ARBON: Mehr als bloss drinnen wohnen

Der Markt im Bereich Wohnen im Alter, kombiniert mit Dienstleistungsangeboten, ist in Bewegung. In diesem Umfeld wappnet sich die Genossenschaft Alterssiedlung Arbon – und investiert in die Lebensqualität.

Max Eichenberger
Drucken
Teilen
Teil der Alterssiedlung an der Rebenstrasse. Die Genossenschaft schafft für ihre Mieter qualitative Mehrwerte. (Bild: Max Eichenberger)

Teil der Alterssiedlung an der Rebenstrasse. Die Genossenschaft schafft für ihre Mieter qualitative Mehrwerte. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Allein schon die Tatsache, dass der Anteil älterer Menschen zunimmt, schafft Bedürfnisse. Und ruft Investoren mit neuen Konzepten auf den Plan. Auch in Arbon tut sich mit dem Engagement der Baufreunde Zürich im Werk-Zwei in diesem Segment etwas.

Die Genossenschaft Alterssiedlung fährt ebenfalls eine offensive Strategie. «Wir müssen gut positioniert bleiben», trat Genossenschaftspräsident Christoph Tobler mit einem Investitions­paket von 3,77 Millionen Franken vor die Genossenschafter. «Um die Ertragskraft nachhaltig zu sichern, müssen wir attraktiv und konkurrenzfähig sein.»

Das bezieht sich nicht nur auf den Unterhalt und die laufende Erneuerung von Wohnungen. Es geht dem Verwaltungsrat vor allem auch darum, Mehrwerte für die Bewohner zu schaffen und in die Wohn- sowie Lebensqualität zu investieren. Das hat sie jüngst in dem von ihr betriebenen Pflegeheim Bellevue getan.

Grosser Aufenthaltsraum und ein neuer Park

Und sie peilt dies jetzt auch mit der strukturellen Aufwertung der Wohnsiedlung an der Rebenstrasse an. Herzstück der einstimmig bewilligten Kredite ist ein neuer wohnlicher und grosszügiger Aufenthaltsraum – in der Art eines an das Haus Stoffel angebauten Pavillons. Auf zwei Seiten verglast, schaffe er «einen maximalen Aussenbezug» und werde mit dem gedeckten Aussenbereich «zu einem belebten Ankunftsort», erläuterte Architekt Roman Singer das Projekt.

Das Foyer wird verlängert, die Heizung für die ganze Siedlung erneuert und auf Gas umgestellt. Der Saal, ausgestattet mit einem warmen Holzriemenboden, biete 120 Plätze und wirke «hell und wohnlich» – ein Manko beim heutigen Saal. Die heute wenig einladende Freifläche wird durch eine parkähnliche Gestaltung aufgewertet, das Areal mit Sitzgelegenheiten und einer gefälligen Bepflanzung versehen. Dies ermöglicht auch, das Pflegeheim Bellevue und die Wohnsiedlung nicht nur betrieblich ­einander näher rücken zu lassen: durch eine pergolaähnliche Verbindung. Damit wird die historisch bedingte Abtrennung – das Bellevue war einst eine Blusenfabrik – vollends aufgehoben.

Möglich macht dies auch die Aufhebung von Parkplätzen. ­Diese – und zusätzliche – werden nämlich in eine neue Tiefgarage integriert auf dem Grundstück über der Rebenstrasse zwischen dem Haus Bildgarten und der Nachbarparzelle. Dort entstehen 18 Tiefgaragenplätze, hauptsächlich für die Spitex, Mieterin des Bellevue-Erdgeschosses.

Zur Finanzierung der Tiefgarage (885000 Franken) und des Saalanbaus (2,885 Millionen) wird die Hypothek entsprechend aufgestockt. Die Tragbarkeit sei gegeben «und die Belehnungsgrenze kein Problem», sagte ­Tobler. Dennoch will man, so Verwaltungsrat Jürg Niggli, durch eine Spendenaktion und Zeichnung von Anteilscheinen eine halbe Million beibringen, um so den «Lupf» etwas abzufedern.