ARBON: «Wir sind schon sehr verärgert»

So sei das nicht angedacht gewesen. Die IG Landquartstrasse fühlt sich vom Arboner Stadtrat düpiert: Weil er auf die Spange Süd in Stachen verzichtet und damit ein Versprechen bricht. Auch setze er sich nur halbherzig für Tempo 30 ein.

Max Eichenberger
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Reklamieren Verstoss gegen Treu und Glauben: Marcel Rutishauser, Bernhard Leng, Susann und Martin Kehl, der Vorstand der IG Landquartstrasse. (Bild: Max Eichenberger)

Reklamieren Verstoss gegen Treu und Glauben: Marcel Rutishauser, Bernhard Leng, Susann und Martin Kehl, der Vorstand der IG Landquartstrasse. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. «Wir fühlen uns hingehalten, sind zunehmend enttäuscht worden und jetzt auch ziemlich verärgert», sagt Martin Kehl. Er ist Präsident der Interessengemeinschaft (IG) Landquartstrasse – und einer von vielen Anwohnern, denen man von der Stadt einst mehr Verkehrsentlastung versprochen hat.

Versprechen gebrochen

Die Rückstufung der Spange Süd im Richtplan durch den Stadtrat hat nicht nur die Roggwiler vor ein Fait accompli gestellt. Die IG empfindet sie als Verstoss gegen Treu und Glauben. Auch wenn die Spange Süd, die Verbindung von Stachen zum A1-Zubringer Arbon-Süd nicht ganz gekippt wurde und noch als «Vororientierung» im Richtplan verbleibt: faktisch bedeute dies die Verzichtserklärung. So, wie es der Stadtrat auch kommuniziert habe: die Spange brauche es nicht, er stelle die Planung ein.

Die IG-Vertreter sehen mit diesem Verzicht ein Versprechen gebrochen, das der damalige Stadtrat im Vorfeld der Abstimmung über das Projekt der Neuen Kantonsstrasse (NLK) «hoch und heilig» gegeben habe. «Die Stadt hat mit dem Gesamtpaket NLK und Spange Süd geworben, die NLK bedinge die Spange», erinnern Marcel Rutishauser und Bernhard Lengg. Darum, und weil das Paket auch bauliche Gestaltungsmassnahmen zur Entlastung der Landquartstrasse enthielt, habe die Behörde die IG abholen und zu Unterstützern der NLK machen können.

Das böse Erwachen

Nachdem die ersten Autos über die neue Kantonsstrasse rollten, hat man dann auch mit dem Umbau der Landquartstrasse begonnen. Nicht zuletzt durch die lange Bauzeit hofften die städtischen Verkehrsplaner, die Automobilisten nachhaltig erziehen zu können, den Weg zum A1-Zubringer über die NLK zu nehmen. Ein Kalkül, das bedingt und nur eine Zeitlang halbwegs aufging. Bis viele Autofahrer wieder den kürzesten Weg befuhren. Doch als parallele Zubringerachse Richtung Arbon-Süd sei die umgestaltete Landquartstrasse nicht gedacht. «Sie war neu definiert worden als Strasse mit quartierähnlichem Charakter», sagen Martin und Susann Kehl. Dies mit dem Ziel, die Hälfte des früheren Verkehrsvolumens von 10 000 Fahrzeugen täglich wegzubringen. «Wenn Stadtpräsident Andreas Balg sagt, das Ziel sei erreicht, sagen wir, es ist nicht erreicht. Die Situation ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben.» Bald habe der Verkehr wieder zugenommen. Angeblich auf 5950 Fahrzeuge pro Tag. Den Verzicht auf die Spange Süd hat der Stadtrat unter anderem damit begründet, die erwünschte Entlastung der Landquartstrasse sei eingetreten. Was die IG ganz anders sieht. Sie vermisst bis heute transparente Zahlen des Verkehrs. Gefühlt sei es immer noch mehr. «Besucher sagen uns auch: Bei euch hat sich ja nichts verändert», sagt Susann Kehl. «Wir waren sicher nicht so blauäugig zu meinen, wir bekämen eine Fussgängerzone. Wir gingen aber davon aus, dass eine Tempo-30-Zone kommt», sagt das IG-Vorstandsquartett.

Kontraproduktive Schwellen

Baulich, so auch mit den eingebauten Schwellen, sei alles entsprechend gemacht und vorgekehrt. Doch diese Schwellen, die den Verkehr verlangsamen sollen, vertrügen sich mit Tempo 50 nicht. Sie seien eher kontraproduktiv, weil beim Überfahren und Beschleunigen Lärmimmissionen entstehen. «Wenn ein Lieferwagen über die Aachbrücke fährt, kann das schön scheppern», berichtet Martin Kehl.

Beim Passieren des Rillenbelags bei den Bushaltestellen rausche es, als würde ein Flugzeug starten. Und statt dass der Bus als Tempodrossler wirkt, beobachten Anwohner Autofahrer bei ihrem gefährlichen Manöver, wie sie den haltenden Bus links der Verkehrsinsel einfach überholen. «Uns wundert es da nur, dass noch nichts passiert ist.»

Kommt Tempo 30?

Vor einem Jahr hat die IG eine Unterschriftensammlung mit 240 Unterstützern für eine Tempo-30-Zone lanciert und das Begehren beim Stadtrat deponiert. Zur Vorabklärung liege es jetzt beim Kanton. Die Idee: Tempo 30 im Abschnitt Novaseta-Kreisel bis Aachbrücke – und auf der Schöntalstrasse bis Höhe Schulhaus, das als solches nicht mehr genutzt wird. Der Stadtrat habe nach einem informellen Austausch mit dem kantonalen Tiefbauamt signalisiert, eine Bewilligung dürfte «eher nicht» erteilt werden. Die IG fordert, dass er sich für Tempo 30 stark macht.

Bis der Stadtrat vor einem halben Jahr völlig überraschend die Abkehr von der Spange Süd verkündete, konnte die IG immer noch davon ausgehen, dass das Projekt nach Klärung offener Fragen (Linienführung auf Roggwiler Gebiet) realisiert wird. Der Entscheid hat die IG erzürnt: «Es wird in Arbon viel angerissen und wenig fertig gemacht.»

Wenig nachvollziehbar

Es könne nicht sein, dass es bis Roggwil keine Querverbindung zum Anschluss Arbon Süd gebe. Die Begründung des Verzichts unter anderem damit, bei 1000 Fahrzeugen weniger auf der Landquartstrasse seien die Kosten unverhältnismässig, ist für die IG wenig nachvollziehbar. Zumal das Saurer WerkZwei über eine Verkehrsbeziehung offen sein soll. Wenn in Stachen Süd die Grossüberbauung realisiert wird, werde noch mehr Verkehr ins Arboner Zentrum und nach Roggwil schwappen, weil er ohne Spange nicht direkt zum A1-Zubringer abgeführt werden kann.