ARBON: «Ich habe ein völlig neues Leben»

Kampf gegen die Pfunde: CVP-Bezirkspräsident Lukas Auer hat 63 Kilo abgenommen. Zu verdanken hat er das einem Magenschlauch. Doch nicht nur. Ebenso hat eiserne Disziplin bei Essen und Sport dazu beigetragen.

Tanja von Arx
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Sorgte auf Facebook für Aufsehen: Lukas Auer, als er vergangenen Monat die 60-Kilo-Marke knackte. (Bild: PD)

Sorgte auf Facebook für Aufsehen: Lukas Auer, als er vergangenen Monat die 60-Kilo-Marke knackte. (Bild: PD)

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Herr Auer, auf den jüngsten Fotos sind Sie kaum wiederzuerkennen. Wie fühlen Sie sich?

Sehr gut. Mit 63 Kilo weniger auf den Rippen sind Vorher-nachher-Bilder nicht mehr vergleichbar. Vieles fällt mir leichter, egal ob Feiern, Arbeiten oder Schlafen. Ich habe ein völlig neues Leben.

Wie haben Sie es denn geschafft, so viel abzunehmen?

Ich hatte schon länger den Plan, mir ein Magenband einsetzen zu lassen. Im letzten Jahr merkte ich dann einfach: So geht es nicht mehr. Ich wog damals 174 Kilo. Der Hausarzt empfahl mir einen Magenschlauch.

Worum handelt es sich dabei?

Es ist die neue Version des Magenbandes. Man setzte ihn mir im vergangenen August ein und entfernte mir zwei Drittel des Magens. Dem voran gingen wochenlange Tests, körperliche wie psychologische. Die Ärzte wollten beispielsweise wissen, ob ich mir vorstellen könne, derart viel weniger zu wiegen. Einige kommen damit nicht klar. Das sind die Spielregeln: Man muss es wirklich wollen. Denn es gilt, nach der Operation diszipliniert weiterzuarbeiten.

War die Operation schmerzhaft?

Nein, sie war für mich einfach eher unangenehm. Ich hatte den Arzt gefragt, ob ich nach der Operation an die Delegiertenversammlung der CVP Thurgau gehen könne. Er sagte Ja. Aber offenbar war das ein Scherz – ich war recht angeschlagen.

Würden Sie rückblickend sagen, dass sonst nichts geholfen hat?

Ich hatte schon mehrere Diäten gemacht. Was mir aber fehlte, war der Durchhaltewille. Die Leute sagen einem schon, dass man zu viel wiegt, aber man hört da gar nicht mehr hin.

Sie sagten, nach der Operation müsse man diszipliniert weiterarbeiten. Wie meinen Sie das?

Sechs Monate muss sich der Körper an den Magenschlauch gewöhnen. Vor allem kurz nach der Operation habe ich alles püriert. Ich esse auch nicht mehr so viel. Fettiges lasse ich sein und auch den Grossteil des Alkohols. Trinke ich heute ein, zwei Bier, fährt das rasch ein. Und noch eins: Trinken und essen kann ich nicht mehr gleichzeitig.

Wie sieht denn heute Ihr Menuplan aus?

Am Morgen esse ich zwei Vitamintabletten und nehme einen Eiweiss-Shake zu mir, mittags gibt es eine Suppe, nachmittags ein paar Nüsse. Wenn ich Zeit habe, mache ich abends noch eine Suppe. Habe ich keinen Hunger, lasse ich es sein.

Und sonst essen Sie nichts?

Zurzeit nur wenig. Ein- bis zweimal pro Woche gönne ich mir zusätzlich ein Gipfeli, um den Magen wieder an feste Nahrung zu gewöhnen.

Hatten Sie auch schon mal einen Rückfall, sprich haben Sie von etwas Ungesundem zu viel gegessen?

Das ist mir am Anfang ab und an passiert. Die Folgen sind nicht schön. Isst man zu fettig, hat man Durchfall oder man muss erbrechen. Die Ärzte nennen das den Dumping-Effekt.

Wie gehen Sie mit solchen Komplikationen um?

Ich habe generell nicht mehr so viel Appetit. Der Glust ist schon da, aber er ist nur klein. Vieles habe ich auch nicht mehr gern. Seit vier Tagen liegt zum Beispiel eine Pizza in der Wohnung, die wir immer noch nicht fertiggegessen haben.

Hat Sie sonst noch etwas gestört nach Ihrem Eingriff?

Ja, genervt hat mich, dass ich keine Kleider mehr hatte. Alles war mir zu gross, sogar die Schuhe. An einem Tag habe ich alles weggeworfen und mir neue Kleider gekauft. Noch heute kaufe ich ständig neue Kleider.

Abzunehmen dürfte nicht nur an Ihrem Kleiderschrank Spuren hinterlassen haben. Wie geht es Ihrer Haut?

Ich habe den Vorteil, dass ich jung bin und Sport mache. So hat sich 95 Prozent der Haut zurückgebildet. Deshalb muss ich mich auch keiner Operation unterziehen. Sie käme mich teuer zu stehen.

Wie teuer war denn der Magenschlauch?

Die Krankenkasse hat den Eingriff bezahlt. Ich musste allerdings den Selbstbehalt tragen. Es kostete mich knapp 3000 Franken.

Sie sagten, Sie machen Sport?

Ja, ich fahre oft Velo. Und bitte lachen Sie jetzt nicht, ich mache zweimal pro Woche Yoga. Als mir das ein Kollege vorschlug, schüttelte ich zuerst den Kopf. Heute kann ich es mir nicht mehr anders denken. Ich kann herunterfahren, den Kopf abschalten. Und nicht zuletzt: In Arbon hält einen die Politik auf Trab.

Wie geht es weiter?

Zurzeit ist Thema, dass ich alle drei Monate zur Kontrolle muss, später jedes halbe Jahr. Man misst mir die Blutwerte, weil ich darauf achten muss, genügend Vitamine und Mineralstoffe zu mir zu nehmen. Mir fehlt beispielsweise Zink. Und dann will ich weiter abnehmen.

Noch mehr?

Ja, mein Ziel sind 80 Kilo. Ich habe eine zweite Chance erhalten und will diese auch nutzen. Ich kann den Eingriff nur empfehlenAABB22– auch einem Kollegen meiner Eltern, der an Übergewicht leidet, werde ich den Tipp ans Herz legen.