ARBON: Tagesplätze sind noch ausbaufähig

Demenzkranke sollen nicht nur stationär in Heimen betreut werden. Auf ein breiteres Versorgungsangebot setzt man beim Kanton – auch auf Tagesheime. Über das Geriatrie- und Demenzkonzept soll die Regierung im Sommer beschliessen.

Max Eichenberger
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Am 28. Februar stimmt Arbon über die Initiative «Mehr Menschlichkeit und Solidarität für an Demenz erkrankte Personen und ihre Angehörigen» ab. (Bilder: Max Eichenberger)

Am 28. Februar stimmt Arbon über die Initiative «Mehr Menschlichkeit und Solidarität für an Demenz erkrankte Personen und ihre Angehörigen» ab. (Bilder: Max Eichenberger)

ARBON. «Die Menschen wollten auch im Alter, wenn immer möglich, zu Hause bleiben.» Dass das so ist, weiss Susanna Schuppisser, stellvertretende Chefin des Thurgauer Gesundheitsamtes. Dies könne länger gewährleistet werden, wenn mehr ambulante Entlastungsplätze zur Verfügung stünden: in Pflegeheimen selber – oder in privaten eigenständigen Tagesstätten. Der Bedarf danach sei grösser als das Angebot.

Susanna Schuppisser Stellvertretende Leiterin des Amtes für Gesundheit Thurgau (Bild: pd)

Susanna Schuppisser Stellvertretende Leiterin des Amtes für Gesundheit Thurgau (Bild: pd)

Bis jetzt erst drei im Thurgau

Tageseinrichtungen gibt es Schuppisser zufolge im Thurgau nur deren drei: Die «Oase» mit Standorten in Amriswil und Romanshorn mit je maximal vier Plätzen sowie das Tageszentrum Talbach in Frauenfeld mit sieben Tages- und vier Nachtplätzen.

Grundsätzlich kommt in der gesundheitspolitischen Doktrin ambulante vor stationärer Versorgung. Bei der stationären Pflege besteht, mindestens bis zum Beschluss des Regierungsrates über das zukünftig wegweisende Geriatriekonzept, ein Bettenmoratorium. Davon nicht betroffen sind Tagesplätze. Solche Plätze würden auf jeden Fall einem Bedürfnis entsprechen, sagt Susanna Schuppisser.

Mit den Kräften am Ende

Denn heute seien sich viele pflegende Angehörige und die Betroffenen selber zu wenig bewusst, dass Tagesplätze wirklich eine Entlastung sind. Nicht selten 24 Stunden eingespannte Angehörige hätten so zwischendurch willkommene Zeit, sich zu regenerieren und neue Kräfte sammeln. So könne ein definitiver Heimeintritt hinausgezögert werden. Nach ihrer Erfahrung, so Susanna Schuppisser, fragen Angehörige jedoch häufig zu spät nach solchen Entlastungsangeboten: «Dann, wenn sie – übrigens meist im gleichen Alter stehend wie die Betroffenen selber – bereits mit ihren Kräften am Ende sind und damit keine andere Lösung mehr besteht, als die kranken Menschen in stationäre Pflege-Obhut zu geben.»

Ambulante Versorgung ausbauen

Der Ausbau der ambulanten Versorgung von an Demenz erkrankten Menschen sei daher grundsätzlich unbestritten. Solche temporären Angebote böten im Thurgau das Rote Kreuz an sowie der Entlastungsdienst Thurgau (früher Familienentlastungsdienst). Pflegeheime bieten ebenso die Möglichkeit für Kurzaufenthalte. Das Geriatrie- und Demenzkonzept stipuliert, wenn es denn auf Wege kommt, zudem unabhängige, den Pflegeheimen gleichgestellte Einrichtungen für Tagesaufenthalte.

Kulant bei Bewilligungen

Dafür gibt es allerdings Bewilligungsvoraussetzungen: geregelt sind diese in den «Weisungen betreffend die Bewilligung und den Betrieb von Einrichtungen für pflegebedürftige Menschen». Tages- und Nachtplatz-Angebote gelten im Sinne des Krankenversicherungsgesetzes als ambulante Leistungen. Fachlich ausgebildetes Personal hat sich um die Menschen zu kümmern, damit erbrachte KVG-pflichtige Pflegeleistungen abgerechnet werden können. Anforderungen bestehen zudem an die Infrastruktur. Einrichtungen mit bis zu vier Plätzen, wie dies die «Oase» bietet, sind durch die Gemeinde zu bewilligen. Diese hat auch die Aufsichtspflicht. Bewilligungsinstanz für Tagesheime ab fünf Plätze ist das Departement für Finanzen und Soziales des Kantons (DFS). Um eine Betriebsbewilligung zu erlangen, sind die vorgegebenen rechtlichen Bedingungen einzuhalten.

Dabei verfahre das DFS «relativ kulant», sagt Susanna Schuppisser. «Es muss nicht gleich ein ganzer Businessplan eingereicht werden.» Nachzuweisen ist von der Trägerschaft die Finanzierung. Tagesheime seien so Pflegeheimen grundsätzlich gleichgestellt – und Schuppisser zufolge «gleich lange Spiesse gegeben». Pro Platz und Tag hat die Gemeinde 60 Franken zu zahlen. Bei den Kassen müssen die Betreiber eine Abrechnung beantragen; der Anspruch sei aber grundsätzlich gegeben. Mindestbeiträge seien in der KVG-Verordnung festgelegt.

Startfinanzierung «ein Thema»

Eventuell müssen sich Träger, je nach Konzept, Grundkosten wie Miete, die unterschiedlich hoch sein können, oder Auslastung noch andere Finanzquellen erschliessen, um die Kosten decken zu können. «Wie die Finanzierung sichergestellt wird, ist projektabhängig», sagt Schuppisser. Eine Startfinanzierung sei sicher ein Thema, bis ein Betrieb einmal angelaufen und eine Grundauslastung erreicht ist.

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