ARBON: Es speit 19 Liter pro Sekunde

Sie gehören zur Stadt wie das Schloss und die Kirchen: In gebührendem Abstand erfreuen sich Passanten an den zischenden Fontänen des Wasserspiels vor dem Quai. Seit dreizehn Jahren sorgt Marcus Glinz dafür, dass es so ist.

Max Eichenberger
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Marcus Glinz erklärt im Zollbootshaus, wie die Steuerung des Wasserspiels in der Arboner Bucht funktioniert. (Bild: Max Eichenberger)

Marcus Glinz erklärt im Zollbootshaus, wie die Steuerung des Wasserspiels in der Arboner Bucht funktioniert. (Bild: Max Eichenberger)

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Zwar einige Nummer kleiner als sein Genfer Pendant, prägt der Jet d’eau in der Arboner Bucht das Bild der Ufersilhouette mit. Aus den Düsen beim stählernen schwimmenden Ring speit er das Wasser gegen zehn Meter hoch. Je nachdem, ob ein Wind geht und wenn, wie stark, fällt es einem flatternden, ausladenden Vorhang gleich auf die Wasseroberfläche zurück. Bei Windstille wiederum ist das Wasserspiel schlanker. Manchmal, je nach Lichteinfall, steuern die Sonnenstrahlen mit den Spektralfarben im Wechselspiel eine zauber­hafte Komponente bei und machen den Jet d’eau zum Kunstwerk. So nimmt man ihn immer wieder neu wahr.

Drei Pumpen saugen das Wasser an

Drei Pumpen mit einer Leistung von 12,5 Kilowatt sorgen für den nötigen Druck: Pro Sekunde schiessen 18,8 Liter Wasser hoch. «Früher waren die Pumpen direkt unter dem Wasserspiel angebracht und haben das Wasser ange­sogen», sagt Marcus Glinz. Er ist bei der Arbon Energie AG unter anderem dafür zuständig, dass das Wasserspiel von Mitte Mai bis Mitte September seiner Bestimmung entsprechend funktioniert und die gegen zwanzig öffent­lichen Brunnen im Gemeinde­gebiet mit Wasser gespiesen ­werden. Weil der See dort, wo der ringförmige Wasserkörper des Wasserspiels mit einem Durchmesser von 4,8 Meter verankert ist, Untiefe hat, haben die Pumpen immer mal wieder Sedimentdreck angesogen. Dadurch verstopften die Düsen und habe sich der Jet d’eau häufig «Auszeiten genommen», erinnert Glinz.

Von 11 bis 21 Uhr in Betrieb

1994 hat man deswegen um­gebaut. Eine Schlauchverbindung wurde zum Ufer gelegt. Von dort verlaufen Leitungen bis zum Zollbootshaus, das im Frühjahr 2016 restauriert und dessen Dach angehoben worden war, damit das neue Zollboot darin Platz findet. Im Schacht davor sind die drei Pumpen installiert. In einem Kasten im Bootshaus befindet sich die Steuerung. Das Wasser wird im Hafenbecken angesogen. Das Wasserspiel ist so programmiert, dass es von 11 bis 21 Uhr Wasser speit.

Das Verschmutzungsproblem besteht zwar noch, weil das mit dem Wasser angesogene Sediment aggressiv wirkt. Es hat sich aber vermindert. Alle Pumpen hat Marcus Glinz schon ersetzen müssen. «Immer im Herbst werden sie aus dem Schacht herausgenommen und gereinigt. Das ist Winterarbeit», sagt Glinz. Sein Hang zur Tüftelei kommt der Funktionstüchtigkeit des Wasserspiels auch im Betrieb zunutze. Weil die Pumpen nie ganz vor Verstopfung gefeit sind, hat ­Marcus Glinz die Rückschlagklappen entfernt. Wenn die An­lage abstellt, fliesst so etwas Wasser retour, was einen reinigenden ­Effekt hat.

Schreckmomente hat es auch schon gegeben. Als vor fünf Jahren die verrosteten Ketten rissen, die für die Verankerung sorgen, machte sich das Wasserspiel selbst­ständig. Es konnte dann geborgen und mit neuen Ketten wieder ­verankert werden.

Ruhebank für die Wasservögel

Die Wasservögel leben ganz gut mit dem Arboner Jet d’eau. Sie verweilen gerne auf dem schwimmenden, innen hohlen Metallring. Wenn die automatische Steuerung die Anlage einschaltet, werden sie durch den vielfach hochschiessenden Wasserstrahl in die Flucht geschlagen. Glinz hat schon beobachtet, wie Schwäne unter dem niederfallenden Wasser durchschwimmen und eine Dusche nehmen.

Am meisten aber freut ihn zu sehen, wie Einheimische und Gäste ihrerseits Freude am Wasserspiel haben – und entzückt die Kamera zücken.