ARBON: Viele hängen am «Metropol»

Das Hotel Metropol rührt die Volksseele: Eine Interessengemeinschaft findet grosse Gefolgschaft für ihre Resolution, den Erhalt des Baus zu erwirken. HRS plant eine vierzig Meter hohe Überbauung. Der Stadtrat hat ein drittes Gutachten in Auftrag gegeben.

Max Eichenberger
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Grossaufmarsch im «Metropol» für das «Metropol»: 130 Versammlungsteilnehmer verabschieden eine Resolution. (Bild: Max Eichenberger)

Grossaufmarsch im «Metropol» für das «Metropol»: 130 Versammlungsteilnehmer verabschieden eine Resolution. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Einen derart grossem Zulauf haben Andrea Vonlanthen und seine Mitstreiter von der IG Pro Metropol nicht erwartet. 140 Personen strömten in das Viersternehotel, das sie vor einer Überbauung durch HRS retten wollen. Zwei vierzig Meter hohe Türme, die HRS mit dem Projekt «Riva» auf dem Metropol-Areal plant, wollen sie schon gar nicht. Das vertrage dieser Ort mit der Seeuferpromenade nicht.

Diese Türme würden die geschützte Uferzone verschandeln, meint Erica Willi. Die Arboner und die Steinacher Bucht seien als Rastplätze für Wasservögel im Inventar der Schutzgebiete von nationaler Bedeutung aufgeführt. Zur Promenade gehöre das Hotel Metropol, das 1963/64 optimal in die Seeuferlandschaft eingepasst worden sei und trotz seiner relativen Grösse «erstaunliche Leichtigkeit, weltmännische Eleganz und Ferienstimmung» zugleich ausstrahle. Für viele Arboner sei das «Metropol» «Wahrzeichen und Bijou».

Architektonisch gehöre der formal durchdachte Betonbau von schiffsähnlicher Erscheinung zu den wichtigsten modernen Bauten in Arbon und im Thurgau der Sechzigerjahre, sagt IG-Mitglied und Architekt Kurt Sonderegger: «Es gilt, diesen Zeitzeugen unter Schutz zu stellen und zu erhalten – und zu verhindern, dass die geplanten <Riva>-Türme die Uferlinie verschandeln.»

Vollzug des Schutzes würde einen Riegel schieben

Vor neun Jahren noch plante die Genossenschaft Migros Ostschweiz als Besitzerin und Betreiberin des Hotels wegen dessen wirtschaftlich «kritischer Grösse» neben der Sanierung des bestehenden Trakts eine Erweiterung. Das Siegerprojekt war erkoren, der Entscheidantrag zur Auslösung des 33-Millionen-Projekts lag schon beim Verwaltungsrat. Doch dann krebste die Migros-Spitze zurück, liess das Projekt fallen und konzentrierte sich auf den Säntispark in Abtwil.

Im Juni 2011 wurde die Veräusserung des Areals an HRS publik – knapp ein Jahr bevor HRS das Saurer WerkZwei erwarb. Die Überschreibung sollte erfolgen, wenn ein baubewilligtes Projekt vorliegt. Das ist üblich, wenn ein Investor ein Areal entwickelt. Im Grundbuchamt ist daher immer noch die Migros als Besitzerin eingetragen. Der Gestaltungsplan für das HRS-Überbauungsprojekt Riva liegt noch immer beim Kanton. Zunächst muss noch die Schutzwürdigkeit des «Metropol» abgeklärt werden, erinnert Sonderegger. So lange könne kein Gestaltungsplan genehmigt werden und sei «der Riegel geschoben». Das «Metropol» ist im Schutzplan der Stadt Arbon zwar nicht als geschütztes Objekt aufgeführt; dieser Plan ist aber trotz Zustimmung der Arboner an der Urne im November 2014 noch nicht genehmigt und deshalb nicht rechtsverbindlich. Denn einige Trümpfe glaubt die IG Pro Metropol noch in der Hand zu haben, worauf der Vorstand mit Vonlanthen, Sonderegger, Willi und Lukas Auer hingewiesen hat: So sei das «Metropol» im Hinweisinventar der Denkmalpflege als «bemerkenswert nach 1959» eingestuft, was den Schutz-Vollzug nahelege. Zudem figuriere der Ufergürtel im Inventar der geschützten Ortsbilder der Schweiz (Isos). Das erlaube kein verdichtetes Bauen. Zudem empfehle eine Studie von 2009, die vom Stadtrat zur Beurteilung der ersten Breitehof-Projektstudie selbst in Auftrag gegeben worden war, dass dort am See nicht hoch gebaut werden dürfe. Den Projektwettbewerb habe HRS ohne Hinweis auf die Rahmenbedingungen lanciert, wirft Sonderegger HRS vor, der selber nichts gegen hohe Bauten vorbringt – «aber nicht an diesem Ort». Eine Intervention, diese ins Saurer WerkZwei zu setzen, sei vom Stadthaus damals so quittiert worden, dass es bei dem fortgeschrittenen Planungsstand dafür zu spät sei.

Allenfalls bis ans Bundesgericht

Zum «Metropol» liegen Sonderegger zufolge zwei Gutachten vor: das eine von der Denkmalpflege, das für den Erhalt plädiere. Das HRS-Gutachten komme zu einer gegenteiligen Schlussfolgerung. Nun habe die Stadt Arbon ein Obergutachten bei einem deutschen Professor in Auftrag gegeben. Je nach Empfehlung werde die IG die Eidgenössische Heimatschutzkommission anrufen. Selbst den Weg ans Bundesgericht behält man sich vor.

Der jetzige Pächter Sami Debbabi, dessen Vertrag für einen Übergangsbetrieb Ende Oktober definitiv ausläuft, bestätigte zwar, dass es «klaren Sanierungsbedarf» gebe, sagt Andrea Vonlanthen. Die IG will darauf hinwirken, dass das Hotel saniert und in ein neues Hotelprojekt einbezogen wird. Dies wird in einer an den Stadtrat und an HRS gerichteten Resolution festgehalten (siehe Kasten).

Aus der Versammlung wurde der Vorwurf der Intransparenz von Abmachungen und Abhängigkeiten, Deals und Verträgen erhoben – und auch kritisiert, wie das Verfahren der Zonendefinition angedacht worden ist, um ein solches Grossprojekt («Riva») darauf abstützen zu können. Die Rolle der Migros, die vor allem viel Geld aus dem Verkauf habe lösen wollen, wurde ebenso kritisch hinterfragt. «Das war wohl sicher nicht im Geist von Gottlieb Duttweiler.»