörde. Doch das stimmt nicht.

Markus Schoch
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Blick auf die Romanshorner Hafenpromenade: In der Kurve will die Hess Investment AG ein Hotel bauen. (Archivbild: Markus Schoch)

Blick auf die Romanshorner Hafenpromenade: In der Kurve will die Hess Investment AG ein Hotel bauen. (Archivbild: Markus Schoch)

Das Vorgehen ist ein völlig anderes, und es sorgt vereinzelt für Kritik in der Bevölkerung. Während der Stadtrat beim Verkauf des «Bodan»-Areals einen Investorenwettbewerb ausschrieb, will er bei der Hafenpromenade die Konkurrenz nicht spielen lassen. Dort möchte die Behörde der Hess Investment AG ein rund 3000 Quadratmeter grosses Stück veräussern, damit das Amriswiler Unternehmen ein Hotel bauen kann. Die Abstimmung ist für Mitte Jahr geplant. Firmenbesitzer Hermann Hess wartet seit langem auf diesen Moment: Er verfolgt die Pläne seit über vier Jahren. Doch das ist nicht der Grund, warum die Behörde keinen weiteren möglichen Käufer für die Parzelle in Betracht zieht. Hess sei der einzige, der dort ein Hotel bauen wolle, sagte Stadtpräsident David H. Bon Anfang Dezember gegenüber dieser Zeitung. «Es wäre sehr künstlich gewesen, wenn wir jemand anderen gesucht hätten.»

Zwei konkrete Interessenten

Doch so künstlich wäre es doch nicht gewesen. Denn es gibt durchaus andere Unternehmen, die Interesse daran haben, auf der Hafenpromenade ein Hotel zu bauen. Eine ist die Implenia, die ihr Interesse der Stadt sogar schon vor längerer Zeit mündlich und schriftlich angemeldet hat. Das nach eigenen Angaben führende Bau- und Baudienstleistungsunternehmen der Schweiz kennt Romanshorn: Die Implenia beteiligte sich bereits am Investorenwettbewerb fürs «Bodan»-Areal, kam aber nicht zum Zug.

Auch die Steiner AG würde sich an einem Investorenwettbewerb auf der Hafenpromenade beteiligen, erklärt Mediensprecher Claude Sulser auf Anfrage. Sie würden das in Frage kommende Areal kennen. Die Firma ist einer der führenden Generalunternehmer und Entwickler in der Schweiz und hat beispielsweise nach einigem Hin und Her definitiv den Zuschlag für den Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld für rund 167 Millionen Franken erhalten.

Bon ist überrascht

Stadtpräsident David H. Bon ist überrascht vom plötzlichen Interesse. «Wir waren in Kontakt mit seriösen, grossen Firmen, die nicht davon ausgegangen sind, dass irgend jemand in ein Hotel am Hafen investieren will.» Und bis jetzt würden ihm auch keine konkreten Anfragen vorliegen, abgesehen von derjenigen der Hess Investment AG. An der Hafenpromenade seien schon «grosse, seriöse, renommierte Firmen kläglich gescheitert», ruft Bon in Erinnerung.

Dass es der Implenia so ernst sei, habe er nicht gedacht. «Ich habe das vielleicht zu wenig ernst genommen», räumt er ein. Und er bedauere es, wenn sich die Verantwortlichen übergangen fühlen würden. Er sei tatsächlich vor längerer Zeit mit einem Mitarbeiter der Implenia zusammengesessen, sagt Bon. Dabei sei es darum gegangen, wo es in Romanshorn Möglichkeiten für Projekte gebe. «Thema waren insbesondere Genossenschaftsbauten.» Über ein Hotel hätten sie nur am Rande geredet. Er habe darum nicht allzu viel darauf gegeben, auch aufgrund der Erfahrung, die er in solchen Situationen wiederholt gemacht habe. «Diskutiert man die Hotelfrage eingehender, löst sich das Interesse meist schnell auf.»

Falls es jetzt tatsächlich anders sein sollte und «namhafte Firmen mit seriösen, verbindlichen, unsere Bedingungen erfüllenden Offerten kommen, müssen wir uns die Sache nochmals überlegen», sagt Bon. «Wenn alle Schlange stehen sollten, wären wir einfach nur froh. Es wäre das Beste, was uns passieren könnte.»

