ARBON: Seesicht nicht erschlichen

Vierzig Millionen investiert die ZiK Immo AG in Bauprojekte im früheren Saurer-Fabrikareal im Städtli. Um die Baustellenzufahrt sicherzustellen, mussten unter anderem grosse Pappeln weichen. Reaktionen blieben nicht aus. Alles sei rechtens gelaufen, sagt die Stadt.

Max Eichenberger
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Im ZiK-Areal entstehen unter anderem eine Sammelgarage und ein Bürohaus. Zum See hin gibt es nun freie Sicht. (Bild: Max Eichenberger)

Im ZiK-Areal entstehen unter anderem eine Sammelgarage und ein Bürohaus. Zum See hin gibt es nun freie Sicht. (Bild: Max Eichenberger)

Es geschah sozusagen im medialen Schatten der Bündnerhof-Platane, für deren Erhalt eine Interessengruppe kämpft, im noch jungfräulichen Jahr: Am Seeweg zwischen Badi und Schlosswiese sind vier mächtige Pappeln aus dem vertrauten Bild verschwunden. Im Grenzbereich des ehemaligen Saurer-Industrieareals und dem städtischen Seeweg, wo vor der Aufschüttung bis Mitte des letzten Jahrhunderts die Seeuferlinie verlief, sind auch noch weitere Bäume entfernt worden.

Das eröffnet nun eine freie Durchsicht vom See her ins ehemalige Fabrikareal, das 2002 die ZiK Immo AG von Saurer erworben hatte . Und umgekehrt. Der Holzschlag hat so selbst den ehemaligen Miteigentümer Pablo Erat überrascht. Öffentlich ist die Baumfällung nicht angekündigt worden. Eine entsprechende Kommunikation hätte man aber vorab erwarten dürfen, obwohl die Bäume nicht im städtischen Schutzplan aufgeführt waren.

Stadt hat Information versäumt

Von der Umleitung des stark frequentierten Fuss- und Radweges, auf öffentlichem Grund, sind Spaziergänger und Velofahrer betroffen. Nicht nur diese fühlen sich vor ein Fait Accompli gestellt: «Je grösser das Projekt, desto kleiner die Lobby für Bäume. Still und leise, wenn es niemand sieht, verschwinden Pappeln für immer. Wo sind denn jetzt die Baumschützer?», macht SVP-Parlamentarier Reto Gmür seinem Ärger auf Facebook Luft. Stadtrat Peter Gubser räumt entschuldigend ein Versäumnis in der Information ein. Laut Konradin Fischer, Teilhaber der ZiK Immo AG und Miteigentümer des 35'000 Quadratmeter grossen Areals, sei die Fällung der Bäume im Rahmen der Bewilligung des Bauinstallationsplatzes gutgeheissen worden.

In den nächsten vier Jahren investiert die AG als Eigentümerin (neben Konradin Fischer zeichnen Heinz Nyffenegger und Karl-Heinz Restle als Teilhaber) weitere vierzig Millionen Franken in vier Um- und Neubauprojekte. Die Vorbereitungsarbeiten dafür seien angelaufen.

Dazu gehöre, neben dem Abbruch der Unterstation für die Wärmeverteilung, auch die Zufahrt zur Baustelle und zum In­stallationsplatz. Diese Zufahrt erfolgt von Norden her. «Wichtig war uns aus Sicherheitsgründen, den Verkehr zu entflechten. So haben wir die Zufahrten strikte getrennt», sagt Fischer. Die Erschliessung des Areals für Mieter, Kunden und Besucher erfolgt weiter über die Schlossgasse. Der Bauverkehr werde seeseitig über den Waschplatz abgewickelt.

Dies sei auch der Grund, weshalb man die Bäume entfernen liess. «Es waren zwar grosse Bäume, aber nicht hochwertige. Sie waren schon ziemlich brüchig gewesen.» Dass nun freie Sicht zum See besteht, sei ein sekundärer Effekt. Hinter der Massnahme hätte keine Überrumpelungstaktik gestanden, künftigen Wohnungsmietern einen ungehinderten Seeblick bieten zu wollen, versichert Fischer. Das bekräftigt auch Stadtrat Peter Gubser.

Lebensalter ohnehin fast erreicht

Die Fällung der vier Pappeln, einer Linde, zweier Birken habe zuvor die Grünraumkommission abgesegnet, betont Stadtgärtner Hans Zellweger. Die Pappeln hätten ihr Lebensalter ohnehin fast erreicht gehabt. Nun biete sich für die heutige Generation die Möglichkeit, eine neue Grüngestaltung zu planen. Einen grünen Saum werde es mittelfristig dort auch wieder geben, sagt Fischer.

Nur die gefällte Linde stand innerhalb des Gebietes des 2014 bewilligten Gestaltungsplans. Die vier Pappeln und zwei Birken, abgesetzt von der inzwischen eingerissenen Mauer, standen auf städtischem Grund, wie Stadtrat Peter Gubser erklärt.

Die Rodungszone ist, bezogen auf die Dimension der Zufahrt, relativ grosszügig festgelegt worden. Eine der gefällten Pappeln stand versetzt auf der Höhe des künftigen «Seehauses», worin ein Restaurationsbetrieb mit Terrasse geplant ist.