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ARBON: In Chratzern gibt’s Mostfondue

In der Mostgalerie wird an der Fachtagung für Obst und Most über Bienenfleiss, einen Urwald aus Obstbäumen und neue Obstsäfte informiert. Hans-Jörg Willi weist auf die Entwicklung der Gegend hin.
Hedy Züger
Most-Galeristin Elisabeth Stäheli schenkt Apfelsaft aus. (Bild: Hedy Züger)

Most-Galeristin Elisabeth Stäheli schenkt Apfelsaft aus. (Bild: Hedy Züger)

Hedy Züger

arbon@thurgauerzeitung.ch

Im Weiler Kratzern wurde am Samstag die Fachtagung für Obst und Most durchgeführt. Dies bot Gelegenheit, Neues über die Bedeutung der Bienen zu erfahren, die für den Weiterbestand der Thurgauer Apfellandschaft unverzichtbar sind. Imkerin Johanna Seiterle sagte, was die Bienen für uns leisten, und zeigte auf, dass wir dem sprichwörtlich fleissigen Volk, das nun in Bedrängnis ist, mit Blumenwiesen und anderen Massnahmen etwas zurückgeben können. Es sei unvorstellbar, was es brauche, bis ein Löffel Honig gesammelt sei, so Seiterle.

In der Mostgalerie erhalten seit dreizehn Jahren grosse und kleine Obstverarbeiter die Möglichkeit, ihre Produkte zu präsentieren. Neu auf dem Markt sind Redlove, Apfeldream und mit Apfelsaft angereicherter Eistee. Eine weitere Option ist die Mostpresse, die beim Thurgauer Süssmostverband gemietet werden kann, so wird steuerbar, was genau in den Saft einfliesst.

Most-Entwicklungshilfe in Kirgistan

Nicht nur Mostindien pflegt seine Apfelkulturen. In Zentralasien ist Kirgistan mit seinen Primärobstwäldern dafür bekannt. Hier setzt sich Helvetas ein. Kirgistan besitzt eigentliche Obsturwälder. Unter riesigen Nussbäumen wachsen kleinere Apfel- und Zwetschgenbäume. Der Weiterbestand der weltweit einmaligen Population rotfleischiger Äpfel, die essbar sind, soll mit Auflagen zur Bewirtschaftung gesichert werden. Hansjakob Zwingli, Flawil, referierte über das Projekt; umzäunte Gelände für je eine Familie sind eine der vereinbarten Sicherheiten. Die Schweiz führt in Kirgistan verschiedene Hilfsprojekte durch. Die Äpfel tragen zum Teil bei uns bekannte Namen: Golden, Gravensteiner, Kasseler Reinette. Das an China angrenzende Kirgistan, wohin das Arboner Ehepaar Jutz regelmässig mit kleinen Gruppen reist, führt jedes Jahr ein Apfelfest durch und prämiert den schönsten Apfel und den besten Apfelkuchen.

Most lässt sich gut beim Kochen einsetzen, die Teilnehmer der Fachtagung wurden von Elisabeth und Paul Stäheli über Mittag mit einem feinen Thurgauer Mostfondue verwöhnt. Es besteht aus zwei Teilen rotem und einem Teil grünem Tilsiter.

All-Kraft-Ort und «guoter opsboden»

«Den Most nicht vergessen», mahnte Elisabeth Stäheli, «damit schmeckt das Fondue sehr gut». Das Mahl in der Mostgalerie wurde mit Glacé vom Bauernhof abgeschlossen. Den Teilnehmern des Anlasses bot sich Gelegenheit, auf dem Kulturpfad mit Hans-Jörg Willi etwas über die Geschichte des alten Weilers und die Geologie der Gegend zu erfahren. Die Gruppe wanderte vom Weiler Kratzern, den Willi mit All-Kraft-Ort und dem Eisheiligen Pankraz in Verbindung bringt, Richtung Arbon. Seit der Würmeiszeit, vor 12 000 Jahren, habe sich der Seegrund stark verändert und verändere sich weiter, sagte Willi. Wissenschafter vermuten, dass der Bodensee in rund 7000 Jahren aufgefüllt sein wird.

Wer vermutet, der Wasserbezug aus dem Bodensee für fünf Millionen Menschen könnte daran beteiligt sein, rechnet falsch. Der Seespiegel senkt sich deswegen jährlich nur um 50 Zentimeter. Die Wasserentnahme wird durch viele Zuflüsse ausgeglichen.

«Arbon liegt auf einer mächtigen, Frasnacht auf einer schmächtigen Mittelmoräne der Würmeiszeit», so Hans-Jörg Willi. Die Moränen bestehen aus Lehm und Kies. «Das ist ein edler und guoter opsboden», habe der St. Galler Stadtarzt, Bürgermeister und Reformator Vadian um 1530 festgestellt. Ein guter Obstboden, das wusste man also bereits vor 500 Jahren, und bleibt in der Tradition: Cidre, Mostsäfte und die Mostgalerie passen in diese Landschaft.

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