ARBON: Für 17 Franken pro Stunde: Mitarbeiter verarbeiten Zalando-Retouren neu in Arbon

An der Textilstrasse werden seit Mitte Oktober Retourenartikel für Zalando verarbeitet. Die Logistikfirma MS Direct hat für diesen neuen Standort sechzig neue Mitarbeiter angestellt. Darunter auch Sozialhilfebezüger.

Maria Keller
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Seit Mitte Oktober werden in der ehemaligen Saurer-Halle gegenüber dem neuen Jumbo Maximo Retourenartikel von Zalando verarbeitet. (Bild: Max Eichenberger)

Seit Mitte Oktober werden in der ehemaligen Saurer-Halle gegenüber dem neuen Jumbo Maximo Retourenartikel von Zalando verarbeitet. (Bild: Max Eichenberger)

«Anfangs hagelte es Kritik, mittlerweile werden wir für unseren Einsatz gelobt.» Unternehmens- und Personalberater André Mägert hat sich dafür eingesetzt, dass zehn Arboner bei dem neuen Standort der MS Direct AG im ehemaligen Saurer-Areal eine Arbeit gefunden habe. Denn in der Halle werden seit dem 16. Oktober Retourenartikel für den deutschen Onlineversandhändler Zalando verarbeitet. 

Auf Facebook schrieb Mägert die Stellenanzeige Anfang Oktober aus. Gesucht waren hauptsächlich noch Frauen. Das Kontingent der Männer sei schnell voll gewesen. Über den Einstiegslohn von 17 Franken empörten sich in den Kommentaren einige Arboner, gesprochen wurde unter anderem von Ausbeuterei. «Natürlich ist das kein Superlohn, anhand der Bewerbungen war aber schnell sichtbar, wie viele für dieses Angebot dankbar sind», sagt Mägert. Die MS Direct AG sei mit fast 400 Bewerbungen überschwemmt worden. 

«Wichtig für finanziell durchgeschütteltes Arbon»

Mägert engagierte sich privat und half dreissig Arbonern, Lebensläufe und Bewerbungen zu verfassen. Zehn davon hätten die Stelle bekommen. Ursprünglich waren sechzig Neustellen ausgeschrieben, die nun bis auf wenige schon alle besetzt werden konnten. Insgesamt arbeiten aktuell hundert Mitarbeitende an der Textilstrasse. Die Arbeit beinhaltet die Kontrolle, Reinigung und Verpackung von Textilien und Schuhen. Gearbeitet wird in zwei Schichten zu jeweils achteinhalb Stunden. «Für das finanziell durchgeschüttelte Arbon sind diese neuen Stellen wichtig», sagt Mägert. Drei Sozialhilfebezüger und genau so viele Arbeitslose hätten dadurch wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können. «Ich bin sehr stolz auf alle, die mit diesem Schritt den Weg in den ersten Arbeitsmarkt geschafft haben», äusserte sich Mägert auf Facebook. Ein Dank gehe dabei auch an die MS Direct AG. «Unternehmen, die nicht nur hoch qualifizierte Mitarbeiter suchen, sind unglaublich wichtig.» Dabei sei aber noch viel Luft nach oben vorhanden. Bei so vielen Sozialhilfebezügern solle vermehrt ein Jobcoaching angeboten werden, sagt Mägert.

Rascher Betriebsstart gelungen

Nur dreieinhalb Wochen Zeit hatte die MS Direct AG, um die Saurer-Halle für die neue Nutzung startbereit zu kriegen. «Wir haben den Betrieb buchstäblich aus dem Boden gestampft, von allen Seiten war sehr viel Flexibilität gefragt», sagt Alex Hirzel, Head of Marketing der MS Direct AG.
Pünktlich auf den 16. Oktober habe man aber loslegen können. Und bisher laufe der Betrieb gut. Dazu trage auch der passende Standort bei. Das Saurer-Areal habe durch seinen historischen Hintergrund den gewissen Charme, sagt Hirzel. «Die Halle ist optimal ausgelegt und durch den nahen Bahnhof gut erschlossen.» Die Arbeit mit den Menschen unterschiedlichster Nationen unter einem Dach funktioniere reibungslos, sagt Hirzel.

Um die Mitarbeiter auszuwählen, wurden die Bewerber laut Mägert zu einem Probetag eingeladen. Dort habe man deren Geschicklichkeit sowie minime Deutschkenntnisse getestet.