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ARBON: Wirtschaftlich nicht haltbar

Der Stadtrat hat entschieden: Das 53 Jahre alte Hotelgebäude Metropol wird nicht unter Schutz gestellt. Damit macht er den Weg frei für eine Neuüberbauung der Parzelle durch HRS. Ob es das Projekt Riva sein wird, ist offen. Der Gestaltungsplan muss überprüft werden.
Max Eichenberger
Gross war das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Informationsveranstaltung im Seeparksaal zur «Metropol»-Zukunft. (Bild: Max Eichenberger)

Gross war das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Informationsveranstaltung im Seeparksaal zur «Metropol»-Zukunft. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgaurzeitung.ch

Die Frage, was aus dem Metropol wird, bewegt die Arboner. Gegen 300 Personen wohnten der Informationsveranstaltung am Montag bei (TZ, 19.9.). Auf der Grundlage dreier Zusatzgutachten, die im Seeparksaal erläutert worden sind, hat der Stadtrat faktisch entschieden, den Hotelbau zum ­Abbruch freizugeben. Indes: Der Entscheid präjudiziere das HRS-Projekt Riva aber nicht, sagte Stadtpräsident Andreas Balg: Der Gestaltungsplan müsse jetzt im Lichte der Gutachterempfehlungen «überprüft» werden.

Aus wirtschaftlicher Sicht wäre ein Hotelbetrieb nach einer aufwendigen Totalsanierung – mit Kosten von über 20 Millionen Franken – weder effizient machbar noch rentabel. Zu diesem Schluss kommen Wüest Partner in ihrer Analyse. Das bestehende Nutzungskonzept in den jetzigen Baustrukturen funktioniere heute schlicht nicht mehr, betonte Marco Feusi. Es stamme noch aus einem anderen Marktumfeld.

Szenario eines Erhalts wird verworfen

Selbst nach einem Totalumbau scheine es fraglich, ob die heutigen Sicherheitsnormen und Standards erfüllt werden könnten. Bei einer Unterschutzstellung entstünde ein Minderwert von 16,1 Millionen Franken, wie die Berechnungen von Wüest Partner aufzeigen. Deshalb sei das Szenario Erhalt und Sanierung zu verwerfen – selbst wenn das sanierte Gebäude anders genutzt werden sollte: zum Beispiel zwölf Eigentumswohnungen oder vierzig Kleinwohnungen eingebaut würden. Höher wäre der Marktwert (10,15 Mio.), würde auf der Parzelle ein Ersatzneubau nach neuem kantonalem Baurecht erstellt. Nach diesem richtet sich die laufende Revision der Ortsplanung aus. Zulässig wären so – wie der Gutachter in einer Variante skizziert hat – 82 Wohnungen in drei Baukörpern. Wirtschaftlich am besten schneidet das aus einem von HRS lancierten Architekturwettbewerb hervorgegangene Überbauungsprojekt Riva mit den zwei hochgeschossigen Baukörpern (66 Eigentumswohnungen) über einem verbindenden Sockelgeschoss mit Gastronomie und Saal ab. Dies auf der Grundlage eines Gestaltungsplans, der eine freiere Ausnützung erst ermöglicht. Die Entsprechung findet er schon mal in der laufenden Zonenplanrevision (TZ, 12.9.). Im Entwurf ist nämlich eine Hochhauszone vorgesehen. Doch weder ist dies schon in Stein gemeisselt noch der Gestaltungsplan (durch den Kanton) genehmigt. Beide Verfahren laufen. Je nachdem, was herausschaut, ist ein Projekt für den Metropol-Ersatz in seinen Dimensionen und der Einbettung ins Areal betroffen.

Gutachten sprechen nicht eine Sprache

Stadtpräsident Andreas Balg kommunizierte den stadträtlichen Entscheid, den Hotelbau Metropol nicht unter Schutz zu stellen, knapp. Der vom Volk genehmigte Schutzplan, in dem das Metropol ausgeklammert bleibt, muss aber erst noch – mit der ergänzten Liste der Schutzobjekte – die Genehmigungshürde des Kantons nehmen.

Die Verfasser des Obergutachtens der Technischen Universität Braunschweig fanden zunächst, dass beim Metropol-Bau zwar «Defizite» bestünden. Diese liessen sich jedoch «ohne gravierende Eingriffe in die Tragstruktur beheben». Diese befinde sich in einem «guten Allgemeinzustand». Die Lebensdauer der Bausubstanz sei «noch nicht überschritten» und könne «um Jahrzehnte verlängert werden».

Zu einer anderen Beurteilung ist nun allerdings Jürgen Pink­wasser (Wälli Ingenieure) gekommen, der die Umnutzungsmöglichkeiten des bestehenden Baus geprüft hatte. Anforderungen an heutige Standards erfülle der Metropol-Komplex mit seinen filigran-minimalistischen Strukturen gleich mehrfach nicht: bei der Wärmedämmung ebenso wie im Bereich Heizung/Lüftung/Klima und beim Brandschutz. Würde das Gebäude umgenutzt, genügten die Tragreserven nicht. Es wären technisch aufwendige und kostspielige Massnahmen erforderlich. Die Kosten wären so hoch wie die eines Neubaus, eine zeitgemässe Nutzung nur beschränkt möglich – allein deshalb, weil sich durch letztlich «unverhältnismässige» Massnahmen die Raumhöhen merklich verringerten. Auch das Fassadenbild sähe danach anders aus.

Weder zielführend noch zukunftsfähig sei der Erhalt auch aus städtebaulicher Optik, er­läuterte Hans-Ullrich Grassmann (Baumschlager Eberle Architekten, St. Gallen). Eine Neuüberbauung bezeichnet er als «machbar und sinnvoll». Die Sonderstellung des Ortes verlange jedoch besondere Qualitäten. Der Gutachter plädiert dafür, das Riva-Projekt zu modifizieren und einen Konsens anzustreben. Grassmann rät, die Regeln für die Bebauung in Workshops festzulegen.

Sämtliche Gutachten sind auf arbon.ch (Stichwort Siedlungsentwicklung) aufgeschaltet.

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