ARBON: Strukturen wichtiger als Geld

Die Stadt mache viel, um die Integration ihrer ausländischen Wohnbevölkerung zu fördern, sagt der Stadtrat. Im Bereich der erwachsenen Migranten könnte man mehr tun, tönt es hingegen aus der SP-Fraktion.

Max Eichenberger
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Integrationsfördernd: Das Kulturenfest Arbon am Saurer-Quai, das alljährlich im Vorsommer stattfindet. (Bild: Max Eichenberger (25.5.2013))

Integrationsfördernd: Das Kulturenfest Arbon am Saurer-Quai, das alljährlich im Vorsommer stattfindet. (Bild: Max Eichenberger (25.5.2013))

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

 

Der Oberthurgau fährt einen Sonderzug bei der Integrationsarbeit. Die Aufgaben werden von den einzelnen Gemeinden – mehr oder weniger – wirksam geleistet. Was aber fehlt: ein regionales Kompetenzzentrum im Bezirk Arbon, wie sie in anderen Kantonsteilen bestehen.

Dieser Zustand ist nicht unbedingt im Sinn von Felix Heller – und wirft beim SP-Faktionsmitglied Fragen auf, mit denen er den Stadtrat konfrontiert. Zum Beispiel, ob er die Mittel für ausreichend halte, um die wichtige Integrationsaufgabe zu erfüllen, zu der die Gemeinden gesetzlich angehalten sind. Und ob es nicht vorteilhafter wäre, diese Aufgaben im Verbund effizienter wahrzunehmen – eben: über die Schaffung eines solchen regionalen Kompetenzzentrums.

Bezirkshauptort hat Anstoss gegeben

An Arbon soll es nicht liegen, nimmt der Stadtrat Hellers Zuspiel auf. Man habe nämlich schon viel unternommen, um die drei Fachstellen in den Städten Arbon, Romanshorn und Amriswil unter ein Dach zu bekommen. Immerhin hätten die bisherigen Bemühungen dazu geführt, dass eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Regionalplanungsgruppe Oberthurgau gebildet worden ist. Diese skizziere nun «mögliche Organisationsformen für ein gemeinsames Kompetenzzentrum Integration».

So soll der gegenseitige Austausch und die Spezialisierung gefördert werden. Vom Kanton wird die Arboner Fachstelle aktuell mit jährlich 16500 Franken subventioniert.

Für Interpellant Heller steht zwar ausser Zweifel, dass die Arboner Schulen intensiv und erfolgreich Integrationsarbeit leisten. Für die erwachsenen Mi­granten könnte allerdings mehr getan werden, findet das SP-Fraktionsmitglied – und schielt etwas neidvoll nach Romanshorn. Das sieht der Stadtdrat nicht so, der sich auf das 2009 verabschiedete Migrationskonzept stützt – und auf zahlreiche laufende Projekte verweist. Teils sind es eigene, wie die freiwillige Sozialberatung, die Asylbetreuung oder das Ausländernetz (Interkulturvermittlung); teils laufen sie über Dritte und mit Subventionierung durch die Stadt, wie das Sprachunterrichtsprogramm Heks in-fra oder «Femmes-Tisch» (Perspektive Thurgau).

Im Verbund mit den Schulen und der Spielgruppe ist das Projekt «Frühe Förderung» angelaufen. Dieses bezweckt, Kinder aus Migrationsfamilien und bildungsfernen Schichten beim Übergang in die Regelschule zu fördern. Gleichzeitig bindet es deren Eltern mit ein. Eine verantwortungsvolle Rolle übernehme die Stadt überdies, indem auf ihrem Gemeindegebiet zwei kantonale Durchgangsheime durch die Peregrina-Stiftung geführt werden: an der St. Gallerstrasse 99 und, seit Dezember 2016, für vorläufig zwei Jahre an der Romanshornerstrasse 44, im früheren evangelischen Alters- und Pflegeheim.

Weniger Jugend-, dafür mehr Migrationsarbeit?

Dann finanziert die Stadt die Stellen des Vereins Kinder- und Jugendarbeit, der mit seinen zumeist drittfinanzierten Projekten stakt in der Integrationsarbeit tätig ist. Es laufen in Arbon zudem Projekte auf freiwilliger Basis, die Integration zu fördern. Neben dem Kulturenfest, das sich etabliert hat, gibt es seit gut einem Jahr das «Café international». Jeden Dienstagnachmittag treffen sich im Coop-Restaurant Migranten und Einheimische zum Kulturaustausch. Und bald wird sich – wie in Romanshorn – auch in Arbon ein «Chor ohne Grenzen» regelmässig zum Singen treffen. Ziel müsse es in diesem Bereich sein, selbsttragende Strukturen aufzubauen.

Wegen knapper Finanzen hält es der Stadtrat ohnehin nicht für opportun, Stellenprozente im Ressort Gesellschaft aufzustocken. Es könne aber sein, dass die Ressourcen der Kinder- und Jugendarbeit mehr Richtung spezifischer Migrationsarbeit verlagert würden.