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ARBON: Noch lange nicht Tabula rasa

Der Stadtrat hat zwar beschlossen, das «Metropol» nicht unter Schutz zu stellen. Widerstand ist angekündigt. So könnte es abermals Jahre dauern, bis der Trakt geschleift und ein Neubau hingestellt werden kann. Der Stadtpräsident präzisiert Aussagen, die irritiert haben.
Max Eichenberger
Unschöner Anblick und anhaltender Zustand: das eingezäunte Areal und das mit Bretterverschlag verbarrikadierte Hotelgebäude. (Bild: Max Eichenberger)

Unschöner Anblick und anhaltender Zustand: das eingezäunte Areal und das mit Bretterverschlag verbarrikadierte Hotelgebäude. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Eine über lange Zeit pendente Hausaufgabe, die der Kanton in seinem Vorprüfungsbericht zum Riva-Gestaltungsplan der Stadt auferlegt hat, hat diese jetzt erfüllt. Der Stadtrat hat bei der emotional aufgeladenen Schutzfrage einen Entscheid gefällt: Den Metropol-Hotelbau stellt er nicht unter Schutz (TZ 19.9.; 20.9.). Dies hat die Exekutive nach Bewertung der Zusatzgutachten mit einer Einzelverfügung beschlossen.

Mit der Zustellung des formellen Beschlusses an die beschwerdeberechtigten Verbände läuft eine zwanzigtägige Frist an. Während dieser Zeit können Rechtsmittel ergriffen werden. Laut Stadtpräsident Andreas Balg wird der Beschluss «finalisiert» und der Versand vorbereitet.

Gestaltungsplan später noch einmal auf dem Prüfstand

Was man schon weiss: Beschwerden – und als Ultima Ratio der Gang bis vor Bundesgericht – sind bereits angekündigt. Dass sich das Verfahren unabsehbar in die Länge ziehen könnte, damit rechnet auch Balg: «Vermutlich wird nicht so schnell rechtsverbindliche Klarheit geschaffen.» Hypothetisch, meint er, könnten drei bis fünf Jahre ins Land ziehen.

In diesem Lichte sei auch sein Hinweis zu verstehen, den er sowohl an der Informationsveranstaltung am Montag wie am Dienstag vor dem Parlament angebracht habe: der Gestaltungsplan und das Projekt müssten «überprüft» werden. Und zwar dann, fügt er auf Nachfrage an, wenn der Sachverhalt Nichtunterschutzstellung abschliessend und rechtsverbindlich klar sei.

Das werde dann aber wohl auch nicht der Stadtrat in seiner heutigen Zusammensetzung tun. «Je mehr Zeit ins Land streicht, je nötiger wird eine Überprüfung sein», sagt Balg. Und zwar unter den dannzumaligen Rahmenbedingungen, die sich zwischenzeitlich noch verändern könnten. Im aktuellen Kontext werde sich dann zeigen, «ob allenfalls noch Anpassungen vorzunehmen sein werden oder nicht».

Laut Balg untersteht der Gestaltungsplan ohnehin noch dem fakultativen Referendum. Die Haltung der Bevölkerung zum Projekt ist Balg und dem Stadtrat letztlich nicht gleichgültig.

Einen Verdacht, dass er und der Stadtrat mit der nicht konkretisierten Aussage einer «nötigen Überprüfung aufgrund aktueller Erkenntnisse» aus den Gutachten HRS dazu bewegen wolle, das Projekt Riva zu redimensionieren oder die «Metropol»-Parzelle anders zu überbauen, weist Stadtpräsident Andreas Balg von sich.

