ARBON: Mehr arbeiten, ohne längere Pause

Der Arboner Sonderfall soll verschwinden und das städtische Personal künftig wieder 42 Wochenstunden arbeiten – so, wie das in den Gemeinden die Regel ist. Wegen der schiefen Finanzlage winkt aber deswegen nicht mehr Lohn.

Max Eichenberger
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Über eine Verlängerung der Arbeitszeit der städtischen Angestellten, auch der Werkhofmitarbeiter, beschliesst am 22. März das Stadtparlament. (Bild: Max Eichenberger)

Über eine Verlängerung der Arbeitszeit der städtischen Angestellten, auch der Werkhofmitarbeiter, beschliesst am 22. März das Stadtparlament. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Die rund hundert städtischen Angestellten in Arbon sollen eine Stunde länger arbeiten. Das beantragt der Stadtrat. Die wöchentliche Arbeitszeit wäre mit 42 Stunden wieder im üblichen Rahmen der öffentlichen Verwaltung. Vor 16 Jahren war die (schon damals) knappe Kasse der Hauptgrund gewesen für eine damals vorgenommene Reduktion auf 41 Stunden, statt die Teuerung auszugleichen und eine Reallohnerhöhung zu gewähren.

Keine Lohn-Kompensation

Zwischenzeitlich wuchs der Druck, die Arbeitszeiten wieder jenen anderer Gemeinden wie auch der kantonalen Verwaltung anzugleichen. Ende 2015 beantragte der Stadtrat dies mit einer Botschaft. Seine Absicht war es, gleichzeitig mit diesem Schritt den städtischen Angestellten – als teilweise Kompensation – eine generelle Lohnerhöhung von 1,5 Prozent auszurichten.

Doch einer solchen Lohnerhöhung kann die vorberatende Kommission des Parlaments nicht zustimmen: Angesichts der sehr angespannten städtischen Finanzlage sei das «nicht angebracht und würde von der Öffentlichkeit auch nicht verstanden», fand die Kommission einstimmig. Zumal die Lohnanpassung zu Mehrkosten von 150 000 Franken und nicht bloss 70 000 Franken führen würde, wovon der Stadtrat ausgegangen war.

Die schlechte finanzielle Situation der Stadt wie auch die öffentliche Meinung legten es nahe, die Arbeitszeit anzupassen, findet die Kommission. «Die Stadt Arbon ist die einzige Gemeinde im Kanton, in der wöchentlich nur 41 Stunden gearbeitet wird.» In der Privatwirtschaft würden in wirtschaftlich schwierigen Phasen vielfach Arbeitszeiten ohne Lohnanpassung verlängert. Dies mutet die Kommission auch dem Stadtpersonal zu.

Ein zusätzlicher Ferientag

Die Personalvertretung hatte darauf verwiesen, dass die letzte generelle Lohnerhöhung schon fünf Jahre zurück liege. Immerhin will eine knappe Kommissionsmehrheit den städtischen Angestellten einen zusätzlichen Ferientag – oder «Brückentag» – gewähren. Diesem Vorschlag könne sich auch der Stadtrat anschliessen, erklärt dieser auf die Sitzung des Parlamentes vom 22. März hin. Dann behandelt die Volksvertretung die Vorlage.

Ein anderer Vorschlag, dem Personal entgegenzukommen, fiel in der Kommission hochkant durch: eine zusätzliche Viertelstunde bezahlte Pause pro Tag.

Keine längere Pause

Die Milchbüchleinrechnung war schnell gemacht: An fünf Tagen je eine Viertelstunde mehr Pause hätte die zusätzliche wöchentliche Arbeitsstunde nämlich mehr als aufgewogen.