ARBON: Verworfen und neu aufgegleist

Vor drei Jahren hat sich das Parlament gegen eine Demenzstrategie ausgesprochen. Jetzt soll Arbon aber Pilotgemeinde für ein neues integrierendes Projekt werden. Der Kanton trifft erste Abklärungen.

Tanja von Arx
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Diese ältere Dame, die an Demenz erkrankt ist, wünscht sich zu Hause bleiben zu können. (Bild: Urs Bucher)

Diese ältere Dame, die an Demenz erkrankt ist, wünscht sich zu Hause bleiben zu können. (Bild: Urs Bucher)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Der Weg durch das Hintertürchen scheint gefunden. Vor knapp drei Jahren sprachen sich die Arboner gegen eine Demenzstrategie aus (siehe Kasten). Jetzt nimmt aber der Kanton die Fäden in die Hand. Im aktuellen Geriatrie- und Demenzkonzept schreiben die Verantwortlichen: «In der mit Soziallasten stark betroffenen Region Arbon soll von 2016 bis 2020 ein Pilotprojekt finanziert werden, das Anlaufstelle, Drehscheibe und Demenzberatung integriert.»

«Wollen den Gang ins Pflegeheim verhindern»

Auf Nachfrage bei der kantonalen Stelle heisst es, in diesem Monat werde ein Projektauftrag erarbeitet. Die stellvertretende Chefin des Amtes für Gesundheit, Susanna Schuppisser, sagt, dass im Anschluss eine Arbeitsgruppe mit der Umsetzung des Konzepts betraut werde. Ziel sei es, den Gang ins Pflegeheim so weit als möglich hinauszuzögern oder gar zu verhindern. Bestehende Organisationen sollen sich als Gesundheitspartner koordinieren und Patienten gezielter betreuen, sagt Schuppisser. Die Alzheimervereinigung Thurgau etwa wird in Zusammenar­beit mit der Pro Senectute Infos betreffend Demenz abgeben, um Hemmschwellen abzubauen und Wissen in Umlauf zu bringen.

Dass der Kanton das Projekt erst jetzt angeht und nicht schon letztes Jahr, begründet Schuppisser mit der Prioritätensetzung. «Der Regierungsrat hat im September den Umsetzungsplan für 34 Massnahmen genehmigt.» Sie betont, dass es um das grösste Projekt gehe, das man in der Gesundheitsversorgung je gehabt habe. Zuerst sei man die Änderung der Spitallisten in Zusammenhang mit der Akutgeriatrie angegangen, danach die Änderung der Spitalliste in Zusammenhang mit der geriatrischen Rehabilitation. Die Schaffung der rechtlichen Grundlagen und diverser Leistungsaufträge habe Zeit in Anspruch genommen, sagt Schuppisser.

Jetzt soll es aber schnell vorwärts gehen. «Ziel ist es, das Projekt noch dieses Jahr zur Umsetzung zu bringen.» Bei realistischer Einschätzung dürfte es allerdings 2018 werden. «Wir müssen erst die Strukturen schaffen, bevor die Organisation an die Öffentlichkeit gelangen kann.» Die Betroffenen könnten heute schon die Pro Senectute aufsuchen, die Spitex oder den Hausarzt. Schuppisser sagt, dass es sich bei der Drehscheibe um eine Ergänzung der bestehenden Angebote handelt.

Stadtrat Hans Ulrich Züllig, der für das Ressort Soziales und Gesellschaft zuständig zeichnet, sagt auf Anfrage: «Wir werden informieren, sobald das Konzept spruchreif ist.»