ARBON: Mehr Kanten und Ecken zeigen

Wie dienen die Kirchen der Stadt am besten? Fünf Landes- und Freikirchen trafen sich am Freitag aus Anlass des 20-Jahr-Jubiläums des Christlichen Zentrums Posthof zu einer Podiumsdiskussion. Ein Vorschlag lautete, ein gemeinsames Kirchenfest aufzuziehen.

Hedy Züger
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Hedy Züger

arbon@thurgauerzeitung.ch

Nützen die Kirchen in Arbon etwas? Podiumsleiter Andrea Vonlanthen befragte und provozierte politisch und kirchlich engagierte Persönlichkeiten: Vizestadtprä­sident Patrick Hug, Stadtparlamentarier Jacob Auer, den katholischen Kirchenpräsidenten Dominik Diezi, den evangelischen Kirchenpräsidenten Röbi Schwarzer, Gastgeberin Susi Friedrich sowie Samuel Lehmann von der Chrischona.

«Wir sind nichts Exklusives», sagte Susi Friedrich, Pastorin bei der Pfingstgemeinde, der Kirche im Posthof. «Wir müssen auf die Menschen zugehen.» Sie erwarte gerne, dass man auch auf sie zukomme.

Vonlanthen fragte die Runde, was Arbon ohne Kirchen wäre. «Arbon gäbe es in der heutigen Form gar nicht», antwortete Diezi. Auf die Frage, wann sie letztmals an einer politischen Veranstaltung teilgenommen habe, sagte Friedrich: «Als Stadtpräsident Balg über die Zukunft der Altstadt informierte.» Bei Lehmann war es eine Parteiveranstaltung am Vortag. «Christen sind in der Politik mitverantwortlich.»

Was hat Gallus in Arbon bewirkt? Hug wies auf die markanten Spuren in der Stadt hin, schade sei nur, dass Gallus weiterging, sonst hätte Arbon heute die Grösse von St. Gallen. Gallus habe das Christentum geprägt, sagte Schwarzer. Er habe den Eindruck, dass in Arbon die christlichen Werte gut vertreten würden. «Wie wirkt sich das aus?», hakte Vonlanthen nach. Etliche Einrichtungen, die heute der Staat betreue, hätten ihren Ursprung im Christentum, beispielsweise im Sozial- und Gesundheitsbereich, sagte Schwarzer. Lehmann dazu: «Das Christentum bleibt Bestandteil unserer Kultur.» Friedrich: «Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen.» Diezi: «Die Bibel gibt den Auftrag, er ist ziemlich klar.» Auf die frohe Botschaft verwies auch Schwarzer.

«Spricht man noch über Glaube und Kirche, praktizieren die Menschen ihre Mitgliedschaft in den Kirchen noch?», wollte Vonlanthen weiter wissen. Gott spreche man oft in Notlagen an, in den Gottesdiensten seien vor allem ältere Menschen, doch die junge Generation sollte den Weg dahin auch wieder finden, sagte Hug. Alle Kirchen leisteten gute Arbeit und böten ein umfassendes Angebot , meinte Schwarzer: «Arbon profitiert davon, das wird viel zu wenig wahrgenommen.» Die Kirchen müssten Kanten und Profil zeigen und öfter ihre Stimme erheben, forderte Lehmann und verwies auf die Abtreibungen. 27 Kinder seien das in der Schweiz, jeden Tag.

Die Kirchen sollten eine niederschwelligere Anlaufstelle sein, meinte Auer. Und er schlug vor, ähnlich dem Kulturenfest ein grosses Kirchenfest zu veranstalten. Er selber sei vor drei Wochen in der Partnergemeinde Binn in der Kirche gewesen. «Mir gefällt dort die Einfachheit.» In der offenen Diskussion schlug jemand aus dem Publikum vor: Jeden Tag die Zeitung und die Bibel lesen, dann wisse man, was die Welt braucht.

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