ARBON: Weg aus der Sackgasse tut sich auf

Mehrere Fliegen will die Stadt beim Friedhof mit einer Klappe schlagen. Neu soll nur noch ein Werkgebäude für die Wartung erstellt werden. Mit dem baufälligen alten Friedhofsgärtnerhaus könnte ein Schandfleck bald verschwinden.

Max Eichenberger
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Unterhalb der Nahwärmezentrale soll das Werkgebäude gebaut werden. Im Hintergrund die Friedhofsmauer. (Bild: Max Eichenberger)

Unterhalb der Nahwärmezentrale soll das Werkgebäude gebaut werden. Im Hintergrund die Friedhofsmauer. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Es ist eine Geschichte, die fast schon halb so lang ist wie ein Menschenleben, woran die Gräber auf dem Friedhof erinnern. Eigentlich sollte gegenüber, an der Rebenstrasse, schon längst ein neues Werkgebäude für die Friedhofswartung mit Wohnhaus stehen. Ursprünglich bestand gar die Absicht, das alte Friedhofsgärtnerhaus zu sanieren. Dies, als dort das Ende der Ära Lerch nahte. Entsprechende Zusicherungen hat die Stadt gegenüber den Nachfolgern schon vor deren Antritt abgegeben. Doch passierte dann nichts.

Erstes Projekt Makulatur

Eine Zeitlang wohnten die neuen Friedhofswarte im Haus. Irgendwann nahmen sie anderswo Wohnsitz. In all den Jahren verlotterte das Haus zusehends. Hütten auf dem Areal wurden weiter für betriebliche Zwecke und Lager, so für Särge, genutzt.

Einen Kredit von 996 000 Franken für ein neues Wohnhaus mit Werktrakt hiessen die Arboner vor sechs Jahren an der Urne gut. Bald hatte sich bei Detailberechnungen herausgestellt, dass das Projekt einiges teurer zu stehen käme.

2012 entschied der Stadtrat, das vom Volk bewilligte Vorhaben nicht zu realisieren. Er erklärte es zu Makulatur. Zum einen wegen der Mehrkosten. Zudem hatte sich die Wohnsituation bereits vorher geändert. Ein Wohnsitz der Friedhofswartung vor Ort wurde nicht mehr als zwingend vorausgesetzt.

Jetzt Werkgebäude solo

Neu in den Vordergrund rückte die Realisierung eines Werkgebäudes solo. Ein solches ist angesichts der unzulänglichen Provisorien umso berechtigter und dringlich. Ein Baucontainer dient dem Personal als Betriebszentrale: vorübergehend auf einem westlich an den Friedhof angrenzenden Areal. Später musste dieser dann hinter das verfallende Friedhofsgärtnerhaus gezügelt werden. In diesem engen Container kommen Bestattungs- und Transportaufträge herein. Er ist auch Umkleide- und Besprechungsraum. Als Standort für den Bau des Werkgebäudes rückte 2012 die stadteigene Parzelle im Eck Reben-, Weinbergstrasse, direkt angrenzend an den Friedhof, in den Fokus – bei der Nahwärmezentrale von Arbon Energie AG. Inzwischen hatte nämlich der Kanton mit einem Rekursentscheid den Weg für eine rechtskräftige Umzonung der Parzelle in die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen geebnet.

Nochmals vors Volk

Dorthin soll jetzt das neue Werkgebäude zu stehen kommen. Projektiert hat es das Architekturbüro Brun & Portmann, welches bereits das erste abgeschriebene Projekt erarbeitet hat. Dem Parlament legt der Stadtrat dafür nun einen Kredit von 670 000 Franken vor. Dazu wird das Parlament am 20. September eine Kommission bilden, die das Geschäft behandeln wird.

Weil es nichts mehr mit dem vor sechs Jahren bewilligten Projekt gemein hat und auch der Standort neu ist, soll das Volk über das neue Vorhaben abstimmen können. Das beantragt jedenfalls der Stadtrat.

Von Teilverkauf profitieren

Das angestammte Areal wird nicht mehr benötigt. Darum ist dort ein Streifen zur Rebenstrasse hin ausgeschieden worden, um Parkplätze zu erstellen. Damit kann das Parkplatzproblem bei Abdankungen zumindest entschärft werden.

Den übrigen Teil der Parzelle (1118 Quadratmeter), wo das «baufällige und einsturzgefährdete» Friedhofsgärtnerhaus als Abbruchobjekt noch steht mitsamt den Annexschuppen, möchte der Stadtrat «als guter Standort für ein Einfamilienhaus» veräussern. Das könnte der Stadt einen Verkaufserlös von 560 000 Franken einbringen. Damit verschwände der «Schandfleck» – und könnte das neue Werkgebäude teilweise quersubventioniert werden.

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