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ARBON: Kampf gegen Windmühlen?

Bald ist Betriebsschluss im Hotel Metropol. HRS plant dort eine 75-Millionen-Überbauung. Ein ehemaliges Mitglied der Ortsbildkommission wehrt sich «gegen eine Verschandelung des Seeufers.»
Max Eichenberger
Die Bildmontage veranschaulicht, wie das HRS-Projekt «Riva» auf dem heutigen Metropol-Areal die Arboner Ufersilhouette verändern würde. (Bild: pd)

Die Bildmontage veranschaulicht, wie das HRS-Projekt «Riva» auf dem heutigen Metropol-Areal die Arboner Ufersilhouette verändern würde. (Bild: pd)

ARBON. Noch immer liegt der Gestaltungsplan für die Parzelle Metropol beim Kanton. Dort, am See, will HRS die Überbauung «Riva» realisieren – anstelle des schiffähnlichen Hotelbaus. Das Metropol soll also weichen und abgebrochen werden. Im Herbst läuft der von HRS gewährte und verlängerte Übergangsbetrieb unter Sami Debbabi aus. Definitiv, wie HRS angekündigt hatte.

Zwei getrennte Verfahren sind seit längerem schon hängig: Zunächst geht es um die Klärung der Schutzwürdigkeit des Gebäudes. Im Inventar der Denkmalpflege ist es als «bemerkenswert nach 1959» eingestuft.

Dann ist das Gestaltungsplanverfahren weiterhin pendent. Der Gestaltungsplan sieht auf dem Areal zwei vierzig Meter hohe Zwillingstürme mit je vierzehn Geschossen vor, die über ein Sockelgeschoss verbunden sind. Für Kurt Sonderegger, der bis 2015 Einsitz hatte in der Arboner Ortsbildkommission, sind – unabhängig von der Metropol-Schutzfrage – solch hohe Bauten an diesem Ort nicht zulässig. Schon bei der Ausschreibung des Wettbewerbs habe HRS grundlegende Rahmenbedingungen ausser acht gelassen.

Mit Druck soll das Projekt durchgeboxt werden

Das Metropol liege im ISOS- Perimeter: im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Dieses umfasse den gesamten Seeufergürtel in der Gemeinde Arbon vom Strandbad bis zum Aachbrüggli; beim Metropol den Streifen vom See bis zur Bahnhofstrasse. «Laut den ISOS-Richtlinien von 2009 dürfen diese Uferpartien keinesfalls verdichtet werden – und darf das <Riva>-Projekt mit den beiden hohen Türmen nicht zur Ausführung kommen», sagt Sonderegger.

Er sei kein grundsätzlicher Gegner von qualitativ guten hohen Bauten, das Projekt selber finde er auch nicht schlecht. Aber die «Riva»-Bauten gehörten nicht an den See, sondern mehr ins Zentrum. In das rückwärtige Areal Saurer WerkZwei würden sie durchaus passen, meint Kurt Sonderegger. Dies hätte aber dort eine Anpassung des Gestaltungsplans bedingt.

«Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Türme, die höher sind als die Kirchtürme, die Arboner Uferlinie verschandeln», folgert der Architekt. «Wir Arboner müssen uns für unser schützenswertes Ortsbild einsetzen, bevor es zu spät ist.» Es dürfe nicht sein, dass auf dem Platz Arbon nur noch der Profit regiere.

In der Pflicht sieht Sonderegger insbesondere auch den Kanton, dies nicht zuzulassen. Die Politik, das sei er sich bewusst, stehe gewaltig unter Druck. «Die Aussage von HRS-CEO Martin Kull, dass das Hotel WerkZwei erst gebaut würde, wenn der Gestaltungsplan «Riva» rechtskräftig sei, «ist ein inakzeptables Druckmittel, um diesen offenbar durchzuboxen».

Grundsätzlich müssten auch die HRS-Pläne auf dem Areal des heutigen Jumbo (Projekt «Seefront» mit 80 Wohnungen) hinterfragt werden. Sie seien ebenfalls nicht ISOS-konform.

Würde vor Bundesgericht kaum standhalten

Die «Riva»-Türme beim Metropol würden laut Sonderegger im übrigen auch den Empfehlungen einer Hochhaus-Studie widersprechen, die der Stadtrat Arbon 2009 in Auftrag gegeben habe und die das ganze Gemeindegebiet fokussiert hat. Daraufhin hätten im Breitehof die Überbauungspläne «gestutzt» werden müssen. Kaum nachvollziehbar wäre deshalb, wenn die Empfehlungen nicht auch auf das Metropol-Areal angewendet würden.

Dass die Interessen nicht deckungsgleich sind, liegt für Stadtpräsident Andreas Balg in der Natur der Sache. Selber ist er «begeistert vom Projekt <Riva> und seinen Qualitäten». Bei der Metropol-Schutzfrage gelte es vorgängig eines Entscheides die Gesamtinteressen abzuwägen.

Im Juni sagte Balg gegenüber der TZ, dass eines der Szenarien vorsehe, das Metropol zwar per Einzelverfügung unter Schutz zu stellen, dass aber «aufgrund eines überlagerten öffentlichen Interesses» doch der Abbruch verfügt werden könne. Einen gewissen Spielraum lasse das neue Planungs- und Baugesetz zu, zu definieren, wo wie hoch gebaut werden kann, sagte Balg.

Kurt Sonderegger kann sich nicht vorstellen, dass sich für HRS und die Stadt ein Weg öffnet, um die «Riva»-Hochbauten zu legitimieren. «Die ISOS-Richtlinien sind aus meiner Sicht behördenverbindlich.» Vor Bundesgericht würde wohl das Projekt «Riva» kaum standhalten, meint er.

Persönlich sei er für den Erhalt des Metropol, so Sonderegger. Sollte der Schutz verneint werden, müsste das Gebiet angepasster überbaut werden.

So visionalisiert HRS Real Estate AG ihr vierzehngeschossiges Überbauungsprojekt auf der Metropol-Parzelle am See. (Bild: pd (Visualisierung))

So visionalisiert HRS Real Estate AG ihr vierzehngeschossiges Überbauungsprojekt auf der Metropol-Parzelle am See. (Bild: pd (Visualisierung))

Das Hotel Metropol soll dem Projekt weichen. Die Frage der Schutzwürdigkeit ist eines der hängigen Verfahren. (Bild: Max Eichenberger)

Das Hotel Metropol soll dem Projekt weichen. Die Frage der Schutzwürdigkeit ist eines der hängigen Verfahren. (Bild: Max Eichenberger)

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