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ARBON: Pepi hat das Pferd gewechselt

Die Bündnerhof-Brache ist ein Ärgernis. Gegen die geschützte Platane kam der Bauherr nicht an. Erst ging er auf tutti, dann zog er den Rekurs zurück. Mit dem Projekt eines Mitglieds der Ortsbildkommission will er reüssieren.
Max Eichenberger
Neuer Anlauf beim Bündnerhof: Die geschützte Platane bleibt beim neuen Überbauungsprojekt unangetastet. (Bild: Max Eichenberger)

Neuer Anlauf beim Bündnerhof: Die geschützte Platane bleibt beim neuen Überbauungsprojekt unangetastet. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger

@thurgauerzeitung.ch

Vor nunmehr sechs Jahren hat Carmelo Pepi den Bündnerhof mit der zuletzt leer stehenden Arbeiterwirtschaft mit darüberliegenden Wohnungen beim Novaseta-Kreisel erworben. Ihm, so der neue Eigentümer, sei vor dem Kauf aus dem Stadthaus signalisiert worden, die gesamte Parzelle könne überbaut werden. Entsprechend habe er sich vor dem Kauf rückversichert.

Keine Carte blanche für den neuen Eigentümer

Eine Carte blanche, wie das Carmelo Pepi offenbar verstanden haben wollte, war dies aber nicht, stellte sich im nachhinein heraus. In zweifacher Hinsicht wurde der neue Eigentümer in seinem Überbauungseifer gebremst. Ziemlich krass bestätigte ein Augenschein: Die Liegenschaft mit der Arbeiterbeiz vor dem einstigen Industrieareal Novaseta/Saurer präsentierte sich zuletzt in einem baufälligen Zustand.

Trotz dieses Fakts wehrte sich die Denkmalpflege, nicht zuletzt wegen des soziokulturellen Hintergrunds, lange gegen einen Abbruch. Diesem hatte der Stadtrat dann trotzdem stattgegeben. Im Januar 2016 fuhren die Bagger auf. Sie haben den Bündnerhof dem Erdboden gleichgemacht.

In der Meinung jedoch, die ganze Parzelle für eine Überbauung nutzen zu können, eckte Carmelo Pepi indes an. Zwar hatte er das Baugesuch eingereicht. Der Bauherr in spe wurde jedoch zurückgepfiffen. Grund: die Platane, die dem Projekt im Wege stand.

Bau in dieser Dimension nicht bewilligungsfähig

Der über hundertjährige Baum ist im kommunalen Schutzplan der Naturobjekte aufgeführt. Eine Gruppe von Naturschützern hatte eine Petition lanciert. Über 1500 Personen unterschrieben sie. Für den Erhalt der Platane sprachen sich auch Anstösser aus. Von ihrer Seite richteten sich zudem Einsprachen gegen das «zu wuchtige Projekt» selber. Vor einem Jahr bestätigte der Stadtrat den Status der Platane auf der Bündnerhof-Parzelle im Schutzplan. Dies auf der Grundlage eines Fachgutachtens. Der beigezogene Experte hatte dem Baum eine «gesunde Vitalität» bescheinigt. Die Platane stelle auch kein Sicherheitsrisiko dar, wie das die Bauherrschaft behauptet hatte.

De facto bedeutete das: eine Überbauung in der geplanten Dimension kommt definitiv nicht in Frage. Abgesehen davon äusserten die Baubewilligungsbehörde und die Ortsbildkommission auch hinsichtlich städtebaulicher und architektonischer Qualität schwerste Bedenken. Der Stadtrat lehnte das Baugesuch Ende Januar 2017 denn auch konsequenterweise ab – selbst, nachdem das Projekt nochmals überarbeitet worden war.

Neuer Anlauf mit moderatem Projekt, neuem Architekten

Der Eigentümer wollte aus Frust zunächst die Brachparzelle verkaufen, besann sich dann aber anders. Er legte Rekurs gegen den Entscheid des Stadtrates ein. Trotz der klaren Ausgangslage war er zunächst nicht bereit, sein Bauvorhaben zu redimensionieren. Architekt Maurizio Balletta hatte die Vollmacht und den klaren Auftrag, mit dem bisherigen Projekt weiterzumachen. Von dritter Seite habe er dann erfahren, so Balletta, dass der Rekurs, hinter seinem Rücken, zurückgezogen und ihm offenbar das Mandat entzogen worden sei. «Anscheinend ist jemand anders dran.»

Stadtrat Peter Gubser erwähnte im Stadtgespräch im Januar im Schloss vor siebzehn (!) Besuchern, beim Bündnerhof tue sich etwas, es komme demnächst zu einer neuen Bauauflage. Offenbar hat Pepi, der gestern nicht erreichbar war, eingesehen, dass er beim Projekt Abstriche machen und um die Platane herum neu planen muss.

Landeigentümer Pepi hat zwischenzeitlich das Pferd gewechselt und Architekt Raphael Künzler kontaktiert, wie dieser bestätigt. Vor Jahren habe er sich, so Künzler, um einen Auftrag bei der Witzig-Liegenschaft bemüht, die Pepi gehört. Dieser hatte offenbar keine Kenntnis davon, dass Künzler in der Ortsbildkommission sitzt, die dem ursprünglichen Projekt wenig abgewinnen konnte. Zum Auftrag gekommen sei er nicht über die Ortsbildkommission, versichert Künzler.

Baugesuch wird nächste Woche eingereicht

Es sei übrigen klar, sagt Reto Tambini, Leiter der Abteilung Bau, der mit beratender Stimme in der der Ortsbildkommission mitwirkt, dass ein Mitglied in den Ausstand tritt, wenn er ein Mandat habe. Das werde auch bei Raphael Künzler und der Beurteilung seines Projektes, das er in Pepis Auftrag erarbeitet hat, der Fall sein. Das neue Baugesuch wird nächste Woche eingereicht.

Tambini weiss von «Lösungsvorschlägen, die bei der Nutzung der Bündnerhof-Parzelle in die richtige Richtung gehen». Statt eines Baukörpers übers Eck beim Kreisel (St. Galler-/Landquartstrasse) soll es neu zwei Bauten geben: einen Hauptbau dem Kreisel und der St. Gallerstrasse zugewandt – und eine kleinere Baute im hinteren Bereich des Areals.

Stadtrat Peter Gubser sagte gestern, er sei «gespannt darauf, wie das neue Projekt daher kommt». Raphael Künzler will der Bauauflage nicht mit Details vorgreifen. Maurizio Balletta seinerseits ist enttäuscht, dass Pepi ihn zweieinhalb Jahre lang zeichnen und konstruieren liess und er von Dritten erfahren musste, dass er ausgebootet worden ist.

Derzeit gehören mit Raphael Künzler und Roland Morgenegg zwei Architekten der Ortsbildkommission an. Kurt Sonderegger, der sich für den Erhalt des Hotels Metropol stark gemacht und damit in eine Gegenposition zum Stadtrat gesetzt hat, wollte man offenbar nicht mehr – offiziell aus Altersgründen. Als ausgewiesener Spezialist war er aber während seiner OBK-Zeit bei der Sanierung der Schloss-Fassade zum Zuge gekommen. Ansonsten findet Sonderegger Mandate von OBK-Mitgliedern heikel. Umgekehrt sagt er aber auch: «Der Ortsbildkommission kommt heute bei Entscheiden immer weniger Gewicht zu.»

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