ARBON: Neuer Kopfschmuck fürs Rathaus

Nach einem verheerenden Brand schliesst das wiederaufgebaute Rathaus seit zwanzig Jahren die Lücke der städtischen Postkartenkulisse. Jetzt muss das Türmchen saniert werden. Die Witterung hat ihm zugesetzt.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Das Rathaus bleibt für zwei Monate eingerüstet. Die Schindeln des Türmchens sind verwittert. (Bild: Max Eichenberger)

Das Rathaus bleibt für zwei Monate eingerüstet. Die Schindeln des Türmchens sind verwittert. (Bild: Max Eichenberger)

Hoch türmen sich am letzten März-Samstag 1994 die Rauchschwaden über der Altstadt. Das Rathaus steht lichterloh in Flammen. Der Schock sitzt tief.

Ein Schüler hat im Dachstock des Nebengebäudes gezeuselt – über dem Polizei-Bezirkshauptposten, der sich damals noch im angebauten Nebengebäude befunden hatte. Zu einem Zeitpunkt, als der Umzug schon beschlossen war: in das Kantonalbank-Gebäude an der Bahnhofstrasse. Dort hat der Kanton den Posten mit dem Bezirksamt zusammengelegt. Die TKB stand ihrerseits vor dem Umzug: in das Zentrum Novaseta. An jenem verhängnisvollen Samstagmorgen droht ein Arboner Wahrzeichen in Schutt und Asche zu zerfallen. Der Dachstock des Rathauses, Sitz des Bezirksgerichts Arbon, brennt vollständig aus. Die Annexbauten werden teilweise zerstört. Die übrigen Teile des historischen Gebäudes, das den südwestlichen Abschluss der mittelalterlichen Stadtmauer bildet, können zwar gerettet werden.

Der Wiederaufbau kostete 3,5 Millionen Franken

Die Schäden sind aber enorm. Für die Arboner ist der verkohlte Dachstock und das Schutzdach darüber ein Anblick, der schmerzt.

Ein Wiederaufbau steht ausser Frage. Mit einem Kraftakt wird er vollzogen. 1,6 Millionen Franken zahlt die kantonale Gebäudeversicherung an den Wiederaufbau. 1,3 Millionen Franken leistet die Stadt. Die Arboner stimmen – trotz Gestöhne über die angespannte Finanzlage – dem Kredit im Frühjahr 1995 zu. Den 1521 Ja- stehen immerhin 734 Nein-Stimmen gegenüber. Gesamthaft kostet das Projekt 3,5 Millionen. Die Stadt hat ihr Wahrzeichen wieder. Architekt Kurt Sonderegger erinnert sich an die Aufrichte vor zwanzig Jahren: mit dem Aufsetzen des sonnenblumengeschmückten Türmli, das auf dem Schulhausplatz unter einem Zeltdach zusammengezimmert worden ist, als i-Tüpfelchen.

Exponiert der Witterung ausgesetzt

Nun koordiniert wieder er, Kurt Sonderegger, im Mandat der Stadt, die nötig gewordene Restaurierung des Rathaus-Turmes. Denn dieser thront exponiert. Und die Witterung hat den Schindeln zugesetzt. Sie müssen deshalb erneuert werden. Das Rathaus ist eingerüstet. Schindelmacher, Dachdecker und Spengler werden zum Zuge kommen.

Die Kosten seien noch nicht genau bezifferbar, sagt Andreas Turnheer, zuständig für den Fachbereich Hochbau bei der Stadt Arbon. Voraussichtlich in zwei Monaten kommt das Gerüst Sonderegger zufolge weg. Und das Türmchen wird dann in neuem Glanz die Arboner wieder erfreuen.

Das Bezirksgericht befindet sich heute an der Schlossgasse im früheren Saurer-Verwaltungsgebäude. Die Räume im Rathaus vermietet die Stadt seit 2013 an die Anwaltskanzlei Da Vinci Partners LLC von John Moetteli.

Aktuelle Nachrichten