ARBON: Mehr als nur einen grünen Daumen

Die reizvolle Lage am See und das gepflegte Stadtbild sind Arbons Aushängeschild. Die Stadtgärtnerei sorgt dafür, dass die Rasenflächen grün leuchten, in den Rabatten bunte Blumen blühen und die Bäume gesund sind.

Ramona Riedener
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Hans Zellweger in seinem Pflanzenreich. Mit 66 wird er Ende Monat pensioniert und gibt die Leitung der Stadtgärtnerei ab. (Bild: Ramona Riedener)

Hans Zellweger in seinem Pflanzenreich. Mit 66 wird er Ende Monat pensioniert und gibt die Leitung der Stadtgärtnerei ab. (Bild: Ramona Riedener)

Ramona Riedener

arbon@thurgauerzeitung.ch

Wenn im Frühjahr die Erde zu neuem Leben erwacht, die Sonne die ersten wärmenden Strahlen aussendet, die Bäume wieder zu spriessen anfangen und die Frühlingsblumen zu blühen beginnen, zieht es die Arboner, die Auswärtigen und die Touristen wie magisch an das Seeufer. Ein über drei Kilometer langer Seeuferweg, gesäumt von gepflegten ­Rasenflächen, bunten Blumenrabatten und schattenspendenden Bäumen, aber auch die historische Altstadt mit den schmalen Gassen und den schmucken Häuser und Plätzen laden vor allem in den wärmeren Jahreszeiten zum Flanieren und Verweilen ein.

Ein Auge für Schönes und viel Herzblut

Für die Gestaltung und die Pflege des Städtchens sind die Mitarbeiter des Werkhofs zuständig. Sie sorgen für ein sauberes, gepflegtes und schönes Stadtbild. Ein wichtiger Teil davon sind die Grünanlagen, die Wechselflorrabatten, die Ökoflächen, die Bäume und die über neun Kilometer langen Bachläufe, die von den Angestellten der Stadtgärtnerei betreut werden. Nicht nur einen grünen Daumen, Kreativität und ein Auge für Schönes, sondern auch Herzblut gehört zum Anforderungsprofil des Stadtgärtners. Diese Aufgabe meistert seit fünfzehn Jahren mit Leib und Seele der 66-jährige Romanshorner Hans Zellweger. Ende Monat tritt er definitiv in Pension. Samuel Brunner wird sein Nachfolger.

Mit seinen sechs Mitarbeitern sorgt der Stadtgärtner für ein gepflegtes, farbenfrohes Stadtbild. «Die Stadt soll sauber sein!», ist Zellwegers Devise. «Manchmal überschneiden sich unsere Aufgaben im Werkhof. Dann helfen wir uns aber gegenseitig.»

Kunstvoll arrangierte Blumenrabatten

Um die Wechselrabatten und die Pflanzkübel zu bestellen, benötigen der Stadtgärtner und seine Mitarbeiter pro Jahr rund 80000 Pflanzen. Diese werden in der eigenen Gärtnerei grossgezogen, bevor sie jeweils im Frühling und im Herbst verpflanzt werden. Und im Herbst sind es rund 8000 Blumenzwiebeln, wie Krokus, Tulpen, Schneeglöckchen, die im Frühjahr als erste Blüten Farbe in das Stadtbild bringen. Kein Zufall ist es, dass die Anlagen im Sommer mit bunt blühenden Pflanzen, in verschiedenen Formen, kunstvoll arrangiert sind. Dafür sorgt das erfahrene Auge des Stadtgärtners. Zellweger zeichnet diese Pflanzpläne noch von Hand. «Natürlich könnte man die Pläne auch auf dem Computer machen. Doch ob es damit schneller geht und sie dann besser sind...?», zweifelt Zellweger – und zieht an seiner Pfeife.

Das Fest ist vorbei, der Abfallberg bereits beseitigt. Noch bevor die Spaziergänger die Seepromenade wieder bevölkern, sorgt der Stadtgärtner wie einst die berühmten Heinzelmännchen, meist unbemerkt von der Öffentlichkeit, dafür, dass die Blumenrabatte, die zum unfreiwilligen Liegeplatz eines Festbesuchers geworden ist, wieder gerichtet und neu bepflanzt wird. Sturmschäden beseitigen, im Winter Bäume und Sträucher schneiden, Bachläufe reinigen und Biberschäden beheben sind nur einige der Aufgaben der Stadtgärtner.

Im Sommer haben die Pflanzen Durst

Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, tagelang kein Tropfen Wasser vom Himmel fällt, dann beginnen zuerst die Blumen zu welken, dann verfärben sich die Wiesen bräunlich und schliesslich welken die Blätter der Bäume. Damit dieses Szenario nicht eintritt, wappnet sich die Stadtgärtnerei. Montag, Mittwoch und Freitag, je nach Wetter, werden die Blumenrabatten mit frischem Wasser versorgt. Dazu steht den Gärtnern ein Fahrzeug mit einem Wassertank von 1000 Litern zur Verfügung. Durchschnittlich braucht es 8000 bis 10000 Liter, um die Blumen am Leben zu halten. «Im Juni mussten sogar die Bäume gegossen werden. Die Blätter welkten ­wegen der anhaltenden Hitze. Deshalb haben wir uns zu dieser Massnahme entschlossen», sagt Zellweger. Mit Hilfe eines Druckfasses kann das Wasser aus dem See gepumpt und die Bäume ­damit begossen werden. Diese Massnahme war laut Zellweger seit dem Jahrhundertsommer 2003 nicht mehr nötig gewesen. Wasserknappheit sei in unserem Breitengrad sonst kein Thema. «So können wir es uns erlauben, die städtischen Grün- und Pflanzenanlagen bedenkenlos mit Trinkwasser zu bewässern. Doch wir sollten trotzdem vernünftig mit dem Wasser umgehen. Nicht noch den Rasen sprengen und das Auto waschen, wenn es mal länger nicht geregnet hat. Die Natur ist abhängig vom Wasser», appelliert Hans Zellweger.