ARBON: «Sparen tut leider auch weh»

Wegen der angespannten finanziellen Situation hat die Sek den Schulbus nach Freidorf eingestellt. Einige Eltern sind wütend. Ihre Kinder müssten lange warten, seien gehetzt und hätten sechs Kilometer Fussweg.

Tanja von Arx
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Alle Freidorfer Kinder ins Stacherholz zu schicken, ist nach Meinung der Behörde nicht immer möglich und auch nicht sinnvoll. (Bild: Ralph Ribi)

Alle Freidorfer Kinder ins Stacherholz zu schicken, ist nach Meinung der Behörde nicht immer möglich und auch nicht sinnvoll. (Bild: Ralph Ribi)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Sie werfen der Schulbehörde Rücksichtslosigkeit vor und die Rahmenbedingungen für die eigenen Entscheidungen porös zu machen. Eltern von Freidorfer Schülern, welche die Sek in Arbon besuchen, sind wütend. Vor zwei Jahren wurde der Schulbus abgeschafft. Weil die Jugendlichen nun mit dem öffentlichen Bus zur Schule gehen müssen, hätten sie bis zum Schulbeginn Wartezeiten von einer halben Stunde, auf dem mittäglichen Heimweg ein Gehetze und rund sechs Kilometer Fussweg. Und dann habe die Behörde den Schülern auch noch verboten, mit dem Töffli zu kommen.

Eine Aussprache brachte wenig

Ein Vater teilt via Leserbrief mit: «Die ‹Lösung›, im Gegenzug für ein Ostwind-Abo aufzukommen, wurde mit dem Versprechen verkauft, künftig alle Schüler dem nächstgelegenen Schulhaus Stacherholz zuzuteilen.» Doch einmal mehr sei man enttäuscht worden. Im Herbst 2016 habe es dann geheissen, das widerspreche dem strategischen Entscheid, in Arbon drei gleichwertige Schulzentren zu führen. Die Eltern wehrten sich, und es wurde ihnen eine Aussprache angeboten. Sie verlief aber nicht für alle Beteiligten zufriedenstellend. Der erzürnte Vater unterstellte dem Schulpräsidenten zuletzt Verständnislosigkeit. Er verweist in seinem Schreiben darauf, dass Kinder und Jugendliche wegen der grossen Distanz bis in die frühen 70er-Jahre nach Häggensch­wil und St. Gallen zur Schule gegangen seien. «Die Distanzen haben sich nicht geändert.» Und er verlangt, dass der Schulbus unverzüglich wieder eingeführt wird.

Schulpräsident Robert Schwarzer widerspricht. Er bedaure, dass das Angebot habe eingestellt werden müssen. Doch die Schulgemeinde stehe finanziell unter Druck, weshalb es keine andere Möglichkeit gegeben habe. Schwarzer zeigt auf, dass sich die Kosten pro Jahr auf bis zu 70000 Franken belaufen hätten. Es gehe um Steuergelder und deren haushälterischen Umgang. Er resümiert: «Sparen tut leider auch weh.» Trotzdem sei die Schulbehörde der Meinung, dass die jetzige Lösung vertretbar sei.

Der Stundenplan wurde angepasst

Schwarzer betont, dass die Schule für ein Abo aufkommen würde, während es für andere Gemeinden eine solche Lösung nicht gebe. Ausserdem sei das Schulhaus im Winter morgens für die Freidorfer Schüler früher offen. Mittags sei der Unterricht rechtzeitig fertig, und die Lehrer seien angehalten, nicht zu überziehen. «Wenn man zügig geht, ist der Bus gut zu erreichen.»

Hinsichtlich der Zuteilung zu einem einzigen Schulzentrum sagt Schwarzer, dass dies nicht immer möglich und auch nicht unbedingt sinnvoll sei. Mit einer Verteilung auf die anderen Schulzentren müsse in Einzelfällen auch Situationen Rechnung getragen werden, wo einweisende Schulen wegen vorhergehender Konflikte eine räumliche Trennung von Schülern empfehlen. Zentral sei bei der Zuteilung die Anzahl der im jeweiligen Schulzentrum geführten G- und E-Klassen. Da im Schulzentrum Stacherholz im Schuljahr 2017/18 nun zwei statt nur einer E-Klasse geführt werden, würden die Freidorfer Schüler diesem Zentrum zugeteilt. Zwei Gesuche um die Unterstützung der vorzeitigen Erteilung der Bewilligung zur Führung eines Mofas habe man unterstützt. Bewilligungsinstanz sei das kantonale Strassenverkehrsamt. Schwarzer: «Was möglich ist, das machen wir.»

Auch wenn die Herausforderung bleibe, so sei man mit den Finanzen auf gutem Weg. Wobei zum Beispiel die Steuereinnahmen und die Entwicklung der Schülerzahlen von der Schulbehörde nicht bestimmt werden könnten. Auftrag sei es, innert der vom Kanton vorgegebenen Frist den verbliebenen Bilanzfehlbetrag von 2,4 Mio. Franken abzutragen.