Arbon will nicht zurück zum EKT

ARBON. Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau hat seinen Sitz in Arbon. Die Stadtwerke sind aber Aktionär bei der SN Energie. Daran wird sich voraussichtlich so schnell nichts ändern – trotz Ultimatum des Regierungsrates.

Markus Schoch
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Hauptsitz des Elektrizitätswerkes des Kantons Thurgau in Arbon. (Bild: Donato Caspari)

Hauptsitz des Elektrizitätswerkes des Kantons Thurgau in Arbon. (Bild: Donato Caspari)

ARBON. Die Botschaft ist unmissverständlich. Der Regierungsrat erwartet von den Arbonern, dass sie bis spätestens Anfang 2017 wieder zum Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) zurückkehren. Regierungsrat Kaspar Schläpfer hat diese Haltung zuletzt Mitte März an der EKT-Bilanzmedienkonferenz zusammen mit dem abtretenden EKT-Verwaltungsratspräsidenten Rainer Sigrist bekräftigt.

Hintergrund des Ultimatums sind die seit über zehn Jahre laufenden Diskussionen um eine Verlegung des EKT-Hauptsitzes, den das Energieunternehmen seit genau 100 Jahren in Arbon hat. Die Standortfrage ist zu einem Politikum geworden, weil die Arboner 2001 bei der SN Energie Aktienkapital zeichneten und seither den Strom von ihr beziehen – genau gleich wie die Romanshorner.

Wegzug wäre verheerend

Die EKT-Spitze fühlte sich vor den Kopf gestossen und spielte in der Folge wiederholt mit dem Gedanken, Arbon zu verlassen. Zuletzt war die Rede davon, die Aktivitäten des Unternehmens aus wirtschaftlichen Gründen in Sulgen zu konzentrieren.

Im Arboner Stadtparlament schlug die Ankündigung hohe Wellen. «Ein Wegzug wäre verheerend», sagte Stadtrat Patrick Hug in seiner Funktion als interimistischer Stadtpräsident im Oktober 2012. Das EKT sei einer der wichtigsten Steuerzahler und mit 64 Stellen bedeutender Arbeitgeber. Der Stadtrat werde darum alles tun, das EKT zu halten.

Mit Erfolg: Der Regierungsrat erteilte den entsprechenden Absichten der EKT-Verantwortlichen im Januar 2013 eine Absage – zumindest vorläufig. Der Entscheid war an die Bedingung geknüpft, dass die Arboner innerhalb von vier Jahren wieder mit dem EKT ins Geschäft kommen. Mehr als die Hälfte der Frist ist mittlerweile abgelaufen. Es bleiben noch eineinhalb Jahre Zeit.

Abkehr kein strategisches Ziel

Das Ultimatum scheint den Verantwortlichen in Arbon keinen grossen Eindruck zu machen. Sich wieder ans EKT zu binden sei im Moment kein strategisches Ziel, sagte vor ein paar Wochen Alfred Näf, der mittlerweile zurückgetretene Verwaltungsratspräsident der Arbon Energie AG. Daran hat sich nach Aussage von Geschäftsführer Silvan Kieber bis heute nichts geändert. «Die Abkehr von der SN Energie würde derzeit aus wirtschaftlicher Sicht keine Vorteile bringen.» Zudem bestehe bereits eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem EKT. Es sei Zweitenergielieferant mit einem Anteil von bis bis 10 Prozent. «Unser Angebot ist attraktiv, und wir beziehen unsere Energie zu marktfähigen Preisen», sagt Kieber weiter. «Wir haben eine schlanke Organisation und sind wettbewerbsfähig.» Mit der Bindung an die SN Energie mit ihrem Portfolio sei die Arbon Energie gerüstet für die Zukunft. «Unser Bedarf ist derzeit mit <eigener> Produktion gesichert.»

Schläpfer gibt sich gelassen

Auf bestehende Partnerschaften verweist auch Stadtpräsident Andreas Balg, der mittlerweile das Verwaltungsratspräsidium von Näf übernommen hat. Auch er sagt: «Wir arbeiten schon heute mit dem EKT zusammen.» Es gehe darum, die Energiezukunft gemeinsam zu gestalten. Das EKT sei beispielsweise beim Projekt der Regionalplanungsgruppe dabei, das eine Energieregion Oberthurgau zum Ziel habe. «Wir werden sehen, was in den nächsten beiden Jahren dabei herauskommt», sagt Balg. Klar ist: Eingriffe der Politik in die unternehmerische Freiheit würden im Widerspruch zur laufenden Liberalisierung des Strommarktes stehen. Nebst Arbon und Romanshorn haben mittlerweile verschiedene Endverteiler dem EKT den Rücken gekehrt.

Regierungsrat Schläpfer nimmt die Situation gelassen. «Ich sehe keinen Anlass, dass der Regierungsrat vor Ablauf der Frist etwas unternehmen sollte.»

Silvan Kieber Geschäftsleiter Arbon Energie AG (Bild: pd)

Silvan Kieber Geschäftsleiter Arbon Energie AG (Bild: pd)

Kaspar Schläpfer Regierungsrat (FDP) Kanton Thurgau (Bild: Reto Martin)

Kaspar Schläpfer Regierungsrat (FDP) Kanton Thurgau (Bild: Reto Martin)