HRS sieht keinen Anlass, Abstriche machen zu müssen

Erklärungsbedarf hat auch HRS. Die Arealentwicklerin mit Sitz in Frauenfeld erkennt allerdings keinen Anlass, von ihrer Planung abzurücken: «Wir gehen heute davon aus, dass der Gestaltungsplan, so wie er eingereicht ist, und das Projekt Riva umgesetzt werden können», sagt Andreas Netzle. Der ehemalige Kreuzlinger Stadtpräsident ist seit August Leiter Marketing und Kommunikation bei der HRS Real Estate AG. Dort ist Netzle auch Geschäftsleitungsmitglied. «Wir haben viele Überlegungen angestellt, viel Herzblut und auch Geld in die Planung investiert. Unser Engagement im Werk Zwei und darüber hinaus zeigt, dass wir gute Lösungen für Arbon anstreben.» HRS begrüsse daher den «klaren Entscheid» des Stadtrates, das «Metropol» nicht unter Schutz zu stellen. Er beruhe «auf guten Grundlagen», betont der HRS-Kommunika­tionsleiter.

Dennoch: Ein Widerspruch schien am Infoanlass auf – und blieb unaufgelöst. Wenn die Gutachten dem Betrieb eines Hotels am See wirtschaftlich keine Chance einräumen, weshalb soll dann ein rückwärtig situiertes kleineres Hotel im «Werk Zwei» (so soll das Hotel heissen) mit 50 Betten rentieren? Das Metropol verfügt über 43 Hotelzimmer.

Ein Blick zurück zeigt: HRS plante als Kompensation des wegfallenden «Metropol» ein Hotel über den Gleisen neben dem Hamel. Dies insbesondere auf Wunsch und im Interesse der Stadt. Im Komplex sind zudem Dienstleistungsflächen und Wohnungen vorgesehen. Das Baugesuch liegt seit längerem bei der Stadt. Bei der Ausarbeitung des Hotelbetriebskonzeptes wirkte Eva Maron mit. Sie hat zwischenzeitlich sowohl die «Wunderbar» verlassen und ist auch aus dem Projekt «Werk Zwei» ausgestiegen. Gemäss Konzept soll es im «Werk Zwei» von Low-Budget- bis zu Businesszimmern Angebote für vier Zielgruppen bei insgesamt fünfzig Betten geben.

Riva und Hotel Werk Zwei sind ein Gesamtpaket

Ein Hotel wenigstens «in der zweiten Lage» zu projektieren, sei ein «Entgegenkommen an die Stadt» gewesen, betont Andreas Netzle. Dort ein Hotel zu realisieren, sei jedoch wirtschaftlich nur im Gesamtpaket mit der «Metropol»-Überbauung Riva möglich. Also mit der geplanten Ausnützung des Areals und dessen Premiumlage. «Man kann von einer Quersubventionierung des Hotels sprechen.» Darum hatte HRS-CEO Martin Kull vor zwei Jahren denn auch klar gemacht, dass das Hotel Werk Zwei nur realisiert werde, wenn HRS auch den Riva-Neubau mit Eigentumswohnungen wie geplant erstellen könne. Im Riva werde den Bedürfnissen der Stadt zudem noch Rechnung getragen, da dort eine grosse Gastronomie, ein öffentlicher Saal sowie zehn bis zwölf Hotelzimmer geplant sind, erinnert Netzle. Am «Metropol»-Standort ginge die Rechnung mit einem grösseren Hotel bei den zu erwartenden Auslastungszahlen nicht auf, hatte HRS analysiert. In der tragenden Geschäftskundschaft wurde nicht das dafür nötige Potenzial erkannt.

«Metropol» dürfte noch eine Zeit lang stehenbleiben

Bis die Verfahren «Metropol»/Gestaltungsplan definitiv abgeschlossen sind, bleibt das schon vor einiger Zeit eingereichte Baugesuch Hotel Werk Zwei im Stadthaus einstweilen in der Schublade. Wegen wechselseitiger Abhängigkeiten der Projekte sei keine Eile geboten, sagt Stadtpräsident Andreas Balg. So wie sich die Verfahrenslage präsentiert, dürfte auch das «Metropol»-Gebäude noch längere Zeit stehen bleiben. Denn: ein Abbruch kann erst erfolgen, wenn eine rechtskräftige Bewilligung für einen Ersatzneubau vorliegt.

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