ARBON: Zentren rücken zusammen

Eine bessere Verkehrsanbindung nach Westen und eine aktivere Wirtschaftspolitik – diese Forderungen sind am Arboner Wirtschaftsforum laut geworden. Die Industrie ist gefordert.

Christof Lampart
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Wirtschaftsgipfel im Arboner Seeparksaal: Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg, Dennis Reichardt, Präsident der Arbeitgebervereinigung Arbon und Umgebung, und Edgar Sidamgrotzki, Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft. (Bild: Christof Lampart)

Wirtschaftsgipfel im Arboner Seeparksaal: Der Arboner Stadtpräsident Andreas Balg, Dennis Reichardt, Präsident der Arbeitgebervereinigung Arbon und Umgebung, und Edgar Sidamgrotzki, Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft. (Bild: Christof Lampart)

ARBON. Dass König Fussball es nicht nur vermag, in wirtschaftlich härteren Zeiten (Frankenschock, Einkaufstourismus) das Volk entlang des Bodensees zu einen, sondern auch an Fachtagungen den Ton angibt, zeigte sich wieder einmal am Mittwochabend im Arboner Seeparksaal am Arboner Wirtschaftsforum.

Nicht viel Neues

Bei welcher anderen Gelegenheit würde ansonsten eine Podiumsdiskussion unterbrochen, um ein Zwischenresultat («Sollen wir es sagen, ja, wir tun es; die Schweiz liegt 0:1 hinten gegen Rumänien») durchzugeben? Nun, dies war zumindest eine Neuheit für alle. Denn das, was die gut hundert Zuhörerinnen und Zuhörer zuvor im Rahmen eines Einführungsreferates und einer Podiumsdiskussion über die Gegenwart und die Zukunft des Wirtschaftsraumes Arbon/Oberthurgau zu hören bekamen, war praktisch nichts Neues; alter Wein in neuen Schläuchen eben.

Über den eigenen Gartenzaun

Ja, Arbon hat viel Industrie und befindet sich seit (gefühlten und nicht gefühlten) langen Zeiten im anscheinend nicht enden wollenden Strukturwandel. Und ja, der Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, Edgar Sidamgrotzki, betonte mehrfach, dass dieser Wandel nicht von Arbon alleine bewältigt werden könne. Vielmehr müssten sich Amriswil, Arbon und Romanshorn als ein wirtschaftliches Ganzes positionieren. Kräfte bündeln und Synergien schaffen. Werde dieser Gedanke nicht im ganzen Oberthurgau von Industrie, Gewerbe und Politik vorgelebt, so seien wirtschaftlich noch härtere Zeiten im von der Industrie geprägten Landstrich unvermeidlich. Doch zumindest heute sei die Region Arbon «immer noch ein Hotspot in Sachen Industrie», so Sidamgrotzki.

Gewerbeflächen sicherstellen

Damit die Stadt und die Region Arbon wieder wirtschaftlich aufblühen könne, unternehme die Stadt vieles, sagt Stadtpräsident Andreas Balg: «Wir sind unternehmerfreundlich und verfolgen ganz klar das Ziel, die benötigten Gewerbe- und Industrieflächen für neue Betriebe sicherzustellen und zu erschliessen.» Der Präsident der Arbeitgebervereinigung Arbon und Umgebung, Dennis Reichardt, betonte, dass die Anbindung der Region an eine Bodensee-Thurtal-Schnellstrasse (BTS/OLS) nach wie vor unabdingbar fürs weitere Prosperieren sei.

Berufsnachwuchs heranziehen

Sein Amtskollege des Gewerbe Thurgau Oberer Bodensee, Armin Broger, meinte, dass sich das einheimische Gewerbe nur dann gegenüber der Konkurrenz aus dem grenznahen Ausland behaupten könne, wenn es ihm zum einen gelänge, den eigenen Berufsnachwuchs auszubilden. Zudem müsse es sich durch die Qualität der Dienstleistungen und Produkte zu profilieren versuchen.

Tiefere Löhne, härtere Strafen

Geht es nach dem Geschäftsführer des Küchenherstellers Forster, Anton Zöchbauer, so reicht es heute nicht mehr, einfach nur auf den Fakt «Swissness» zu setzen. Vielmehr müsse die Leistung top sein, um die teuren Arbeitsplätze nach wie vor hier erhalten zu können. Verglichen mit einem Forster-Werk in St. Petersburg – beide Werke sind auf dem technologisch gleichen Niveau – falle auf, dass bei einem Kostenindex von 100 Basispunkten die Schweizer Löhne bei 100, die der Russen jedoch lediglich bei 15 Basispunkten lägen. Und das, obwohl «wir in der Schweiz viele Angelernte haben, in Russland jedoch viele Fachleute.» Auch bei der Qualität – für die sich ja die Schweizer oft rühmten – schnitten die Russen besser ab. Dies könne jedoch auch daran liegen, dass in Russland bei Fehlern gerne mit Strafen in Form von Lohnabzügen gearbeitet werde. «Da ist dann klar, dass sehr auf Qualität geachtet wird», so Zöchbauer.

Nichtsdestotrotz könne man durch die in der Schweiz hergestellten hochwertigen Küchen für den Privathaushalt im Export punkten. «Wir verfolgen die Eroberung der Welt von Arbon aus konsequent», erklärte Zöchbauer. Bis 2018 will der Arboner Küchenhersteller Forster 7000 Küchen im Jahr herstellen und einen Grossteil davon exportieren. Bis dato verlassen jährlich 2500 Küchen das Werk in Arbon. Geht der Plan auf, so könne man damit rechnen, dass rund 50 Stellen in Arbon geschaffen würden, kündigte Zöchbauer im Seeparksaal an.