ARBON: Sie bekam vieles mit, schwieg aber wie ein Grab

Als Gastgeberin hat Anni Birmans eine Epoche im Restaurant Römerhof geprägt. Eben gerade neunzig Jahre alt geworden, denkt die Pensionärin im Pflegeheim Sonnhalden an die Römerhof-Zeit zurück.

Hedy Züger
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Anni Birmans war eine liebenswürdige Gastgeberin im «Römerhof» – mit einer akzeptierten gewissen Dominanz. (Bild: Hedy Züger)

Anni Birmans war eine liebenswürdige Gastgeberin im «Römerhof» – mit einer akzeptierten gewissen Dominanz. (Bild: Hedy Züger)

ARBON. Der «Römerhof» ist das meistfotografierte Restaurant, auch seine gepflegte Behaglichkeit und der museale Touch im Innern werden seit eh und je bewundert, die feine Küche ebenso. Ab etwa 1970 amtete Anni Birmans an dieser angesehenen Adresse als Wirtin und Köchin. Sie war der Aufgabe als Gastgeberin gewachsen, ihr Auftreten liebenswürdig, aber mit einer gut akzeptierten Dominanz. Am Stammtisch wurde vormittags über Aktuelles und Persönliches diskutiert, abends gab es ab und zu organisierte politische Treffen. Dem amtierenden Stadtpräsidenten wurde schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren ein ergrautes Haar gekrümmt, wenn die Ansichten divergierten. Wirtin Birmans bekam vieles mit – und schwieg. Am Donnerstag wurde sie im Pflegeheim Sonnhalden, wo sie seit 2015 wohnt, 90 Jahre alt.

Gastgeberin der holländischen Königsfamilie

Als Wildhauserin hatte die junge Anni im renommierten Hotel Alpenblick das Kochhandwerk erlernt. In jenen Zeiten weilte die holländische Königsfamilie regelmässig im winterlichen Toggenburg. Im «Römerhof» bedienten die Angestellten in der Thurgauer Werktagstracht. Die schmucken jungen Frauen sind Teil der Erinnerung an die Ära Birmans, weil sie sich geschmackvoll in den kulturellen Rahmen und altes Brauchtum einfügten. Vor ihrer Pächterzeit im «Römerhof» wirtete Anni Birmans im Café Eggmann, nach der Pensionierung kochte sie im Bürgerheim. Heute lässt sie sich zwar gerne umsorgen, sagt aber trotzdem: «Kochen und ein Restaurant führen, das möchte ich am liebsten jetzt noch.»