Arbon hat viel Potenzial

Die Standort- und Marktanalyse des vom Stadtrat beauftragten Beratungsunternehmens Wüest und Partner findet Beachtung. Prognostiziert wird ein markantes Bevölkerungswachstum. Negativ ist dabei die zunehmende Anonymisierung.

Alois Degenhardt
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Die Studie setzt auf die Wohnstadt Arbon, weniger auf den Dienstleistungssektor. (Bild: Max Eichenberger)

Die Studie setzt auf die Wohnstadt Arbon, weniger auf den Dienstleistungssektor. (Bild: Max Eichenberger)

Das Zauberwort «Potenzial» geisterte einmal mehr durch den Seeparksaal. Der visionäre Stadtammann Martin Klöti und seine Behörde glauben an eine dynamische Stadtentwicklung, die vor allem durch die Realisierung verschiedener Verkehrsprojekte, aber auch durch die Belebung brachliegender Industrieareale möglich werden soll.

Die Stadt wächst

Die von Wüest und Partner in einem relativ kurzen Zeitraum angefertigte Studie beschäftigt sich zunächst mit der Erreichbarkeit Arbons, die vor allem auf die geplante Schnellbusverbindung nach St.

Gallen setzt. Diese werde das seit fünf Jahren anhaltende Bevölkerungswachstum von 4,4 Prozent beschleunigen. Die Region wächst nur um 2,5 Prozent, der schweizerische Schnitt liegt bei 3,4 Prozent. Die demographische Analyse bestätigt den hohen Ausländeranteil von 29 Prozent. Der Anteil der Deutschen habe sich aufgrund der Personenfreizügigkeit markant auf über 20 Prozent erhöht.

Reserven vorhanden

Trotz der vergleichsweise dezentralen Lage sei Arbon vor allem im Individualverkehr gut zu erreichen und biete gute Voraussetzungen für die Wohnnutzung. Die Studie bestätigt die wachsende Zahl von Pensionären und die Dominanz von Gesellschaftsgruppen mit relativ geringer Kaufkraft. Arbon gilt nach wie vor als Industriestadt im Oberthurgau. Kritisch wird die Abhängigkeit von einem grossen Arbeitgeber vermerkt.

Zahlreiche, teilweise grosse Entwicklungsareale und Baulandreserven im Raum Bahnhof, Stachen und in Seenähe bieten, so die Studie, längerfristig Wohnraum für über 4000 Menschen, rund 30 Prozent der aktuellen Wohnbevölkerung. Besonderes Entwicklungspotenzial sehen die Analysten in der Altstadt, wo spezialisierte Immobilienunternehmer bereits in der Vergangenheit geschickt investiert haben.

Vision Wohnstadt

Arbon verfügt also über alle Qualitäten einer mittelgrossen Stadt. Die Studie setzt aus einleuchtenden Gründen auf die Vision Wohnstadt, weniger auf den Dienstleistungssektor. Trotzdem sieht sie die Stadt als regionales Zentrum mit einem attraktiven Verkaufsangebot. Als intakter Industrie- und Gewerbestandort bietet die Stadt die Voraussetzung für eine gute Bevölkerungsdurchmischung.

Bei steigenden Steuereinnahmen seien die Auswirkungen der Wachstumsszenarien auf die Finanzlage zu prüfen. Negativ zu werten sei eine zunehmende Anonymisierung, die Zunahme des Individualverkehrs sowie steigende Bauland- und Immobilienpreise.