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ARBON: Spiel auf Zeit am See

Eigentlich müsste der Gastronom einen Wetterschutz-Pavillon rückbauen, den er ohne Bewilligung erstellt hat. Er hat rekurriert. Der Heimatschutz will auch den zweiten Pavillon weg haben, den die Stadt duldet.
Max Eichenberger
Die Pavillon-Konstruktion im freien Gelände muss gemäss Stadtratsentscheid rückgebaut werden. Der Gastronom wehrt sich. Der Heimatschutz will noch weitergehen. (Bild: Max Eichenberger)

Die Pavillon-Konstruktion im freien Gelände muss gemäss Stadtratsentscheid rückgebaut werden. Der Gastronom wehrt sich. Der Heimatschutz will noch weitergehen. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Noch herrscht der Spätwinter. Und kaum jemand, der an den bizarren Eisgebilden vorbei der Seepromenade entlang schlendert, denkt schon an das kühle Bier in der Gartenwirtschaft des Roten Kreuzes in der milden Frühlingssonne. Aber schon in einem Monat, am 1. April, startet der Gastrobetrieb an der Arboner Seepromenade in die Saison.

Dann werden die beiden pavillonähnlichen Sonnen- und Regenschutzkonstruktionen, die der Eigentümer und Betreiber des Gastwirtschaftsbetriebes zunächst ohne Baubewilligung erstellt hatte, noch stehen. Dabei müsste der Pavillon im offenen Bereich ausserhalb des Kastaniengartens eigentlich rückgebaut werden. So hat es der Stadtrat Ende November entschieden.

Der Pavillon steht immer noch

Als Teil des auf Aufforderung hin nachträglich eingereichten Baugesuches hatte der Stadtrat die Pergola in der baumbestandenen Gartenwirtschaft bewilligt. Sozusagen im Sinne eines Kompromisses. Mit der Begründung, im Kastaniengarten, der 108 Gästesitzplätze bietet, wirke die Konstruktion kaum störend. Dort habe man dem Gastronomen «eine zeitgemässe Beschattung zugestanden».

Hingegen sei die zweite Pergola gegen die Schlosswiese hin wieder abzubrechen. Ebenso die dort stehende Hüttenbar, die vor rund zehn Jahren ebenfalls ohne Bewilligung hingestellt worden war. Der Stadtrat machte Ortsbildschutzgründe geltend. Zudem bestehe «keine betriebliche Notwendigkeit».

Der Heimatschutz will noch weitergehen

Seit dem Entscheid ist ein Vierteljahr verstrichen. Der Gastro-Unternehmer Gionatan Capuano sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, er spiele auf Zeit. Tatsächlich hat er innerhalb der zwanzigtägigen Frist Rekurs gegen die Rückbauverfügung erhoben. «Zurzeit läuft jetzt alles über meinen Anwalt», sagt Capuano.

Stadtrat Peter Gubser, der das Ressort Bau bei der Stadt führt, sagt, es laufen in der Angelegenheit zwei Rekurse – ohne die Rekurrenten zu nennen. Wie Recherchen zeigen, hat neben dem Betreiber Gionatan Capuano auch der dazu berechtigte Thurgauer Heimatschutz gegen den stadträtlichen Entscheid rekurriert. Allerdings in ganz anders gelagerter Absicht.

Der Heimatschutz will nämlich erwirken, dass auch die Sonnen- und Regenschutz-Pergola in der eigentlichen Gartenwirtschaft um die Kastanienbäume wegkommt und nicht bloss die Installation im freieren Gelände.

«In einer Freihaltezone nicht zulässig»

Der Gastronom habe schon mehrere rechtswidrige Bauten gemacht, sagt Gianni Christen, Geschäftsführer des Thurgauer Heimatschutzes. Capuano wisse genau, dass man dafür um eine Baubewilligung nachzusuchen hat. Dies nicht gewusst zu haben, sei eine fadenscheinige Schutzbehauptung. Materiell-rechtlich sei klar, so Christen: «In einer Freihaltezone sind solche Bauten nicht zulässig.» Deshalb müsse auch der Pavillon in der Gartenwirtschaft weg, «der dort massiv in den geschützten Bäumen steht», begründet er den Rekurs des Heimatschutzes. Er sei unverhältnismässig. «Das sind mehr als nur ein paar Stellen. Die Anlage stellt einen happigen Eingriff an einem geschützten Objekt dar.» Damit könne man auch nicht mehr von einer Gartenwirtschaft sprechen. Bei Bedarf genügten dort normale Sonnenschutzschirme.

Eine Duldung beziehungsweise nachträgliche Bewilligung könnte ein Präjudiz schaffen für die Sanktionierung anderer rechtswidrig erstellter Bauten, fürchtet Christen. Mit seinem Entscheid wollte offenbar der Stadtrat einen Mittelweg gehen. Das ginge bei weniger geringfügigen Eingriffen noch an – aber nicht hier, sagt Christen.

Gastronom will, dass Gäste keine nassen Köpfe bekommen

Demgegenüber will der Gastro-Unternehmer Gionatan Capuano gleich beide Pavillons stehen lassen – auch den, den er rückbauen müsste. Er sieht das Ganze weniger aus der rechtlichen denn der pragmatischen Warte. Denn schliesslich sei den Gästen gedient, wenn sie bei einem Regenschauer keine nassen Köpfe bekämen. Die Rekurse liegen beim Departement Bau und Umwelt (DBU). Das Verfahren läuft. Und unbeeindruckt wird Capuano im Roten Kreuz in die Saison starten – mit beiden Pavillons, wie sie jetzt dastehen. Ein Augenschein mit den Parteien und dem DBU hat noch nicht stattgefunden.

Es bestünden noch gewisse alternative Ideen, sagt der Betreiber. So könne man sich auch eine saisonale Bewilligung vorstellen und eine flexible, beschränkte Nutzung. Rein mal theoretisch. Denn technisch könnte man die Stahlprofil-Konstruktion in zwei Tagen demontieren; bis auf die Sockel. Man sei da im Gespräch.

Doch vorderhand ist für den Wirt im Roten Kreuz das primäre Ziel klar: den jetzigen Status quo zementieren.

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