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ARBON: Krachendes Vergnügen

Im Historischen Museum berichtete alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling über die Seegfrörne 1963, seine Eiswanderung nach Langenargen und den Arbeitsplatz Arbon.
Hedy Züger
Claudius Graf mit einem Schlitten im Museum. (Bild: Hedy Züger)

Claudius Graf mit einem Schlitten im Museum. (Bild: Hedy Züger)

Hedy Züger

arbon

@thurgauerzeitung.ch

Seit 53 Jahren wünschen sich die Menschen am Bodensee die Seegfrörne zurück. Alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling war 13, als ihn die eigenen Füsse und Schlittschuhe in anderthalb Stunden über das zugefrorene Wasser trugen. Im Gemeindehaus Langenargen liess auch er sich die aussergewöhnliche Wanderung mit einem Stempel bestätigen. An der Führung zu den Arboner Erinnerungsstücken am letzten Sonntag im Museum im Schlossturm erklärte Graf, dass am Bodensee nur 1695, 1830 und 1963 eine vollständige Seegfrörne eingetreten sei.

Unter dem Titel «Krachendes Eisvergnügen» fasste Graf seine Erinnerungen auch in einer Broschüre zusammen. «Am wolkenlosen sonnigen Sonntag, 3. März 1963, herrschte der intensivste Verkehr auf der Eisstrasse zwischen Arbon und Langenargen. In Erinnerung habe ich, dass wir uns auf einer nicht enden wollenden riesigen Ameisenstrasse bewegten.» Graf beschreibt die zugefrorene Fläche als reine Natureisfläche mit schrecklichen Wunen, da und dort gab es ein Schneefeld oder mannshohe Eisbarrieren, zwischendurch perfektes Glatteis, also schwarzes Eis, das einen Blick in die Tiefe, in den Schlund des Bodensees, erlaubte. Das Eis lebte, und blitzschnell bildeten sich feine Risse, denen ein unheimliches Krachen und Donnern vorausging.

In Relation zu den Zehntausenden, die zu Fuss, auf Kufen, per Velo oder im Auto die Seeüberquerung wagten, seien die fünf Toten, die auf die Seegfrörne zurückgehen, vielleicht nicht viele, sagte Graf. Aber jede dieser Meldungen habe die Freude am Jahrhundertereignis überschattet.

Bedrängte Arbeiterschaft

Bevor er das Thema Seegfrörne aufgriff, nahm Claudius Graf die Zuhörer mit in jenen Museumsbereich, der sich den Hungersnöten im Thurgau und den Arbeitskonflikten in Arbon widmet. Nirgendwo sonst in der Schweiz sah sich die Arbeiterschaft um 1900 so oft bedrängt, dass sie nur noch mit Streik reagieren konnte. Die politischen Veränderungen kamen schleppend. Als es 1928 darum ging, den ersten sozialdemokratischen Gemeindeammann zu wählen, August Roth, erreichte Arbon nach einer Kampfwahl eine Stimmbeteiligung von 93 Prozent. Ab 1946 belegten vorübergehend zwei Kommunisten Sitze in der Ortsverwaltung.

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