Noch alles möglich

Die Türen in Romanshorn stünden für Investoren weit offen. «Im Prinzip ist auch am Hafen noch alles möglich», sagt Bon. Die Verhandlungen mit Hess hätten noch nicht begonnen. «Es besteht die Möglichkeit, dass er den Vertrag am Schluss nicht unterschreibt», sagt Bon. «Es kann auch eine Preisfrage werden. Wir verscherbeln das Land sicher nicht.» Sollte sich die Hess Investment zurückziehen, sei es nicht ausgeschlossen, anderen Interessenten eine Chance zu geben.

Das geplante Vorgehen völlig über den Haufen zu werfen und direkt einen Investorenwettbewerb auszuschreiben, steht nicht zur Debatte. «Die Romanshorner haben Gefallen gefunden an der Hotelidee von Hermann Hess, das ist unbestritten, und wir wollen ihm die Möglichkeit geben, sie umzusetzen.»

Komme hinzu: Für einen Investorenwettbewerb müssten alle Parameter im voraus geklärt werden. «Und dann kämen wir genau in die Situation, die der Stadtrat eigentlich vermeiden wollte, weil es wahnsinnig kompliziert und aufwendig wird», sagt Bon. Zudem stelle sich die Frage: «Ist überhaupt jemand bereit, so viel Geld im voraus zu investieren?» Die Chance sei wohl eher klein. Der Stadtrat sei deshalb überzeugt, mit der angestrebten Lösung «unnötige Kosten» zu vermeiden.

Politisch vertretbar

Das Vorgehen sei politisch vertretbar, findet Bon im Unterschied zu einzelnen Leserbriefschreibern. Hess sei ein Thurgauer Investor, der in Romanshorn «nachweislich nicht nur auf Rendite aus ist, sondern auch auf Qualität achtet». Er sei zudem Mitbesitzer des Hafens und der Hafenmauer, habe eine konkrete Idee und halte seit Jahren an ihr fest. Hess würde im Unterschied zu Generalunternehmern das Hotel auch behalten, sagt Bon. «Er führt eine Firma, die Immobilien besitzt und betreibt.»

«Wenn wir jemanden haben, der alle Risiken kennt und selber bekannt ist, transparent agiert und am Tisch entscheiden kann, warum sollen wir nicht mit ihm gehen?», fragt Bon. Rechtlich sieht er sowieso kein Problem, ein Stück der Hafenpromenade nicht im Bieterverfahren zu veräussern. «Das Grundstück ist im Landkreditkonto. Wir sind wie andere Grundstückbesitzer frei und dürfen das.»

Die Stadt braucht Investoren

Mit den anderen Interessenten an einem Hotelprojekt würde Bon «sehr, sehr gerne» ins Gespräch kommen. «Wir spielen schon seit längerem mit der Idee eines Investorenanlasses.» Jetzt sei der richtige Moment gekommen: Der überarbeitete Richtplan und die Entwicklungsstrategie lägen vor. «Damit können wir genau aufzeigen, wohin die Reise der Stadt gehen soll.»

Romanshorn brauche Investoren, macht Bon klar. Margrit Grädel suche einen für ihr Hotelprojekt, und auch die Besitzer des Hotels Inseli «brauchen irgend wann einen». Der Stadtrat würde sich zudem wünschen, wenn dereinst ein Hotel im Hafenpark zwischen Lagerhaus und SBS-Werft eröffnet würde. «Wir haben das Gefühl, dort sei der absolut ideale Ort, auch von der Zone her», sagt Bon. Die Implenia und andere Investoren könnten «schöne und grosse Projekte in Romanshorn fahren, wenn sie wollen».

Expo ändert alles

Dass die Hafenstadt attraktiv geworden ist, führt Bon auch darauf zurück, dass sie Standort der Expo werden soll. «Damit hat sich die Situation grundlegend geändert.» Das erwachte Interesse sei auch «Beweis, dass wir gut arbeiten. Wie es scheint, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.» Romanshorn müsse diesbezüglich vielleicht selbstbewusster auftreten.

David H. Bon Stadtpräsident von Romanshorn (Bild: Reto Martin)

David H. Bon Stadtpräsident von Romanshorn (Bild: Reto Martin)

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