ARBON: Niemand für One-Man-Show bereit

Die Zeit der stark belasteten präsidialen Einzelkämpfer in den Arboner Parteien ist vorbei. Neuerliche Rücktritte und die Erfahrungen zeigen es: Nur mit neuen Modellen und breiterer Abstützung lassen sich Führungschargen noch besetzen.

Max Eichenberger
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Die personellen Ressourcen der Ortsparteien sind nicht mehr, wie sie einmal waren. Beim Versand der Wahlpost spannt man zusammen. (Bild: Max Eichenberger)

Die personellen Ressourcen der Ortsparteien sind nicht mehr, wie sie einmal waren. Beim Versand der Wahlpost spannt man zusammen. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Nicht nur im Stadtparlament, auch in den Parteiführungen kommt es zu Wechseln. Ein Präsidium ist heute mehr Bürde als Würde – also ziemlich arbeitsaufwendig. Dann insbesondere, wenn die Strukturen noch althergebracht so sind, dass die Person an der Parteispitze den Karren alleine zu ziehen hat. Und die Aufgabe mitunter zudem emotional herausfordernd ist, die Schäfchen bei unterschiedlichen Persönlichkeiten, Ambitionen und Engagements beieinander zu halten.

Ressourcen knapper geworden

Umgekehrt sind die Parteigänger und vor allem ohnehin schon engagierte Mandatsträger froh, die Parteiführung in anderen Händen zu wissen. Denn auch die personellen Ressourcen sind in den letzten Jahren knapper geworden, die Bereitschaft, in einer Partei aktiv mitzumachen, geringer. Gesellschaftlich bedingt. Das zeigt sich nur schon vor Wahlen in der oft mühevollen Suche nach Kandidaten, um die Wahllisten zu füllen.

CVP: Der jüngste Rücktritt

Nach drei Jahren an der Spitze der CVP gibt nächsten Montag Philipp Hofer ab. Der damalige Wirtschaftsstudent und Sohn des früheren CVP-Stadtrates Markus Hofer war der jüngste Parteipräsident. Er, der dann auch ins Parlament gewählt worden war, hat die CVP sehr aktiv und auch auf Publikumswirkung bedacht geleitet. Seine Präsenz an beiden Fronten hat er zurückgefahren. Dies zugunsten des Jobs, der ihn inzwischen bei der CS absorbiert. So musste die CVP bereits wieder Ausschau nach einem Nachfolger halten. Claudio Fortunato steht am Montag zur Wahl, die Formsache sein wird. «Zur Entlastung des Präsidiums haben wir diesen Frühling eine fünfköpfige Parteileitung gegründet», sagt Stadtrat Patrick Hug, der als Vorgänger von Philipp Hofer zehn Jahre lang der CVP vorgestanden hatte.

Entlastung wichtig

«Das Parteileitungsgremium installiert haben wir im Wissen darum, dass ein Präsident bisher mehr oder weniger ein Einzelkämpfer war und eine grosse Arbeitslast zu bewältigen hatte», so Hug. Dieses Gremium sei auch Bindeglied des Präsidiums zum Parteivorstand, zum Stadtrat und zum Parlament. Die Leitung nehme auch, insbesondere vor Wahlen und Abstimmungen, strategische Aufgaben wahr. Grundsätzlich stellt Patrick Hug fest, dass es immer schwieriger werde, geeignete Personen zu finden. «Die Parteien tun im eigenen Interesse gut daran, ihre Strukturen anzupassen.»

SP: Bewährtes Provisorium

Die SP hat notgedrungen ihre Aufgaben bereits auf mehrere Schultern in einem Co-Präsidium verteilt. Wiederholt hatte Bernhard Bertelmann angekündigt, das Amt ablegen zu wollen, ehe er dann mit dem Antritt des Postens als Kantonsbibliothekar ernst machte. Das war 2013. Seither hat sich die Provisoriumslösung mit einem fünfköpfigen präsidialen Vorstand (Bernhard Bertelmann, Peter Gubser, Lukas Graf, Sabine Schifferdecker, Carmelo Campailla) bewährt. «Es funktioniert gut so. Im Moment suchen wir nicht aktiv nach einem Präsidenten oder einer Präsidentin.» Der Vorstand halte regelmässig Sitzungen ab. Von Fall zu Fall würden die anstehenden Aufgaben verteilt.

SVP vor schwierigen Zeiten

Bei der SVP steht ein Sesselrücken an. Nicht nur hat die Ortspartei den Rückzug von Fraktionschef Andrea Vonlanthen aus dem Parlament zu verkraften. Mindestens zweimal hat Roland Schöni angekündigt, als Parteipräsident zurücktreten zu wollen. Jetzt macht auch er ernst – auf Ende Jahr, oder spätestens die Hauptversammlung 2017. Und beides wird die Partei schmerzlich spüren.

«Die Personalkommission wird jetzt dann aktiv werden», sagt Vizepräsident und Stadtrat Konrad Brühwiler. Und das gleich an zwei Fronten. Bis nach der Rückkehr Schönis nach dessen zweimonatigem Urlaub in der zweiten Hälfte Juni warte man zu. Mit ihm werde man das Gespräch suchen.

SMS nach Italien

Womöglich soll der erfahrenste SVP-Parlamentarier das Fraktionspräsidium von Andrea Vonlanthen übernehmen, der Ende Juni aus gesundheitlichen Gründen aus der Volksvertretung ausscheidet. Per SMS sei Schöni in Italien über den Rücktritt Vonlanthens, der in der Programmkommission bleibe, in Kenntnis gesetzt worden. Gemeldet hat er sich noch nicht. Brühwiler zeigt sich zuversichtlich, beide Chargen wieder besetzen zu können. «Wir haben den Vorteil, dass wir einen grossen elfköpfigen Vorstand haben.»

FDP: Ein Präsident, zwei Vize

Bei der FDP ist die Erneuerung an der Spitze vollzogen und seit einem Jahr Cyrill Stadler am Ruder. Seine Vorgängerin Silke Sutter Heer führte die Partei acht Jahre lang. Mit der Einbindung von Fraktionschef Max Gimmel und Martin Thalmann als Vizepräidenten sei die Führung jetzt «breiter abgestützt und gut organisiert», sagt Stadler: «Das Präsidium ist bei uns keine One-Man-Show.»

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