Ariella Kaeslin ungeschminkt

WEINFELDEN. Bringt nur Verzicht Erfolg im Beruf? Antworten auf diese Frage gaben zwei junge Talente am Herbstanlass von Gastro Thurgau in Weinfelden.

Mario Testa
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Ariella Kaeslin demonstriert ihren Absturz mit Faden, Schere und Playmobilfigur. (Bild: Mario Testa)

Ariella Kaeslin demonstriert ihren Absturz mit Faden, Schere und Playmobilfigur. (Bild: Mario Testa)

Der eine durfte nach zehn Monaten intensiver Vorbereitung an die Berufsweltmeisterschaft, die andere stand nach jahrelangem Drill auf diversen Podesten in Sportstadien überall auf der Welt. Der Servicefachangestellte David Füger und die ehemalige Profi-Kunstturnerin Ariella Kaeslin sprachen am Herbstanlass des Verbands Gastro Thurgau über Erfolge und Niederlagen.

Fall des Schätzlis der Nation

Ariella Kaeslin, die ehemalige Spitzen-Kunstturnerin, erzählte, dass sie schon als 13-Jährige von zu Hause weg nach Magglingen ziehen musste, um optimal trainieren zu können. Sie erzählte vom enormen Druck, der dort vom Trainer aufgesetzt wurde, und von ihrer ständigen Angst, zuzunehmen. Sie biss sich durch, und als Schätzli der Nation turnte sie sich in den folgenden Jahren in die Herzen der Schweizer und hatte grosse Erfolge – wenn auch mit düsteren Folgen für sie selbst. «Ich wusste bis kurz vor Ende meiner Karriere gar nicht, wer ich bin. Alles in mir war nur aufs Turnen ausgerichtet.»

Drei Jahre vor ihrem Karriereende habe sie bemerkt, wie sie langsam in ein Loch falle. Also habe sie zum Schluss die Reissleine gezogen, den Faden zum Turnsport gekappt – weil es jedoch ihr einziger Faden im Leben war, fiel sie tief. «Achten Sie darauf, dass Sie genug Fäden in ihrem Leben spinnen», sagte Kaeslin und veranschaulichte ihre Aussage mit Faden, Schere und einer Playmobilfigur. «Ich musste lauter neue Fäden spannen nach dem Karriereende. Freundeskreis, Hobbies, Berufswelt...»

Grosse Opfer für den Erfolg

«Wir wollen mit den Geschichten dieser zwei jungen Menschen zeigen, wie viel Verzicht hinter grossen Erfolgen steht», sagte Gastro-Präsident Ruedi Bartel. «Ariella Kaeslin ist sicher ein Extrembeispiel. David Füger machte da den üblichen Weg in seinem Beruf und musste erst beim Training auf die Meisterschaften hin Abstriche in seiner Freizeit machen.»