Arg in der Finanzklemme

Die Alterswohnungen Schützenwiese, Stoffel und Bellevue sind vermietet. Im Haus Bellevue genügen die Einnahmen nicht mehr. Das Haus soll als Kleinpflegeheim auf der kantonalen Heimliste geführt werden.

Hedy Züger
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2009 soll das Haus Bellevue als Kleinpflegeheim betrieben werden. (Bild: Max Eichenberger)

2009 soll das Haus Bellevue als Kleinpflegeheim betrieben werden. (Bild: Max Eichenberger)

In der Genossenschaft sei das Verhältnis zwischen Eigenmitteln und Fremdkapital nach wie vor ungünstig, konstatierte Präsident Paul Fehlmann. Dankbar sei man jenen Genossenschaftern, die auf den Zins auf Anteilscheinen verzichten.

Weniger Intensivpflegefälle

Vermietungen von Alterswohnungen seien mit einem grossen Zeitaufwand verbunden, stellte der Präsident fest. Verwalterin Margrit Bollhalder Schedler zeige Interessenten die Wohnungen oft mehrmals. Karl Schmid, Leiter Finanzen: «Die Verwalterin hat eine hundertprozentige Auslastung der Wohnungen erreicht.»

Nachdem 2007 im Haus Bellevue weniger Intensivpflegefälle untergebracht waren, sanken vorübergehend die ungedeckten Kosten. In der Gesamtrechnung der Genossenschaft konnten 600 000 Franken an Abschreibungen getätigt werden, der Personalaufwand schloss 605 000 Franken unter Budget ab.

«Mehr Schulden als die Stadt»

Doch die Schulden aus der Bauzeit betragen über 18 Millionen Franken. Die derzeit tiefen Zinsen seien ein Glücksfaktor, sprach Schmid ein Dilemma an. Stadtammann Martin Klöti machte klar: «Die Verschuldung der Genossenschaft Alterssiedlung ist höher als jene der ganzen Stadt Arbon.» Und er erkundigte sich nach einer Strategie. Die Einnahmenseite müsse optimiert werden, so Schmid. «Der Bau der Schützenwiese hat uns die Schuldenlast beschert, wir haben uns zu stark verausgabt», räumte Fehlmann ein. Doch die Genossenschaft habe sich angestrengt, um günstige Finanzquellen anzuzapfen und abzuzahlen. Man wolle den Finanzhaushalt in kleinen Schritten sanieren.

Einnahmen reichen nicht

Wirtschaftsprüfer Martin Lienhard, auf seine Beurteilung angesprochen, erwähnte einen Cashflow in der Grössenordnung von einer Million Franken als mögliches Ziel. Lienhard: «Wir wissen, dass wir hier nicht an der Goldküste wohnen. Ich denke, der Verwaltungsrat hat seine Aufgabe gut gemeistert.» Zur finanziellen Lage erklärte der Wirtschaftsprüfer, «dass die Einnahmen bereits mittelfristig nicht mehr ausreichen könnten, um die Dienstleistungen aufrechtzuerhalten und Sanierungen der Liegenschaft vorzunehmen. Die Abschreibungen sind ungenügend.» Im Vergleich zur Bedeutung der Siedlungen erhalten die Alterswohnungen wenig Spenden und Legate. In den Gründerjahren ist diese Institution von der Einwohnerschaft grosszügig unterstützt worden.

Anstieg der Miete verpönt

Eine Mieterin: «Die nächste grosse Mietzinserhöhung bewegt die Bewohner.» Schmid verwies darauf, dass die Genossenschaft beim Wegfall der WEG-Verbilligung «die Mietzinsen um 15 Prozent hätte erhöhen müssen». Sie habe darauf ebenso verzichtet wie bei den Hypothekarzinserhöhungen der Bank. Schmid: «Irgendwann können wir die Mietzinserhöhungen nicht mehr vor uns herschieben, der Anstieg der Nebenkosten ist enorm.» Verwalterin Margrit Bollhalder Schedler beruhigte die Mieter: «Machen Sie sich keine schlaflosen Nächte, zuerst der Mensch, dann das Geld.»

Fehlmann kündigte an, dass auf die GV 2009 mehrere neue Verwaltungsräte gesucht werden müssen, und auch der Präsident sei zu ersetzen. Er lasse die Genossenschaft aber nicht im Stich.